Evotec Aktie: Zerreißprobe für den Umbau
Evotec treibt den Konzernumbau voran, während die Aktie nahe ihrem Jahrestief notiert. Der Halbjahresbericht im August wird richtungsweisend.

- Aktie nahe Jahrestief bei 3,19 Euro
- CEO setzt auf Asset-light-Strategie Horizon
- Verkäufe von Toulouse und Tubulis bringen Cash
- Halbjahreszahlen im August als wichtiger Test
Evotec steckt zwischen Sanierung und Kollaps. Die Aktie hat sich binnen zwölf Monaten mehr als halbiert. Bei 3,54 Euro liegt sie nur noch gut elf Prozent über ihrem Tief vom Juli bei 3,19 Euro. Für Investoren stellt sich eine zentrale Frage: Reicht der Konzernumbau, bevor die Liquidität aufgebraucht ist?
Die entscheidende Frage: Wende oder Substanzverzehr
Der neue CEO Christian Wojczewski hat mit der Strategie „Horizon“ die Planungsphase verlassen. Jetzt beginnt die Umsetzung. Das Unternehmen setzt auf ein „Asset-light“-Modell, verkauft kapitalintensive Fertigungsstandorte und will sich auf die Wirkstoffforschung konzentrieren.
Kurzfristig hat das Kasse gebracht. Evotec verkaufte den Standort Toulouse und die Beteiligung an Tubulis. Nun muss das Kerngeschäft beweisen, dass es auch ohne eigene Fertigung dauerhaft profitabel arbeiten kann.
Bullisches Szenario: Überverkauft und mit frischem Kapital
Charttechnisch spricht einiges für eine Gegenbewegung. Der RSI notiert bei 29,3 und signalisiert einen überverkauften Markt. Das kann kurzfristig eine Erholung auslösen.
Fundamental hat Evotec zuletzt Substanz nachgelegt. Der im Dezember 2025 abgeschlossene Verkauf des Standorts Toulouse an Sandoz brachte rund 350 Millionen US-Dollar in bar. Hinzu kommen mögliche Lizenzgebühren. Der Verkauf der Tubulis-Beteiligung an Gilead im Frühjahr 2026 spülte weitere rund 100 Millionen US-Dollar in die Kasse.
Die „Horizon“-Strategie soll bis Ende 2027 rund 75 Millionen Euro einsparen. Gelingt die Stabilisierung der Marge im zweiten Halbjahr, könnte der aktuelle Börsenwert von knapp 615 Millionen Euro günstig wirken. Genau das befeuert im Markt bereits kursierende Übernahmefantasien.
Bärisches Szenario: Cash-Burn und Vertrauensverlust
Die Kehrseite zeigt sich in den Zahlen. Der Umsatz brach im ersten Quartal 2026 auf 156,6 Millionen Euro ein. Das bereinigte EBITDA rutschte auf minus 21,9 Millionen Euro.
Kritiker sehen im Verkauf der J.POD-Anlage in Toulouse einen strategischen Verlust. Evotec habe damit ein technologisches Alleinstellungsmerkmal in der Biologika-Fertigung aufgegeben, um kurzfristig die Bilanz zu stützen. Zusätzlich belasten Restrukturierungsrückstellungen von 75 Millionen Euro das Ergebnis.
Die Nervosität am Markt zeigt sich in der Volatilität von knapp 63 Prozent auf Jahressicht. Bleibt die Auftragslage im Segment Drug Discovery schwach, dürfte der Druck auf den Kurs anhalten. Ein Rutsch unter das Jahrestief von 3,19 Euro könnte eine neue Verkaufswelle auslösen.
Ausblick: Der Halbjahresbericht wird zum Prüfstein
Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihren gleitenden Durchschnitten der vergangenen 50 und 200 Tage. Solange das so bleibt, gilt der übergeordnete Trend als negativ.
Der Halbjahresbericht im August 2026 wird zur nächsten Weichenstellung. Anleger blicken dabei vor allem auf zwei Punkte: die Entwicklung der Liquidität, die Ende des ersten Quartals bei 444,8 Millionen Euro lag, und erste messbare Fortschritte beim Sparprogramm „Horizon“. Hält die Aktie die Marke von 3,50 Euro, bleibt ein Erholungsszenario realistisch. Fällt sie darunter, rückt die psychologische Schwelle von 3,00 Euro in den Blick.
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