Facebook: Laufen die Kosten aus dem Ruder?

Gestern Abend nach Börsenschluss legte das weltweit größte soziale Netzwerk Facebook seine Quartalszahlen vor. Doch trotz einer positiven Überraschung auf der Gewinnseite musste die Aktie im nachbörslichen Handel einen ordentlichen Rückschlag verkraften. Der Grund: Die ausufernden Kosten.

 

© Facebook
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Bekommt Facebook ein Wachstumsproblem? Dass das Internet-Unternehmen mit inzwischen fast 1,5 Mrd. monatlichen Nutzern nicht auf immer und ewig zulegen kann, ist selbst dem optimistischsten Analysten klar. Doch worauf der Markt schon seit langem besonders schaut ist, was Facebook aus dieser ungeheuren Masse an potenziell zahlenden Kunden machen kann.

Und da steckt einiges im Argen. So konnte zwar das Unternehmen für das abgelaufene zweite Quartal einen Umsatzzuwachs von sehr deutlichen 39% auf 4,04 Mrd. Dollar melden. Doch damit meldete Facebook gleichzeitig das fünfte Quartal in Folge mit rückläufigen Wachstumsraten (jeweils im Jahresvergleich). Gleiches galt für den Gewinn.

 

Wachstumstempo bei Umsatz und Gewinn nimmt ab

Zwar wies Facebook beim Gewinn je Aktie ohne Sonderfaktoren 50 Cents je Aktie aus. Das waren stattliche 3 Cents mehr als im Konsens erwartet. Doch dieses Plus von 19% war das schwächste in 9 Quartalen. Entsprechend verhalten waren auch die Reaktionen der Analysten.

Denn viele Analysten sprachen von einem „soliden“ Quartal. Solch eine freundliche, aber wenig euphorische Einschätzung kann für eine Aktie, die es in diesem Jahr auf ein geschätztes KGV von rund 70 bringen dürfte, brandgefährlich werden. Denn „solide“ würde solche hohe Bewertung nicht rechtfertigen.

 

Kosten von Facebook klettern schneller als der Umsatz

Das größte Problem von Facebook scheint dabei derzeit die Entwicklung der Kosten zu sein. Sie legten insgesamt um 82% auf 2,77 Mrd. Dollar zu. Erklärbar ist das schon. Denn Facebook beschreitet letztlich den gleichen Weg wie Google und versucht, mit aggressiven Investitionen zukünftige Umsatzquellen aufzubauen.

Dazu gehören bei Facebook die Online-Fotoplattform Instagram, der Nachrichtendienst Whatsapp und ganz generell die hauseigenen Plattformen für Werbetreibende. Allerdings mit aktuell eher bescheidenem Erfolg, gemessen an den eigenen Plänen und Erwartungen. So rechnet Facebook damit, dass in den beiden folgenden Quartalen das Wachstum der Werbeeinnahmen weiter abflacht. Im vergangenen Quartal legte Facebook hier 43% auf 3,83 Mrd. Dollar zu.

 

Facebook mit deutlichem Rückschlags-Risiko

Angesichts dieser Rahmendaten war es dann auch nicht verwunderlich, dass im nachbörslichen Handel sichtbare Verluste in der Anleihe aufliefen. An der Nasdaq musste Facebook ein Minus von 3,3% verbuchen, auf der Handelsplattform BATS immerhin noch minus 1,25%. Damit dürften die Weichen auch für die heutige reguläre Session gestellt sein.

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LinkedIn als Katalisator?

Die Frage ist nur, ob sich Facebook auf dem dann möglichen Niveau um die 93/94 Dollar halten kann oder in einem ersten Schritt auf die 90 Dollar zurückfällt. Da dürfte das allgemeine Börsenumfeld ein Wörtchen mitreden, wobei heute und morgen dabei besonders auf LinkedIn zu achten ist, die nachbörslichen Zahlen vorlegen.

Denn das berufliche Kontaktnetzwerk ist quasi in der gleichen Branche tätig und wurde schon aus Anlass des ersten Quartals abgestraft, weil man mit dem Ausblick für das zweite Quartal unter den Analystenerwartungen geblieben war. Macht LinkedIn erneut eine schwache Vorstellung, dürfte das auch Facebook nicht kalt lassen. Warten Sie also ab, ehe Sie hier Positions-Entscheidungen treffen.

 

P.S. Die LinkedIn-Zahlen dürften auch bei Xing für Reaktionen sorgen. Mehr dazu morgen auf www.boerse-global.de

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