Evonik Aktie: Zwischen Zöllen und Chancen

Evonik-Chef Kullmann bewertet US-Zölle als zweischneidig und erkennt Marktchancen. Barclays bestätigt Overweight-Rating und hebt Gewinnschätzung an, während das Sparprogramm läuft.

Die Kernpunkte:
  • Kursrally nach sektoraler Rotation gebremst
  • CEO sieht Marktchancen durch US-Zölle
  • Barclays hebt EBITDA-Schätzung für 2026 an
  • Sparprogramm mit Stellenabbau auf Kurs

Die Rally der vergangenen Wochen war beeindruckend — rund zwölf Prozent Kursgewinn seit Ende März, ein neues 6-Monats-Hoch. Zum Wochenauftakt bremsen nun US-Zölle und Gewinnmitnahmen den Schwung. Allerdings sieht Evonik-Chef Christian Kullmann in der veränderten Handelspolitik nicht nur Risiko, sondern auch eine strategische Öffnung.

Der Kursanstieg der vergangenen Wochen hatte weniger mit einer fundamentalen Trendwende zu tun als mit einer sektoralen Rotation. Nach Turbulenzen bei hochbewerteten Tech-Werten schichteten Investoren in günstig bewertete Substanzaktien um — Chemiewerte profitierten überproportional. Nun folgt die Konsolidierung.

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Zölle als zweischneidiges Schwert

Kullmann verwies darauf, dass rund 80 Prozent der in den USA verkauften Produkte auch dort produziert werden. Die neuen Zölle könnten chinesische Wettbewerber im US-Markt schwächen und Evonik damit Marktanteile verschaffen. Interims-CFO Claus Rettig bezifferte eine Rückforderung im Zusammenhang mit dem angespannten Handelsumfeld auf einen „kleineren zweistelligen Millionenbetrag“ — kein existenzielles Problem, aber ein Indiz für die Nervosität der Kunden.

Barclays bleibt bei „Overweight“ mit einem Kursziel von 17 Euro. Die Hochstufung aus dem März basiert auf zwei konkreten Thesen: Erstens dreht sich der Methionin-Markt strukturell. Versorgungsengpässe infolge des Iran-Kriegs setzen asiatische Produzenten unter Druck, globale Abnehmer weichen auf nicht-asiatische Quellen aus — Evonik gehört zu den Profiteuren. Methionin-Preise sind bereits in China und Europa gestiegen. Zweitens sichert Evonik rund 80 Prozent seines Energiebedarfs über vorab vereinbarte Verträge ab, deutlich mehr als der Branchendurchschnitt. Barclays hob die EBITDA-Schätzung für 2026 auf 1,89 Milliarden Euro — drei Prozent über dem Marktkonsens.

Umbau, Portfoliobereinigung und offene Personalfrage

Das Transformationsprogramm „Evonik Tailor Made“ läuft auf Kurs. Bis Ende 2026 sollen jährliche Einsparungen von 400 Millionen Euro realisiert werden, überwiegend durch den Abbau von bis zu 2.000 Stellen weltweit, davon rund 1.500 in Deutschland. Bis 2027 stehen keine Übernahmen auf der Agenda — stattdessen Schuldenabbau und der Verkauf der Einheiten Syneqt und Oxeno. Barclays sieht dabei Potenzial: Angesichts jüngster Transaktionen im Bereich chemischer Infrastrukturdienstleistungen könnte Syneqt mit einem EBITDA von rund 200 Millionen Euro ein höheres Bewertungsmultiple erzielen als Evoniks aktuell implizierte Konzernbewertung.

Auf der Hauptversammlung am 3. Juni — als virtuelle Veranstaltung in Essen — steht neben der Dividende auch die Besetzung des seit September 2025 vakanten CFO-Postens auf der Agenda. Aktionäre sollen für 2025 eine Dividende von 1,00 Euro je Aktie erhalten, nach 1,17 Euro im Vorjahr. Ab 2026 plant Evonik eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses. Beim bereinigten EBITDA peilt das Management für 2026 einen Korridor von 1,7 bis 2,0 Milliarden Euro an — in etwa auf Linie mit der Analystenerwartung von 1,8 Milliarden Euro. Die Q1-Zahlen, die noch vor der HV erwartet werden, liefern den nächsten Stresstest für diese Prognose.

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