Evonik Aktie: Strukturprobleme drücken

Evonik leidet unter strukturellen Branchenproblemen wie Überkapazitäten und Preisdruck aus China. Analysten senken Prognosen und sehen Risiken im Methionin-Geschäft.

Die Kernpunkte:
  • Aktie notiert deutlich unter 52-Wochen-Hoch
  • Branchenweite Überkapazitäten drücken Preise
  • Analysten senken Gewinnprognosen für 2026/27
  • China-Exporte belasten Margen dauerhaft

Evonik kämpft nicht nur mit einer schwachen Konjunktur, sondern mit tiefgreifenden strukturellen Belastungen in der Chemiebranche. Vor allem Überkapazitäten, Preisrückgänge und ein wackliges Methionin-Geschäft setzen den Ausblick unter Druck. Wie ernst ist die Lage für den MDAX-Wert?

Sektor-Schwäche und Kursdruck

Die Aktie schloss am Freitag bei 13,06 Euro und verlor damit rund 3,3 Prozent auf Tagessicht. Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich das Minus auf gut 24 Prozent – der Titel notiert mehr als 40 Prozent unter seinem 52‑Wochen-Hoch von 22,26 Euro.

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Der Rückgang ist eingebettet in ein schwaches Branchenumfeld. Die Kapazitätsauslastung in der europäischen Chemie liegt nahe historischen Tiefständen. Gleichzeitig drücken chinesische Exporte die Preise entlang wichtiger Wertschöpfungsketten. Barclays rechnet deshalb damit, dass auch 2026 für die Branche ein schwieriges Jahr mit schwachen Absatzmengen, niedrigen Preisen und fragilen Endmärkten bleibt.

Analysten sehen Risiken bei Methionin

Die Analystenseite bleibt insgesamt verhalten. Mehrere Investmentbanken haben ihre Einstufungen in den vergangenen Tagen bestätigt oder vorsichtig angepasst:

  • JP Morgan: Rating „Neutral“
  • Barclays: Rating „Neutral“
  • Berenberg: Herabstufung auf „Sell“, Kursziel 11,60 Euro

Besonders kritisch bewertet Berenberg das Methionin-Geschäft, einen wichtigen Baustein im Spezialchemie-Portfolio. Die Aminosäure könnte nach Einschätzung der Bank bis 2030 in eine strukturell margenschwache Kategorie abrutschen. Entsprechend liegen die EBITDA-Schätzungen von Berenberg für 2026 mit 1,79 Milliarden Euro rund 5 Prozent unter dem Marktkonsens.

Auch auf Ergebnisebene wird nachjustiert:
Berenberg senkte die EPS-Prognose für 2026 um 5,2 Prozent auf 1,07 Euro und für 2027 um deutliche 19,7 Prozent auf 1,04 Euro. Hintergrund sind vor allem erwartete Preisdruck-Effekte und die nur zögerliche Erholung der Endmärkte.

China als Dauerbelastung

Ein wesentlicher Bremsklotz bleibt China. Die anhaltende Immobilienkrise dämpft die Nachfrage nach Bauchemie, Beschichtungen und Klebstoffen. Gleichzeitig erhöht der Exportdruck chinesischer Chemieunternehmen den Wettbewerbsdruck in Europa.

JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi verweist darauf, dass die chinesische Regierung zwar Maßnahmen gegen Überkapazitäten angekündigt hat. Konkrete Belege für eine spürbare Entlastung der globalen Märkte gibt es aus seiner Sicht bislang jedoch nicht. Für europäische Anbieter wie Evonik bedeutet das: Der Preisdruck könnte länger anhalten als zunächst gehofft.

Preisgestaltung und Margen unter Druck

Die Entwicklung der Verkaufspreise zeigt, wie stark sich die Rahmenbedingungen gedreht haben. Nach spürbaren Preiserhöhungen von 10 Prozent im Jahr 2021 und 18 Prozent 2022 kam es 2023 und 2024 zu Rückgängen von jeweils 2 Prozent. Berenberg rechnet für 2026 und 2027 mit weiteren leichten Preisabschlägen im niedrigen einstelligen Bereich.

Damit schwindet die frühere Preisgestaltungsmacht. Sinkende Preise bei gleichzeitig schwacher Auslastung belasten die Margen und erhöhen die Abhängigkeit von Kostensenkungen und Effizienzprogrammen. Die Endmärkte Bau, Beschichtungen und Klebstoffe zeigen zudem bislang nur begrenzte Anzeichen einer nachhaltigen Erholung.

Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick

  • Schlusskurs Freitag: 13,06 Euro
  • Veränderung Freitag: -3,26 %
  • 12‑Monats-Performance: -24,38 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Hoch (22,26 Euro): -41,33 %
  • Abstand zum 52‑Wochen-Tief (12,83 Euro): +1,79 %
  • RSI (14 Tage): 15,8 (technisch stark überverkauft)
  • Abstand zum 200‑Tage-Durchschnitt (16,13 Euro): -19,03 %
  • Nächster Quartalsbericht: 3. März 2026

Technisch betrachtet notiert die Aktie also deutlich unter den mittelfristigen Durchschnittskursen, bei gleichzeitig sehr niedrigem RSI und hoher kurzfristiger Volatilität von über 67 Prozent (30 Tage, annualisiert).

Fazit: Viel Unsicherheit trotz niedriger Bewertung

Fundamental prägen strukturelle Probleme und eine schwache Branchendynamik das Bild. Überkapazitäten, anhaltender Preisdruck durch chinesische Anbieter und ein möglicherweise margenschwächeres Methionin-Geschäft begrenzen die Erholungsaussichten. Die Kürzungen der EPS-Prognosen und das „Sell“-Rating von Berenberg mit Kursziel 11,60 Euro unterstreichen diesen vorsichtigen Blick.

Kurzfristig dürfte der 3. März 2026 mit den nächsten Quartalszahlen zum Prüfstein werden: Dann wird sich zeigen, ob Evonik zumindest operativ stabilisieren kann oder ob weitere Anpassungen bei Schätzungen und Bewertung nötig werden.

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