Evotec Aktie: Forschungschef weg – was nun?

Der Führungswechsel fällt mit gesenkten Jahreszielen zusammen; Evotec veröffentlicht am 5. November die Quartalszahlen.

Die Kernpunkte:
  • Cord Dohrmann scheidet am 30. September aus
  • Nachfolge für Forschungsleitung noch offen
  • Umsatzprognose auf 570 bis 610 Millionen Euro gesenkt
  • Quartalszahlen für den 5. November angekündigt

Führungsvakuum in der Forschung trifft auf Sanierungsphase

Beim Hamburger Wirkstoffforscher Evotec greift der personelle Umbau bis in das wissenschaftliche Fundament ein. Chief Scientific Officer Dr. Cord Dohrmann scheidet zum heutigen 30. September im gegenseitigen Einvernehmen aus dem Unternehmen aus.

Eine Nachfolge steht noch nicht fest; die Suche nach einer geeigneten Besetzung für die Schlüsselposition läuft. Dieser Schritt markiert eine empfindliche Zäsur, da Dohrmann über Jahre hinweg maßgeblich die wissenschaftliche Ausrichtung verantwortete.

Für Anleger kommt dieser Abgang zu einem neuralgischen Zeitpunkt. Das Biotech-Unternehmen befindet sich inmitten einer tiefgreifenden Neuausrichtung. Der Vorstand um Konzernchef Christian Wojczewski treibt derzeit das Spar- und Restrukturierungsprogramm namens Horizon voran, um die Kostenbasis an die veränderten Marktbedingungen anzupassen.

Die Nachricht sorgte für Bewegung: Am Dienstag legte der Aktienkurs um 4,6 Prozent zu und schloss bei 2,98 Euro. Dennoch steht seit Jahresanfang ein Minus von 45 Prozent zu Buche.

Investoren müssen nun abwägen, ob der Abschied des Forschungschefs den Weg für einen zügigen Neustart freimacht oder ob der Verlust langjähriger wissenschaftlicher Expertise die operative Umsetzung der Neuausrichtung zusätzlich erschwert.

Operative Erholung und Zielerreichung im Fokus

Die entscheidende Frage für die kommenden Monate lautet: Gelingt es dem Management, die drastisch reduzierten Finanzziele für das Gesamtjahr einzuhalten? Das Vertrauen des Kapitalmarkts erlitt im Sommer schwere Risse.

Im Juli musste das Unternehmen seine Jahresprognose für 2026 deutlich nach unten korrigieren. Statt der ursprünglich angepeilten 700 bis 780 Millionen Euro rechnet Evotec seither nur noch mit einem Konzernumsatz zwischen 570 und 610 Millionen Euro.

Noch gravierender fällt die Korrektur bei der Profitabilität aus. Das bereinigte EBITDA wird im Gesamtjahr voraussichtlich negativ ausfallen: Erwartet wird ein Verlust von 70 bis 105 Millionen Euro, nachdem zuvor noch ein positives operatives Ergebnis von bis zu 40 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden war. Im ersten Halbjahr summierten sich die Erlöse auf 300,1 Millionen Euro bei einem bereinigten EBITDA von minus 42,7 Millionen Euro.

Die Gretchenfrage lautet daher, ob das dritte und vierte Quartal eine Stabilisierung des Neugeschäfts bringen. Finanzchefin Claire Hinshelwood betonte vor rund zwei Wochen auf einer Investorenkonferenz von Morgan Stanley, dass sich die geschäftlichen Indikatoren in die richtige Richtung bewegten und das Sparprogramm Horizon nach Plan verlaufe. Zudem sei die Pipeline möglicher Geschäftsabschlüsse weiterhin robust. Anleger verlangen nun jedoch greifbare Belege für diese Signale.

Erholungschancen durch Kostensenkungen und Plattformpartnerschaften

Im optimistischen Szenario greifen die eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen schneller als bisher erwartet. Sollte das Programm Horizon die operativen Kosten nachhaltig senken und gleichzeitig die Effizienz im Kerngeschäft steigern, könnte Evotec schneller als prognostiziert zur Profitabilität zurückkehren. Dass die technologische Basis des Konzerns intakt ist, zeigten zuletzt ausgewählte Projekte.

Vor rund zwei Wochen brachte Just – Evotec Biologics ein Antikörperprogramm gegen Orthopoxviren für das US-Verteidigungsministerium in die klinische Phase I. Zudem vereinbarte Evotec vor rund einem Monat eine Forschungskooperation mit Plectonic Biotech zur Entwicklung neuer immunonkologischer Ansätze bei soliden Tumoren.

Gelingt es dem Vorstand, die Suche nach einem neuen wissenschaftlichen Leiter rasch und mit einer international profilierten Führungskraft abzuschließen, könnte dies für neue Zuversicht sorgen.

Die Privatbank Berenberg stufte das Papier am Freitag nach einem Gespräch mit Vorstandschef Wojczewski weiterhin mit „Hold“ und einem Kursziel von 3,60 Euro ein. Ein Erreichen dieses Niveaus würde Anlegern eine spürbare Gegenbewegung ermöglichen, sofern das Vertrauen der institutionellen Investoren zurückkehrt.

Zähe Auftragsflaute und Führungswechsel als Belastungsprobe

Im pessimistischen Szenario wiegt der Abgang von Cord Dohrmann schwerer als erhofft. Der Verlust von Netzwerken und Forschungsanbindung droht in diesem Fall laufende Kooperationsverhandlungen mit Pharma-Konzernen zu verzögern. Ohne feste Führung in der Forschungssparte könnte die Akquise lukrativer Meilenstein-Projekte ins Stocken geraten, was die Visibilität künftiger Einnahmen weiter trübt.

Hinzu kommt das finanzielle Risiko eines verfehlten Sanierungsziels. Sollten die Erlöse im zweiten Halbjahr am unteren Ende der Spanne verharren oder das bereinigte EBITDA noch tiefer in den negativen Bereich rutschen, droht dem SDAX-Konzern eine anhaltende Durststrecke.

Auch das Marktumfeld für Auftragsforschung bleibt herausfordernd, da große Pharmaunternehmen ihre Budgets für externe Entwicklungen weiterhin straff managen. Scheitert die erhoffte Belebung der Nachfrage, drohen neue Tiefstände.

Entscheidender Zwischenbericht im November gibt Richtung vor

Für die weitere Kursentwicklung ist nun maßgeblich, ob das jüngst markierte Niveau verteidigt werden kann. Am 25. September notierte der Titel im Tief bei 2,71 Euro. Solange die Aktie diese Marke verteidigt, bleibt die Chance auf eine Stabilisierungsphase bestehen. Bricht dieser Halt hingegen nach unten weg, droht eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung, da kaum charttechnische Unterstützungen Halt bieten.

Der nächste konkrete Katalysator für eine Neubewertung steht bereits fest: Am 5. November will Evotec die endgültigen Zahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen.

An diesem Termin wird sich zeigen müssen, ob die eingeleiteten Sparmaßnahmen bereits die Profitabilität stützen und ob der Konzern die gesenkte Jahresprognose verlässlich untermauern kann. Erst ein überzeugender Quartalsbericht wird Klarheit darüber bringen, ob die Sanierung greift.

Anzeige

Evotec-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Evotec-Analyse vom 30. September liefert die Antwort:

Die neusten Evotec-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Evotec-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Evotec: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Evotec