Evotec Aktie: 100 Millionen Dollar aus Tubulis-Verkauf

Evotec plant Aufsichtsratserweiterung und Performance-Aktienprogramm. Die Hauptversammlung im Juni steht im Zeichen des Umbaus und der strategischen Neuausrichtung.

Die Kernpunkte:
  • Aufsichtsrat soll auf sieben Mitglieder wachsen
  • Performance Share Plan 2026 vorgeschlagen
  • Umsatz im ersten Quartal um 21,7 Prozent gesunken
  • Horizon-Programm mit Einsparzielen bis 2027

Evotec schloss die Woche bei 5,25 Euro und einem Plus von 3,04 Prozent. Die kurzfristige Erholung täuscht nicht darüber hinweg, dass die Aktie auf Jahressicht 5,25 Prozent verloren hat und zum 52-Wochen-Hoch bei 7,54 Euro noch 30 Prozent fehlen. Am 11. Juni trifft sich das Unternehmen mit seinen Aktionären in Hamburg — und die Agenda hat es in sich.

Personalfragen und Performance-Aktien

Die ordentliche Hauptversammlung beginnt um 09:00 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen mehrere Weichenstellungen. Der Aufsichtsrat soll von sechs auf sieben Mitglieder wachsen. Dr. Wolfgang Hofmann kandidiert als unabhängiges Mitglied, Dieter Weinand für den Vorsitz des Gremiums.

Parallel dazu will Evotec einen Performance Share Plan 2026 auflegen. Das Grundkapital soll um bis zu 10 Millionen Euro steigen können, die Ermächtigung umfasst Awards auf bis zu 10 Millionen Stammaktien. Gemessen an 177,9 Millionen ausstehenden Aktien entspricht das einer potenziellen Verwässerung von 5,6 Prozent.

Bis zur Vorabfrist gingen keine veröffentlichungspflichtigen Gegenanträge ein. Das bedeutet nicht, dass die Versammlung zur Formsache wird. Aktionäre können Fragen stellen und Anträge mündlich vorbringen.

Schwaches Quartal belastet Stimmung

Das erste Quartal 2026 liefert den Hintergrund für die Nervosität. Der Konzernumsatz brach um 21,7 Prozent auf 156,6 Millionen Euro ein. Das Vorjahresquartal hatte von einer großen Sandoz-Lizenzzahlung profitiert, der Markt für frühe Wirkstoffentdeckung blieb schwach.

Evotec senkte Forschungs- und Entwicklungsausgaben sowie SG&A-Kosten. Eine Restrukturierungsrückstellung von 75 Millionen Euro im Rahmen des Horizon-Programms drückte das operative Ergebnis auf minus 121,4 Millionen Euro. Der Nettoverlust lag bei 121,9 Millionen Euro, das entspricht 0,69 Euro je Aktie. Die Liquidität blieb mit 444,8 Millionen Euro substanziell.

Horizon-Programm und strategische Prüfung

Das Horizon-Programm soll den globalen Fußabdruck auf zehn Standorte straffen. Bis Ende 2027 strebt Evotec strukturelle Jahreseinsparungen von rund 75 Millionen Euro an. 20 bis 30 Prozent davon sollen bereits 2026 wirken.

Parallel dazu läuft eine umfassende Prüfung strategischer Optionen auf Konzernebene. Evotec will analysieren, wie Portfolio, Kapitalstruktur und langfristige Eigentümerstruktur die Wertschöpfung am besten unterstützen können. Morgan Stanley und Moelis & Company sind als Berater mandatiert. Das Unternehmen betont: Keine Entscheidung über eine Transaktion, kein Zeitplan für den Abschluss.

Tubulis-Deal und operative Fortschritte

Trotz der belasteten Quartalszahlen meldete Evotec operative Fortschritte. Die Jahresprognose 2026 wurde bestätigt. Im Rahmen der Almirall-Kooperation nominierte das Unternehmen einen präklinischen Kandidaten und sicherte neue Förderungen der Gates Foundation für Tuberkuloseprogramme.

Evotec hält 3,14 Prozent an Tubulis und erwartet aus dem Verkauf der Beteiligung Voraberlöse von rund 100 Millionen Dollar. Mögliche Meilensteinzahlungen von bis zu 58 Millionen Dollar kommen hinzu.

Die Rückkehr in den MDAX soll im Juni umgesetzt werden. Das erhöht die Sichtbarkeit bei Fonds und ETFs, ersetzt aber keine operative Trendwende. Für das Gesamtjahr peilt Evotec Umsätze zwischen 700 und 780 Millionen Euro an, das bereinigte EBITDA soll zwischen null und 40 Millionen Euro liegen. Das Jahr 2026 bleibt ein Übergangsjahr, operative Verbesserungen werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte zunehmend sichtbar.

Die Hauptversammlung am 11. Juni dürfte zeigen, ob der erweiterte Aufsichtsrat die Kapitalallokation schärft und Project Horizon Tempo aufnimmt.

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