Fed vor Zinsentscheid: Warsh riskiert den Bruch mit Trump
Die Fed steht wegen anhaltender Inflation und hoher Ölpreise vor einer Zinserhöhung. Präsident Trump fordert dagegen deutlich günstigere Kredite.

- Zinserhöhung um 25 Basispunkte erwartet
- Marktchance steigt auf 92 bis 93 Prozent
- Zehnjährige US-Rendite über fünf Prozent
- Trump fordert niedrigere Kreditkosten
Die Federal Reserve steht vor ihrer heikelsten Weichenstellung des Jahres. Notenbankchef Kevin Warsh dürfte die Leitzinsen am Mittwoch anheben, obwohl US-Präsident Donald Trump vehement billigeres Geld fordert. Der Grund für den unnachgiebigen Kurs: Anhaltende Inflationsrisiken und Rohölpreise weit über der Marke von 100 Dollar je Barrel zwingen die Währungshüter zum Handeln.
An den Terminmärkten gilt ein Zinsschritt um 25 Basispunkte inzwischen als fast ausgemachte Sache. Händler preisen die Wahrscheinlichkeit einer solchen Anhebung mit 92 bis 93 Prozent ein. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 59,4 Prozent.
Damit steuert die Notenbank auf einen direkten Konflikt mit dem Weißen Haus zu. Trump fordert seit Monaten deutlich niedrigere Kreditkosten, um die Wirtschaft anzutreiben. Zuletzt drohte er sogar mit Handelsstopps gegen Staaten mit Handelsüberschüssen, sollte die Fed ihren geldpolitischen Kurs nicht lockern. Ein Zinsschritt am Mittwoch dürfte die politische Auseinandersetzung über die Unabhängigkeit der Zentralbank eskalieren lassen.
Anleihemärkte senden Warnsignale
Die Nervosität an den Finanzmärkten spiegelt die Zwickmühle wider, in der die Notenbank steckt. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe durchbrach am Dienstag erstmals seit drei Jahren die Fünf-Prozent-Marke. Am Mittwochmorgen gab sie im asiatischen Handel nur leicht auf rund 4,99 Prozent nach.
Treibstoff für die Zinsängste liefert vor allem der Energiemarkt. Lieferausfälle im Nahen Osten und Verladestopps an wichtigen Exportterminals verteuern das weltweite Angebot. Zwar gab der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent am Mittwoch leicht auf knapp 108 Dollar nach, das hohe Preisniveau treibt die Teuerung jedoch weiter an.
Globaler Zinsdruck nimmt zu
Die Fed agiert bei ihrer Straffung nicht isoliert. Weltweit sehen sich Notenbanken mit steigenden Energiekosten konfrontiert. Parallel bereitet auch die Bank of Japan für Freitag eine Anhebung ihres Leitzinses auf ein Mehrdekadenhoch vor. Eine Zinspause in Washington könnte an den Märkten Zweifel säen, ob die US-Notenbank entschlossen genug gegen den Preisauftrieb vorgeht.
Für Warsh gibt es am Mittwoch keinen schmerzlosen Weg. Hält die Fed die Zinsen unverändert, droht ein Vertrauensverlust an den Märkten. Liefert sie die erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte, folgt der offene Bruch mit Präsident Trump. Aufschluss über den weiteren Zinspfad bis ins Jahr 2027 wird Warshs Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung am Mittwochabend geben.
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