Evotec Aktie: 30,08 Prozent Verlust in 7 Tagen

Evotec senkt Umsatz- und Gewinnprognose für 2026 drastisch. Verspätete Zahlungen und Verträge belasten den Biotech-Dienstleister schwer.

Die Kernpunkte:
  • Deutliche Senkung der Jahresprognose
  • Umsatzerwartung um rund 150 Millionen Euro reduziert
  • Aktie verliert über 30 Prozent in einer Woche
  • Operatives Kerngeschäft zeigt sich stabil

Evotec kappt seine Jahresziele deutlich. Der Grund: Kunden zahlen später als erwartet, neue Verträge lassen auf sich warten. Die Aktie des Hamburger Biotech-Dienstleisters bricht daraufhin regelrecht ein.

Am 13. Juli meldete Evotec vorläufige Zahlen für das zweite Quartal und senkte gleichzeitig den Ausblick für 2026. Die Reaktion an der Börse fiel heftig aus: Innerhalb von sieben Tagen verlor die Aktie 30,08 Prozent. Am Mittwoch schloss sie bei 3,49 Euro, nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 3,19 Euro vom Vortag.

Woher die Umsatzlücke kommt

Evotec erwartet für 2026 nun einen Konzernumsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro. Zuvor hatte das Management 700 bis 780 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Beim bereinigten EBITDA rechnet der Konzern jetzt mit minus 70 bis minus 105 Millionen Euro, statt der geplanten null bis 40 Millionen Euro.

Drei Faktoren erklären die Lücke. Rund 40 Prozent entfallen auf verschobene Meilensteinzahlungen aus bestehenden Partnerschaften – diese Erlöse verlagern sich größtenteils ins Jahr 2027. Etwa 45 Prozent gehen auf verzögerte neue Partnerschaften zurück, deren Abschluss sich hinzieht. Die restlichen 15 Prozent erklärt Evotec mit einer geringeren Umsatzrealisierung als geplant.

Das Geschäftsmodell erklärt die Heftigkeit der Korrektur. Evotec verdient einen Großteil seiner Erlöse über Meilensteinzahlungen in der Wirkstoffforschung. Verschiebt sich nur ein Zeitplan, kippt schnell die gesamte Jahresprognose.

Halbjahreszahlen und Liquidität

Für das erste Halbjahr 2026 weist Evotec vorläufig einen Konzernumsatz von rund 300,1 Millionen Euro aus. Das bereinigte EBITDA liegt bei etwa minus 42,7 Millionen Euro. Die endgültigen Zahlen folgen am 13. August.

Zum 30. Juni verfügte der Konzern über eine Liquidität von rund 465,6 Millionen Euro. Das verschafft Evotec Zeit, um die Transformation voranzutreiben.

Operatives Geschäft läuft besser als die Prognose vermuten lässt

Abseits der Meilensteinzahlungen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Im Segment Discovery & Preclinical Development stiegen die Nettoverkäufe ohne strategische Partnerschaften im ersten Halbjahr um rund 28 Prozent. Auch die Biologics-Sparte Just – Evotec profitiert von hoher Kapazitätsauslastung und einem wachsenden Kundenstamm.

Das Sparprogramm „Horizon“ läuft nach Unternehmensangaben planmäßig. Bis Ende 2027 will Evotec jährlich 75 Millionen Euro einsparen. Für 2026 rechnet der Konzern damit, 20 bis 30 Prozent dieser Summe bereits zu realisieren.

Parallel läuft eine strategische Überprüfung auf Konzernebene. Sie wurde bereits mit den Zahlen zum ersten Quartal angekündigt und ist noch nicht abgeschlossen.

Charttechnik zeigt überverkaufte Aktie

Die Kurskennzahlen spiegeln den Ausverkauf deutlich wider. Der RSI über 14 Tage liegt bei 21,4 – ein Wert unter 30 gilt üblicherweise als überverkauft. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität hat sich auf 64,85 Prozent aufgebläht.

Zu den gleitenden Durchschnitten klafft eine große Lücke. Die Aktie notiert 28,11 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 4,86 Euro und 35,51 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 5,41 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 37,04 Prozent zu Buche.

Evotec bezeichnet 2026 selbst als Übergangsjahr. Das Management erwartet, dass sich operative Fortschritte aus dem „Horizon“-Programm in der zweiten Jahreshälfte stärker in den Zahlen zeigen. Die vollständigen Halbjahreszahlen am 13. August dürften zeigen, ob sich diese Erwartung bereits bestätigt.

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