FDA-Priorität für Bayer, Sellas vor Studienergebnis — UnitedHealth verliert Buffett

Bayer erhält beschleunigte FDA-Prüfung für Schlaganfallmittel. Sellas Life Sciences erwartet entscheidende Studienergebnisse. UnitedHealth verliert Berkshire Hathaway als Aktionär.

Die Kernpunkte:
  • Bayers Schlaganfall-Medikament erhält FDA-Priority-Review
  • Sellas-Studienergebnis zu Leukämie-Therapie steht bevor
  • UnitedHealth-Aktie nach Berkshire-Ausstieg im Fokus
  • Gerresheimer zwischen Aktivisten-Käufen und Analysten-Skepsis

Fünf Pharma- und Biotech-Werte, fünf völlig unterschiedliche Ausgangspositionen: Während Bayer mit einer beschleunigten FDA-Prüfung für sein Schlaganfallmedikament den bisher größten Pipeline-Erfolg des Jahres feiert, steht Sellas Life Sciences kurz vor einem Studienergebnis, das die Aktie nochmals neu bewerten könnte. UnitedHealth verarbeitet den überraschenden Ausstieg von Berkshire Hathaway, Gerresheimer kämpft zwischen Aktivisten-Käufen und Analysten-Skepsis, und Sangamo Therapeutics ringt um das nackte Überleben an der Börse.

Sellas Life Sciences: CEO-Optimismus treibt die Rallye weiter

Die Sellas-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten eine bemerkenswerte Entwicklung hingelegt. Aktuell notiert das Papier bei 7,72 €. Der eigentliche Treiber der jüngsten Kursexplosion: CEO Angelos Stergiou sprach auf dem Stifel 2026 Targeted Oncology Forum ungewöhnlich deutlich über die Chancen des Flaggschiff-Programms GPS bei akuter myeloischer Leukämie (AML).

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Es gebe „eine sehr gute Chance“, dass die Überlebensdaten aus früheren Studien repliziert oder sogar übertroffen werden könnten. Als Hauptgrund nannte Stergiou die verzögerte Timeline bis zum letzten Ereignis in der zulassungsrelevanten Phase-3-Studie REGAL — ein Signal, das der Markt als Hinweis auf längere Überlebenszeiten der Patienten deutet.

Die Studie hat 78 von 80 Ereignissen erreicht. Einige Patienten befinden sich seit über drei Jahren in Behandlung. Alliance Global hob das Kursziel daraufhin von 7,50 auf 10 Dollar an und bekräftigte die Kaufempfehlung.

Finanziell steht Sellas solider da als noch vor Monaten:

  • Cash-Bestand von rund 107 Mio. Dollar, ein deutlicher Sprung gegenüber dem Vorquartal
  • Nettoverlust im ersten Quartal bei 0,05 Dollar je Aktie — besser als erwartet
  • Parallel läuft eine 80-Patienten-Phase-2-Studie mit SLS009 bei neu diagnostizierter AML

Das Unternehmen positioniert SLS009 gezielt als Option für Venetoclax-resistente AML — ein Bereich, in dem der medizinische Bedarf wächst.

Gerresheimer: Aktivist kauft, Analysten warnen

Wenige Aktien im deutschen Nebenwerte-Universum polarisieren derzeit so stark wie Gerresheimer. Der Kurs legte heute um 5,46 % auf 27,06 € zu — und liegt damit fast 74 % über dem Februar-Tief. Die Erholung verdankt sich einer ungewöhnlichen Konstellation.

Active Ownership Capital hat über sein Vehikel AOC Gecko die Beteiligung auf über 15 % ausgebaut. Zugleich akkumulierten Insider Aktien im Wert von knapp 9,7 Mio. Euro. Gläubiger verlängerten ihre Stillhaltevereinbarungen und verschafften dem Unternehmen Luft.

Gerresheimer ist ein Schlüsselzulieferer für die Verpackung von GLP-1-Medikamenten — Glasfläschchen und Spritzensysteme für Adipositas- und Diabetestherapien. Die regulatorischen Hürden für Wettbewerber sind enorm, die Nachfrage durch den globalen GLP-1-Rollout gewaltig. Massive Kapazitätsinvestitionen für Biologika-Verpackungen treiben die Neubewertungsfantasie.

Gleichzeitig stufte Jefferies die Aktie gestern auf „Hold“ herab, nachdem Barclays bereits Ende April auf „Underweight“ gesenkt hatte. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 23,37 € — unterhalb des aktuellen Kurses. Von sieben Analysten empfehlen nur zwei den Kauf, fünf raten zum Verkauf.

Der Kern des Problems: Gerresheimer hatte den testierten Jahresabschluss im Februar nach internen Untersuchungen zurückgezogen. Der nachgereichte Bericht wird für Juni erwartet — und wird zeigen, ob die operativen Verbesserungen die Bilanz tatsächlich stabilisiert haben. Bis dahin bleibt die Aktie ein Wechselspiel zwischen Vertrauensvorschuss und Transparenzdefizit.

Bayer: Beschleunigtes Prüfverfahren als Gamechanger

Das wichtigste Einzelereignis der Woche im Pharma-Sektor kommt aus Leverkusen. Die FDA hat Bayers Zulassungsantrag für den Faktor-XIa-Hemmer Asundexian zur Prävention ischämischer Schlaganfälle angenommen — und dem Wirkstoff den Status „Priority Review“ verliehen. Auch Japans Gesundheitsministerium nahm den Antrag an.

Die Grundlage bildet die pivotale Phase-III-Studie OCEANIC-STROKE, deren Ergebnisse im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurden. Asundexian in der 50-mg-Dosierung reduzierte ischämische Schlaganfälle um 26 % bei Patienten nach einem nicht-kardioembolischen Ereignis. Für Bayer wäre eine Zulassung der dringend benötigte Beweis, dass die Pipeline echte Blockbuster-Kandidaten hervorbringt.

Parallel treibt der Konzern die Diversifizierung voran. Die Übernahme von Perfuse Therapeutics — einem Entwickler von Augenmedikamenten aus San Francisco — für bis zu 2,45 Mrd. Dollar soll die Augenheilkunde-Pipeline stärken und den wachsenden Generika-Druck kompensieren.

Die Analystenlandschaft fällt ungewöhnlich einhellig aus: 14 Kaufempfehlungen, keine einzige Verkaufsempfehlung. DZ Bank stufte die Aktie erst diese Woche auf „Buy“ hoch. Das durchschnittliche Kursziel von 48,58 € liegt knapp 25 % über dem aktuellen Kurs von 39,09 €. Kein Wunder, dass sich die Stimmung um Bayer nach Jahren des Dauerpessimismus spürbar dreht.

Sangamo Therapeutics: Gentherapie-Hoffnung im Überlebenskampf

Am anderen Ende des Spektrums steht Sangamo Therapeutics. Die Aktie handelt nach dem Wechsel von der Nasdaq an den OTCQB Venture Market bei nur 0,115 Dollar — ein Verlust von rund 85 % gegenüber dem Jahreshoch. Der Grund: Die Gesellschaft konnte die Mindestpreisanforderung der Nasdaq nicht mehr erfüllen.

Am 9. Juni steht die Berufungsverhandlung gegen die Delisting-Entscheidung an. Ein Verbleib an der Nasdaq wäre kritisch, denn OTC-gehandelte Aktien verlieren typischerweise Liquidität und institutionelle Aufmerksamkeit.

Die Quartalszahlen verschärften die Lage zusätzlich. Im ersten Quartal erzielte Sangamo Umsätze von lediglich 1,44 Mio. Dollar — weit unter den erwarteten 34,4 Mio. Dollar. Der Verlust je Aktie betrug 0,08 Dollar, obwohl Analysten einen kleinen Gewinn einkalkuliert hatten. Die Aktie fiel nachbörslich um 15,6 %.

Die Wissenschaft selbst liefert hingegen Fortschritte. Die Zulassungseinreichung (BLA) für die Gentherapie Isaralgagene Civaparvovec zur Behandlung der Fabry-Krankheit wird noch im Sommer 2026 erwartet — vorausgesetzt, die Finanzierung steht. Genau hier liegt das Dilemma: Ein potenziell bahnbrechendes Medikament droht an fehlenden Mitteln zu scheitern. Sangamo prüft alle strategischen Optionen und verhandelt nach eigenen Angaben mehrere mögliche Geschäftspartnerschaften.

UnitedHealth: Starke Zahlen, prominenter Abgang

Der Ausstieg von Berkshire Hathaway aus UnitedHealth sorgte Mitte Mai für Schlagzeilen. Weniger als ein Jahr nach dem Einstieg im August 2025 verkaufte der Mischkonzern unter dem neuen CEO Greg Abel die gesamte Position. Die meisten Beobachter sehen darin weniger ein Urteil über UnitedHealth als eine Folge des Führungswechsels bei Berkshire. Todd Combs, dem der ursprüngliche UNH-Kauf zugeschrieben wird, war im Dezember zu JPMorgan Chase gewechselt.

Die operative Entwicklung von UnitedHealth spricht eine andere Sprache. Im ersten Quartal übertraf der Gewinn je Aktie mit 7,23 Dollar die Erwartungen deutlich. Die Umsätze lagen bei 111,7 Mrd. Dollar. Besonders bemerkenswert: Die Medical Care Ratio verbesserte sich um 90 Basispunkte auf 83,9 % — ein Zeichen besserer Kostenkontrolle. Die Jahresprognose wurde auf über 18,25 Dollar je Aktie angehoben.

Mizuho hob das Kursziel auf 440 Dollar an und behielt die Outperform-Einstufung. 22 von 23 Analysten empfehlen den Kauf. Die Aktie notiert bei 328,40 € und hat seit Jahresanfang rund 14 % zugelegt.

Ein Schatten bleibt: Das US-Justizministerium führt strafrechtliche und zivilrechtliche Ermittlungen zu den Medicare-Advantage-Abrechnungspraktiken. Konkret geht es um den Verdacht, Patientendiagnosen aufgebläht zu haben, um höhere staatliche Erstattungen auszulösen. Ein Zeitplan für eine Lösung existiert nicht.

Intern setzt UnitedHealth massiv auf künstliche Intelligenz — mehr als 1.000 KI-Anwendungsfälle sind im Einsatz, das AI-Budget für 2026 liegt bei 1,5 Mrd. Dollar.

Pharma-Sektor zwischen Durchbruch und Existenzkrise

Die fünf Werte illustrieren die zwei entscheidenden Variablen im Biotech-Sektor Mitte 2026: regulatorische Dynamik und finanzielle Reichweite.

  • Bayer und Sellas profitieren von klaren, zeitnahen Katalysatoren — die FDA-Prioritätsprüfung bzw. das nahende Studienergebnis geben konkrete Kurstreiber
  • Gerresheimer bewegt sich im Spannungsfeld zwischen einer strukturell attraktiven Marktposition im GLP-1-Segment und einer Vertrauenskrise durch die aufgeschobene Bilanzvorlage
  • Sangamo zeigt, wie schnell wissenschaftlicher Fortschritt irrelevant wird, wenn die Finanzierung bröckelt und der Kapitalmarktzugang schwindet
  • UnitedHealth liefert operativ überzeugend, muss aber den DOJ-Schatten abstreifen

Für Sellas tickt die Uhr am deutlichsten: Mit dem 80. Ereignis in der REGAL-Studie werden die Topline-Daten innerhalb weniger Wochen veröffentlicht. Bei Bayer läuft das FDA-Prüfverfahren. Gerresheimers Juni-Bericht entscheidet über die Glaubwürdigkeit der Erholung. Sangamos Schicksal hängt an der Nasdaq-Anhörung am 9. Juni und möglichen Partnerschaftsabschlüssen. Und bei UnitedHealth bleibt die DOJ-Untersuchung die größte Unbekannte in einer ansonsten intakten Erholungsgeschichte.

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