Fed-Gouverneur Barr stellt weitere Zinsschritte in Aussicht

Energiepreise und KI-Investitionen erschweren laut Michael Barr die Rückkehr zur Zwei-Prozent-Inflationsmarke; Händler kalkulieren einen Zinsschritt ein.

Die Kernpunkte:
  • Teure Energie erhöht den Inflationsdruck
  • KI-Ausbau steigert die Nachfrage nach Hightech
  • Händler sehen 70 Prozent Chance auf Zinsschritt
  • Zehnjährige US-Rendite nahe Höchststand seit 2007

Die Federal Reserve sieht ihr Inflationsziel gefährdet und rüstet sich für weitere Zinserhöhungen. Fed-Gouverneur Michael Barr machte deutlich, dass teure Energie und massive Investitionen in Künstliche Intelligenz den Weg zurück zur Zielmarke von zwei Prozent erschweren. An den Terminmärkten wird eine baldige geldpolitische Straffung bereits fest einkalkuliert.

Energiepreise und KI-Boom treiben die Inflation

Barr sieht derzeit keinen klaren Trend für eine rechtzeitige Rückkehr zum Preisziel. Der Konflikt im Nahen Osten treibt die weltweiten Ölpreise an. Parallel dazu befeuert der Aufbau von Kapazitäten für Künstliche Intelligenz die Nachfrage nach Hightech-Gütern, was die Kosten für Unternehmen und Verbraucher erhöht.

Das US-Wirtschaftswachstum dürfte im weiteren Jahresverlauf 2026 anziehen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im ersten Halbjahr um zwei Prozent expandierte. Robuste Unternehmensinvestitionen und stabile Konsumausgaben stützen die Beschäftigung. Barr plädiert daher für eine Neukalibrierung der Geldpolitik, um den Risiken für beide Teile des Fed-Mandats – Vollbeschäftigung und Preisstabilität – gerecht zu werden.

Anleihemärkte erwarten baldige Zinsanhebung

An den Finanzmärkten schlägt sich diese Haltung bereits nieder. Händler beziffern die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt um 25 Basispunkte bei der Sitzung am 27. und 28. Oktober auf 70 Prozent. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe verharrt nahe ihrem höchsten Stand seit 2007.

Auch Marktbeobachter stellen sich auf eine längere Phase hoher Zinsen ein. Wells Fargo Investment Institute hob seine Ölpreisziele an und erwartet, dass geopolitische Spannungen sowie geschäftliche Technologieausgaben den Teuerungsdruck verstärken. Die US-Notenbank werde darauf mit zusätzlichen Zinsschritten reagieren müssen, was das weltweite Wirtschaftswachstum verlangsamen dürfte. Höhere Kreditkosten und teurere Energie könnten in der Folge auch die Investitionsbereitschaft der Unternehmen dämpfen.

Kurzfristig richten die Märkte ihren Blick auf anstehende Konjunkturdaten und weitere Notenbank-Stimmen. Am Dienstag treten sechs hochrangige Fed-Vertreter auf, unter ihnen John Williams, Präsident der New York Fed. Außerdem steht die Veröffentlichung der offenen Stellen für August an.

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