FDA-Kehrtwende und Übernahme-Chaos — Abbott, Hims & Hers und Gerresheimer unter Druck
Eine FDA-Prüfung von Peptiden beflügelt Hims & Hers, während Abbott nach der Exact-Sciences-Übernahme die Prognose senkt und Gerresheimer Bilanzfragen klären muss. Regulatorische Klarheit wird zum zentralen Kurstreiber.

- FDA plant Lockerung von Peptid-Beschränkungen
- Abbott senkt Gewinnprognose nach Milliardenübernahme
- Gerresheimer weist Übernahmeangebot von Silgan ab
- Redcare übertrifft mit Rezeptumsatz die Erwartungen
Eine FDA-Peptid-Wende beflügelt Hims & Hers, Abbott verdaut eine milliardenschwere Übernahme, und Gerresheimer steht nach dem geplatzten Silgan-Deal vor ungelösten Bilanzfragen. Im Pharma- und Biotech-Sektor trennen regulatorische Weichenstellungen und M&A-Dramen diese Woche die Gewinner von den Nachzüglern. Fünf Aktien im Überblick.
Hims & Hers: Peptid-Hoffnung treibt zweistellige Kursgewinne
Die FDA plant, Beschränkungen für zwölf Peptidsubstanzen zu überprüfen — und Hims & Hers profitiert wie kaum ein anderes Unternehmen. Nach der Ankündigung durch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. legte die Aktie am Donnerstag vorbörslich weitere 6,9 % zu, nachdem sie tags zuvor bereits knapp 14 % gestiegen war.
Hintergrund der Euphorie: Die Behörde hat für den 23. und 24. Juli Beratungstreffen angesetzt, um mehrere Peptide für die sogenannte 503A-Bulks-Liste zu prüfen. Hims & Hers hatte sich bereits im Februar 2025 mit dem Kauf einer kalifornischen Peptid-Produktionsanlage strategisch positioniert. Leerink-Analyst Michael Cherny sieht in der regulatorischen Öffnung einen klaren Vorteil, der die Wachstumslücke nach dem Auslaufen der kompoundierten GLP-1-Produkte füllen könnte.
Die operative Basis ist solide: Der Jahresumsatz 2025 erreichte 2,35 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 59 % gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 peilt das Management 2,7 bis 2,9 Milliarden an. Bank of America hob das Kursziel auf 25 US-Dollar an. Trotz des jüngsten Rallyes notiert die Aktie seit Jahresbeginn noch rund 23 % im Minus. Die Juli-Treffen der FDA bleiben der nächste entscheidende Katalysator — allerdings: Der Prozess steht erst am Anfang, und die Ergebnisse der Beratungen sind nicht bindend.
Abbott Laboratories: Starkes Quartal, enttäuschende Prognose
Abbott lieferte operativ ein überzeugendes erstes Quartal 2026 ab. Der Umsatz stieg auf vergleichbarer Basis um 3,7 %, das bereinigte Ergebnis je Aktie kletterte um 6 % auf 1,15 US-Dollar. Krebsdiagnostik wuchs vergleichbar um 13 %, Medizintechnik um 8,5 %, Elektrophysiologie ebenfalls um 13 % — angetrieben durch neue Katheter-Produkte.
Der Schatten über den Zahlen: Die im März abgeschlossene Übernahme von Exact Sciences belastet die Jahresprognose. Abbott senkte den Ausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie um 20 Cent auf 5,38 bis 5,58 US-Dollar — der Konsens lag bei 5,62 US-Dollar. CEO Robert Ford betonte, die Übernahme bringe rund drei Milliarden US-Dollar Zusatzumsatz und beschleunige das langfristige Wachstum. Der Markt bestraft trotzdem die kurzfristige Verwässerung.
Die Aktie fiel auf den tiefsten Stand seit zwölf Monaten. Bei rund 82 Euro notiert sie am Freitag nur knapp über ihrem 52-Wochen-Tief. Piper Sandler senkte das Kursziel auf 115 US-Dollar, hielt aber an der Übergewichten-Empfehlung fest. Von 17 Analysten empfehlen 15 den Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei 134 US-Dollar. Abbott setzt auf eine Wachstumsbeschleunigung in der zweiten Jahreshälfte — getrieben durch Ernährung, Labordiagnostik und die Integration von Exact Sciences.
Gerresheimer: Silgan-Offerte geplatzt, Bilanzprüfung dauert an
Der Düsseldorfer Spezialverpackungshersteller wies eine Übernahmeannäherung des US-Konkurrenten Silgan zurück. Reuters berichtete am Donnerstag unter Berufung auf drei Insider, dass die Gespräche beendet seien. Silgan hatte im März noch an einem unverbindlichen Angebot von 41 Euro je Aktie gearbeitet — mehr als das Doppelte des damaligen Kursniveaus.
Die Aktie reagierte zunächst mit einem Minus von über 5 %, erholte sich dann aber und schloss rund 1,7 % im Plus. Dieses Kurskarussell spiegelt die Unsicherheit wider, die Gerresheimer seit Monaten begleitet. Der Konzern hat klar kommuniziert: Erst müssen die Bilanzprobleme gelöst und der Verkauf der US-Tochter Centor abgeschlossen werden, bevor strategische Optionen auf den Tisch kommen.
Besonders belastend wirkt die Verschiebung der testierten Jahresabschlüsse 2025. Statt Ende März sollen diese nun erst im Juni 2026 vorliegen — die Verzögerung resultiert aus Doppelprüfungen möglicher Unregelmäßigkeiten bei Transaktionen der Jahre 2024 und 2025. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Gerresheimer einen Umsatz von 2,04 Milliarden Euro bei einem Gewinnrückgang von 5,5 %. Der Analystenkonsens empfiehlt Halten bei einem mittleren Kursziel von 31,90 Euro. Bei einem Kurs von 21,40 Euro am Freitag bleibt die Diskrepanz zwischen Bewertung und operativer Realität erheblich.
Redcare Pharmacy: Rezeptumsatz als Rettungsanker
Nach einem brutalen Jahresstart liefert Redcare Pharmacy erstmals wieder Argumente für die Bullen. Die vorläufigen Q1-Zahlen übertrafen die Erwartungen deutlich und lösten einen Tagessprung von über 14 % aus.
Die Kernzahlen im Überblick:
- Konzernumsatz: 848 Millionen Euro (+18,3 %), über dem Konsens von 837 Millionen
- Rezeptumsatz gesamt: 315 Millionen Euro (+35 %)
- Rezeptumsatz Deutschland: 168 Millionen Euro (+55 %), deutlich über der Schätzung von 162 Millionen
Die Dynamik im Rezeptgeschäft ist bemerkenswert. Gerade der deutsche Markt — mit einem Plus von 55 % — zeigt, dass die elektronische Verordnung als struktureller Treiber wirkt. Das Management bestätigte die Jahresziele: Umsatzwachstum von 13 bis 15 %, deutscher Rezeptumsatz über 670 Millionen Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von mindestens 2,5 %.
Auf der Hauptversammlung am 15. April wurde Hendrik Krampe als neuer Finanzvorstand bestätigt. Krampe bringt acht Jahre Erfahrung aus dem europäischen Marketplace-Geschäft von Amazon mit — eine bewusste Wahl für die Skalierung der digitalen Plattform. Deutsche Bank startete die Abdeckung mit einer Kaufempfehlung, Jefferies hält an einem Kursziel von 150 Euro fest. Der Konsens liegt bei rund 95 Euro. Trotz des jüngsten Anstiegs auf 50,60 Euro bleibt die Aktie seit Jahresbeginn rund 25 % im Minus.
Onco-Innovations: Neues Führungsteam vor klinischer Phase
Der Micro-Cap-Onkologiewert aus Vancouver verstärkte diese Woche seine Führungsebene. Dr. Islam Mohamed übernimmt die Rolle des Chief Medical Officer, Stephen M. Novak wird Forschungs- und Entwicklungschef. Beide Personalien zielen auf die bevorstehende klinische Phase des Leitkandidaten ONC010 — einer PNKP-Inhibitor-Technologie, die vor den ersten Studien am Menschen steht.
Mohamed bringt Erfahrung in translationaler Forschung und globaler Arzneimittelentwicklung mit. Er verantwortet künftig Studiendesign, medizinische Aufsicht und den regulatorischen Dialog. Novak verfügt über mehr als 25 Jahre Führungserfahrung in Biotechnologie und klinischer Entwicklung. Gemeinsam sollen sie die IND-vorbereitenden Aktivitäten beschleunigen.
Parallel genehmigte der Verwaltungsrat die Ausgabe von 1.360.000 Restricted Share Units an Führungskräfte und Berater. Der zuvor eingereichte vorläufige Basisprospekt wird derzeit von der Alberta Securities Commission geprüft. Als präklinisches Unternehmen generiert Onco-Innovations noch keine Umsätze — die entscheidenden Kennzahlen bleiben Pipeline-Meilensteine und Liquiditätsreichweite. Die Aktie legte in der vergangenen Woche über 60 % zu und notiert bei 0,60 Euro, bewegt sich aber weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch.
Regulatorische Klarheit als stärkster Kurstreiber
Die fünf Aktien dieser Woche illustrieren ein gemeinsames Muster: Operative Stärke allein reicht nicht — regulatorische und bilanzielle Klarheit bestimmt die Bewertung. Abbott liefert starke Quartalszahlen, wird aber für die Übernahme-Verwässerung abgestraft. Gerresheimer kann strategische Optionen erst nutzen, wenn die BaFin-Untersuchung und die Bilanzprüfung abgeschlossen sind.
In den kommenden 90 Tagen stehen entscheidende Termine an. Redcare Pharmacy legt im Mai den vollständigen Quartalsbericht vor — der erste echte Belastungstest für das neue Management. Für Hims & Hers markieren die FDA-Beratungen im Juli den nächsten formalen Checkpoint. Abbott setzt auf eine Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte, und Onco-Innovations muss die IND-Vorbereitung für ONC010 vorantreiben. Ob FDA, BaFin oder unabhängige Wirtschaftsprüfer — wer zuerst Klarheit liefert, dürfte am stärksten profitieren.
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