Evotec: Was ist von den vielen Sondereffekten zu halten?

Evotec hat seine Halbjahresbilanz vorgelegt. Und dabei deutliche Verbesserungen beim Umsatz sowie beim operativen Gewinn ausgewiesen. Allerdings muss die Nachhaltigkeit dieser Zahlen hinterfragt werden, da das Unternehmen, das in der pharmazeutischen Wirkstoff-Forschung tätig ist, hierbei in der Hauptsache von Sonderfaktoren und Einmaleinflüssen profitierte.

 

© Evotec
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Evotec mit starkem Umsatzplus

Insgesamt konnte Evotec im ersten Halbjahr seinen Umsatz um stattliche 37% auf 55 Mio. Euro steigern. Dabei profitierte das Unternehmen u. a. von positiven Wechselkurseffekten. In den Umsatzzahlen waren aber auch Sonderfaktoren wirksam. So gab es im Berichtszeitraum Meilensteinzahlungen, Abschlagszahlungen und Umsatzbeiträge der zugekauften Firmen Bionamics und Euprotec. Auch die neu geschlossene Allianz mit Sanofi lieferte bereits einen Umsatzbeitrag.

Rechnet man das alles heraus und konzentriert sich faktisch nur auf das eigene organische Wachstum, legte der Umsatz bei Evotec um lediglich 3% zu. Allerdings stellt sich die Frage, wie sinnvoll eine Unterscheidung zwischen organisch und Sonderfaktoren ist. Tatsache ist:

Bestimmte Zahlungen sollten weiterhin unter Vorbehalt in die Umsatzbeurteilung mit einbezogen werden. Das gilt im besonderen Maße für die so genannten Meilensteinzahlungen, die dann fällig werden, wenn bestimmte Forschungsetappen (bzw. -erfolge) erreicht worden sind. Das ist nur schwer zu kalkulieren und sollte anhaltend als überraschendes Zubrot angesehen werden.

 

Deal mit Sanofi spült Geld in die Kasse

Allerdings lassen sich Zahlungen von Forschungspartnern nicht alle über einen Kamm scheren. So soll die Allianz mit Sanofi in den nächsten fünf Jahren Zahlungen über mindestens 250 Mio. Euro bringen. Hier ist zwar weiterhin unsicher, wann genau diese Zahlungen verbucht werden können, doch dass sie kommen, gilt als abgemacht.

Deshalb war es von Evotec nicht nur richtig, nach dem neuen Deal seine eigenen Geschäftsprognosen im Mai anzuheben. Richtig ist auch, die Sanofi-Zahlungen als normalen Umsatz anzusehen. Was auch für die Zukäufe Bionamics und Euprotec gilt, die ja nun dauerhaft Beiträge leisten dürften. Insofern halten wir negative Einschätzungen, die sich eher auf das schwächere organische Umsatzwachstum stürzen, für überzogen.

Das gilt letztlich auch für den operativen Ertrag. Dieser konnte inklusive aller Einmaleffekte von minus 3,6 Mio. Euro auf plus 12,9 Mio. Euro gesteigert werden. Dabei halfen vor allem die schon vorgenannten Akquisitionen. Diese herausgerechnet, lag das EBITDA im Halbjahr mit 0,9 Mio. Euro leicht über dem Vorjahreswert (0,8 Mio. Euro).

 

Aktie sackt ab

Das war auch ein Grund, warum die erste Marktreaktion auf die Zahlen deutlich negativ ausfiel. Dabei wird unseres Erachtens nach außer Acht gelassen, dass solche Forschungsfirmen wie Evotec generell vor allem von Sondereffekten leben, bis irgendwann einmal vermarktbare Produkte entstehen. Deshalb hatte Evotec ja auch aus Anlass der letzten Prognose-Anhebung klar gemacht, dass man bei den Meilensteinzahlungen, Abschlagzahlungen und Lizenzen eine weitere Steigerung um mehr als 35% erwartet.

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Immerhin: Die Abschläge nach Bekanntwerden der Zahlen bringen Evotec noch nicht in zu große Bedrängnis. Allerdings könnten sie die Erholung stoppen, die zuletzt deutlich ausgefallen war. Aktuell erfolgt erst einmal der Test der 100-Tage-Linie, die aktuell bei 3,66 Euro verläuft. Insgesamt scheint Evotec aber durch vorangegangene Tests auf dem Niveau um die 3,60 Euro nach unten abgesichert zu sein. Wer also engagiert ist, sollte es vorerst weiter bleiben.

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