Evotec Aktie: 30-Prozent-Kurseinbruch nach Gewinnwarnung

Evotec sichert sich neue Forschungsaufträge, doch die Aktie leidet unter der Juli-Gewinnwarnung. Der Halbjahresbericht am 13. August wird richtungsweisend.

Die Kernpunkte:
  • Kooperation mit Odyssey Therapeutics vereinbart
  • Auftrag von Niagen Bioscience erhalten
  • Aktie nahe 52-Wochen-Tief notiert
  • Halbjahreszahlen am 13. August erwartet

Wer in dieser Woche auf die Meldungslage bei Evotec blickt, sieht ein Unternehmen, das geschäftlich in Bewegung bleibt. Am Donnerstag gab der Konzern eine Forschungskooperation mit dem US-Biotechunternehmen Odyssey Therapeutics bekannt, wenige Tage zuvor hatte Niagen Bioscience Evotec als Auftragsforscher für einen Präklinik-Kandidaten ausgewählt. Und doch notiert die Aktie bei 3,46 Euro, nur wenige Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Für mich zeigt genau diese Diskrepanz das zentrale Problem: Operative Fortschritte allein reichen derzeit nicht, um das verlorene Vertrauen zurückzuholen.

Zwei neue Aufträge, aber kein Befreiungsschlag

Die Kooperation mit Odyssey Therapeutics zielt auf neue Behandlungen für Autoimmun- und Entzündungserkrankungen. Odyssey nutzt dabei Evotecs integrierte Discovery-Plattform samt KI-gestützter Data-Science-Technologien, Evotec wiederum ist berechtigt, Meilensteinzahlungen zu erhalten, sobald validierte Hit-Serien geliefert werden. Wie hoch diese Zahlungen ausfallen könnten, ist nicht beziffert – ein erstes Signal, aber kein Zahlenwerk, das die Bilanz kurzfristig verändert.

Ähnlich verhält es sich mit dem Niagen-Auftrag: Der Wirkstoffkandidat NB4168, entwickelt über die Niagen-Tochter NAD Pharmaceuticals, soll am Evotec-Campus in Verona präklinisch vorangetrieben werden. Die dortige INDiGO-Plattform verspricht einen gestrafften Weg in Richtung Klinik. Solche Aufträge bestätigen, dass Evotec als Forschungspartner weiterhin gefragt ist. Ergänzend hat der Konzern zuletzt auch das eigene Reise- und Spesenmanagement neu aufgestellt – eine operative Randnotiz, die aber ins Bild eines Unternehmens passt, das nach der Krise an vielen Stellschrauben zugleich dreht.

Die Wunde vom Juli sitzt tief

Was den beiden Deals fehlt, ist die Kraft, den Kurseinbruch vom Juli zu heilen. Am 13. Juli hatte Evotec auf Basis vorläufiger Zahlen eine deutliche Gewinnwarnung ausgesprochen: Der Konzernumsatz im ersten Halbjahr lag bei rund 300,1 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA bei rund minus 42,7 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet das Management nun nur noch mit 570 bis 610 Millionen Euro Umsatz statt der zuvor avisierten 700 bis 780 Millionen Euro. Beim bereinigten EBITDA wanderte die Prognose von einer Spanne um die Nulllinie auf minus 70 bis minus 105 Millionen Euro. Der Markt quittierte das mit einem Kurseinbruch von rund 30 Prozent binnen eines Handelstages und schickte die Aktie ans Ende des SDax.

Diese Zäsur wirkt bis heute nach. Der Relative-Stärke-Index liegt bei 29,6 und signalisiert damit eine überverkaufte Aktie – ein Zustand, der rein technisch für Gegenbewegungen sprechen könnte, aber ebenso gut Ausdruck anhaltenden Verkaufsdrucks ist. Zum 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro, markiert am 14. Juli, beträgt der Abstand nur noch 8,46 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Minus von 36,48 Prozent zu Buche, binnen zwölf Monaten sogar von 47,94 Prozent. Auch automatisierte Bewertungsmodelle stufen den Titel derzeit als schwach ein, was allerdings eher die Kursschwäche nachzeichnet als sie zu erklären.

Der 13. August wird zur Nagelprobe

Für mich liegt der eigentliche Prüfstein nicht in den jüngsten Kooperationsmeldungen, sondern im kommenden Bericht. Am 13. August legt Evotec die vollständigen Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Erst dann zeigt sich, ob die im Juli genannte Liquidität von rund 465,6 Millionen Euro zum 30. Juni tatsächlich so solide war wie skizziert, und ob das Management die stark gesenkte Jahresprognose bestätigt oder weiter nachschärfen muss.

Unterm Strich sehe ich Evotec in einer Phase, in der operative Substanz – neue Partner, neue Aufträge – auf ein massiv beschädigtes Anlegervertrauen trifft. Die Deals mit Odyssey und Niagen sprechen dafür, dass die wissenschaftliche Plattform des Unternehmens weiterhin gefragt ist. Gegen eine schnelle Kurserholung spricht jedoch, dass die Aktie tief unter ihren gleitenden Durchschnitten notiert und die Guidance-Kürzung vom Juli noch nicht durch belastbare Zahlen bestätigt wurde. Bis zum 13. August bleibt die Lage für mich eine Wette auf Vertrauen – nicht auf neue Kooperationsmeldungen.

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