EZB-Zinsschritt auf 2,5 Prozent erwartet: Banken gewinnen, Silber verliert

Die erwartete EZB-Anhebung stärkt Deutsche Bank und Commerzbank, während Silber nach neuen US-Zinswetten unter 66 Dollar fällt.

Die Kernpunkte:
  • Warburg Research erhöht Deutsche-Bank-Kursziel
  • Commerzbank erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • Silber rutscht unter 66 US-Dollar
  • Bloom Energy steigt vor S&P-Aufnahme

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

35,56 Euro. Auf diesem Kurs schloss die Deutsche-Bank-Aktie am Montag, nur 18 Cent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Freitag. Der Grund ist kein Geheimnis: Die EZB tagt am Donnerstag, und der Markt ist sich ziemlich sicher, dass sie den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent anhebt. Der DAX selbst blieb am Montag richtungslos. Wer aber genau hinschaute, erkannte eine klare Bruchlinie: Wer von steigenden Zinsen profitiert, legte zu. Wer darunter leidet, verlor.

Die EZB zieht die Zügel an, Banken ziehen mit

Deutsche Bank und Commerzbank lieferten am Montag den Vorgeschmack darauf, was eine straffere Geldpolitik für Finanzwerte bedeutet. Warburg Research hob sein Kursziel für die Deutsche Bank von 39 auf 41,50 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“. Die Aktie hat die Bank binnen zwölf Monaten um rund 19 Prozent nach oben getragen. Commerzbank legte noch eins drauf: Die Aktie markierte am Montag ein neues 52-Wochen-Hoch bei 43,03 Euro, ein Plus von 2,2 Prozent. Der Hintergrund ist die für den 10. September erwartete Anhebung des Einlagensatzes um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent. Die Analysten der Deutschen Bank selbst gehen noch weiter und rechnen im Dezember mit einem zweiten Schritt auf 2,75 Prozent. Für Anleger heißt das: Höhere Zinsen verbessern die Zinsmargen im Kreditgeschäft. Das ist kein spekulativer Effekt, sondern ein struktureller Rückenwind, der sich bereits in den Kurszielen der Analysten niederschlägt.

Silber steht auf der Verliererseite dieser Rechnung

Was Banken freut, belastet zinslose Anlagen. Der US-Arbeitsmarktbericht für August meldete 162.000 neue Stellen, deutlich mehr als erwartet, und entfachte damit die Wetten auf eine Fed-Zinserhöhung neu. UBS rechnet inzwischen mit zwei Zinsschritten der US-Notenbank, im September und im Dezember. Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Anhebung bei der Sitzung am 15./16. September aktuell bei 58 bis 60 Prozent. Die Reaktion am Edelmetallmarkt kam prompt: Silber fiel unter die Marke von 66 US-Dollar und konsolidiert nun zwischen 64 und 68 Dollar, knapp oberhalb der wichtigen 200-Tage-Durchschnittslinie bei 65,67 Dollar. Für Anleger mit Silber-Positionen zeigt sich ein bekanntes Muster: Steigende Realzinsen machen zinslose Anlagen unattraktiver, selbst wenn die strukturelle Nachfrage, etwa aus dem stromhungrigen Ausbau von KI-Rechenzentren, intakt bleibt.

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China zeigt, dass die Zinsregel nicht überall gilt

Ein umgekehrtes Bild liefert China. Das Finanzministerium in Peking kündigte eine Kapitalspritze von umgerechnet rund 54 Milliarden US-Dollar für Staatsbanken und Versicherer an, ausgerechnet an dem Tag, an dem Bank- und Versicherungsaktien in Schanghai um bis zu 2,6 Prozent nachgaben. Gleichzeitig ging es für Technologiewerte durch die Decke: Der wachstumsstarke ChiNext-Index legte über 3 Prozent zu, der Chip-Sektor zog ähnlich stark an. Für deutsche Anleger, die über die in Frankfurt gehandelte Alibaba-Aktie Zugang zu diesem Markt haben, bleibt die Lage gemischt: Das Papier notiert aktuell bei rund 97,40 Euro und damit weiterhin rund 19 Prozent unter dem Stand vor einem Jahr. Die Kapitalspritze signalisiert staatliche Rückendeckung für das Finanzsystem, doch das Kapital der Anleger fließt sichtbar in Technologie- und Rechenleistungswerte. Ein Muster, das sich fortsetzen dürfte, sollte Peking weiter auf Stimulus setzen.

Bloom Energy profitiert von einem Sondereffekt, der nichts mit Zinsen zu tun hat

Nicht jede Kursbewegung des Tages lässt sich mit der Zinswende erklären. Der Brennstoffzellen-Spezialist Bloom Energy wird zum 21. September 2026 in den S&P 500 aufgenommen, und die Aktie zog daraufhin kräftig an: ein Plus von 7,6 Prozent gegenüber dem Vorschlusskurs auf rund 234 Euro (etwa 272 US-Dollar). Auf Zwölfmonatssicht steht damit ein Kursgewinn von 415 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 212 Prozent. Die Index-Aufnahme dürfte weitere passive Käufe von ETFs und Fonds auslösen, die den S&P 500 nachbilden, ein technischer, aber realer Kurstreiber. Anleger mit bestehenden Positionen sollten ihn im Blick behalten, auch wenn die Bewertung nach dieser Rally bereits sportlich ist.

OHB SE zeigt erste Lebenszeichen nach dem Absturz

Nach einer historischen Korrektur von rund 75 Prozent zeigt die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns OHB erste Erholungstendenzen. Am Montag legte das Papier 6,6 Prozent zu und nähert sich der psychologisch wichtigen 200-Euro-Marke, aktuell notiert es bei etwa 189 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 688 Euro, erreicht im Mai, trennen die Aktie damit weiterhin Welten, doch gegenüber dem Tief bei 64 Euro im vergangenen Herbst hat sich der Kurs bereits deutlich erholt. Ob das ein nachhaltiges Comeback ist oder nur eine technische Gegenbewegung, bleibt offen. Für spekulative Anleger, die an die langfristige Story der europäischen Raumfahrt glauben, könnte der aktuelle Kursverlauf dennoch ein Wiedereinstiegspunkt sein.

Der globale Kompass

Diese Woche entscheiden gleich zwei Notenbanken: die EZB am Donnerstag, die Fed Mitte September. Die Grundregel ist einfach: Finanzwerte profitieren von steigenden Zinsen, zinslose Anlagen wie Silber und wachstumsstarke, aber unprofitable Technologiewerte geraten unter Druck. China aber zeigt, dass diese Regel keine Naturgesetz ist: Der Staat stützt dort die Banken mit frischem Kapital, während das eigentliche Anlegerinteresse in Tech- und Rechenleistungswerte fließt. Wer diese Woche investiert, sollte also weniger fragen, ob Zinsen steigen, sondern welcher Sektor in welchem Markt tatsächlich davon profitiert. Bloom Energy und OHB erinnern zudem daran, dass Index-Mechanik und individuelle Comeback-Storys nach wie vor eigene Kursgesetze schreiben, unabhängig von jeder Notenbank.

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