Facebook: Schwächelt der Social-Web-Gigant?

Die jüngsten Quartalszahlen vom Internetgiganten Facebook lösten nicht gerade Freudenstürme aus. Denn trotz eines deutlichen Umsatzplus brach der Gewinn weg.

 

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In gewisser Weise zeigte Facebook im 1. Quartal, dass man ein wenig „Back to the roots“ spielt. Damit sind die regelmäßigen Anfänge von High-Tech-Firmen gemeint, die massiv investieren und für die ein Gewinn lange Zeit eher nebensächlich ist. Viele dachten, dass Facebook dieser Phase schon längst entwachsen ist. Doch das Unternehmen aus Menlo Park Kalifornien belehrt den Markt diesmal eines Besseren.

Denn im Auftaktquartal schraubte Facebook die Investitionen in neue Technologien so stark nach oben, dass der Gewinn um 42% zum Vorjahreszeitraum einbrach. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 512 Mio. Dollar bzw. 18 Cents je Aktie (Vorjahr: 642 Mio. Dollar bzw. 25 Cents je Aktie). Immerhin: Ohne Sondereinflüsse konnten 42 Cents je Aktie ausgewiesen werden, was die Analystenprognosen um 2 Cents übertraf.

Kostenexplosion setzt Gewinn zu

Dennoch: Die Kostenexplosion wird mit Argwohn betrachtet. So schossen die Kosten um satte 83% auf 2,61 Mrd. Dollar nach oben. Die Kosten für Forschung und Entwicklung wurden dabei allein von zuvor 455 Mio. Dollar auf 1,06 Mrd. Dollar hoch katapultiert. Das Geld wurde dabei vor allem in den Aufbau großer Daten-Zentren investiert und in neue Technologien wie Internet über Drohnen oder News-Plattformen, mit denen vorhandene und zukünftige Nutzer immer stärker in das Facebook-Netz eingesponnen werden sollen.

Ohne Frage: Facebook kann sich solch hohe Kosten momentan leisten. Denn mit dem Einstieg in das Videomarketing dürften die Werbeeinnahmen als Stütze des gesamten Unternehmens weiter zulegen können. Das zeigte sich schon im 1. Quartal mit einem Umsatzzuwachs um satte 42%, obwohl Facebook durchaus einige Risiken im Auslandsgeschäft hat. Denn rund die Hälfte der Umsätze wurde im Ausland generiert und da belastete sichtbar der starke Dollar.

Hohe Bewertungen hinterfragen die aktuelle Kurstendenz von Facebook

Unter dem Strich hinterließ Facebook mit diesen Zahlen ein geteiltes Echo im Markt. Natürlich wird honoriert, dass der Social-Web-Konzern deutliche Zuwächse bei den Werbeeinnahmen generieren kann. Auch die Investitionsoffensive macht langfristig Sinn. Aber im Markt wird dennoch befürchtet, dass Facebook dabei die kurz- und mittelfristige Gewinnphantasie vergisst. Und die ist nun mal entscheidend für die aktuelle Börsentendenz.

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So wundert es auch nicht, dass die Aktie von Facebook nachbörslich gestern nach den Zahlen Abgaben verzeichnete. Ob daraus nun eine Konsolidierung oder sogar Korrektur werden könnte, hängt zu einem Großteil vom Gesamtmarkt ab. Aktuell ist jedenfalls deutlich, dass vor einer positiven Investmententscheidung erst einmal wieder das bisherige Rekordhoch bei 86,07 Dollar überwunden werden müsste. Ob das bei schon sehr ausgedehnten Ratios wie einem KGV von über 33, einem Kurs-Cash-Flow-Verhältnis von 41 und einem Preis-Umsatz-Verhältnis von über 18 noch möglich ist, bleibt abzuwarten. Wir sehen Facebook deshalb derzeit in einer neutralen Position.

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