Fed vor Zinserhöhung, was machen Aktien & Co.

 

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Greift die amerikanische Notenbank nun im September zu einer ersten Zinserhöhung oder nicht? Je näher der Termin rückt, umso aufgeregter werden die Diskussionen im Kapitalmarkt über Zeitpunkt und Ausmaß der avisierten Zinswende. Was auch daher rührt, dass die Marktzinsen bzw. Futures noch weit unterhalb der Zinserwartungen der Fed liegen.

 

Wir hatten schon mehrfach auf dieses Gap hingewiesen. Dieses wurde zwar in letzter Zeit etwas geschlossen, da die Fed selbst mit ihren Zinserwartungen einige Schritte zurückgegangen war. Doch noch immer klafft eine erhebliche Lücke zwischen der Fed-Guidance und dem, was der Markt bereits eingepreist hat.

 

Risk-Assets im Zentrum eines kommenden Sturms?

Doch womöglich spiegelt sich in dieser Diskrepanz ein ganz anderer Zusammenhang wider. Denn natürlich rührt die Nervosität des Marktes in der Diskussion um die Zinswende auch daher, dass man mit dem Einstieg der US-Notenbank in höhere Zinsen einen Ausverkauf bei risikobehaften Anlagen befürchtet. Dabei rücken vor allem Aktien und Hochzins-Papiere in den Fokus.

Doch stellt sich die Frage, ob diese Befürchtungen zum momentanen Zeitpunkt überhaupt berechtigt sind? Geht es nach den historischen Daten, könnten Risiko-Assets mindestens auch in einer ersten Phase einer Zinserhöhung weiterhin positive Returns aufzeigen.

 

Überraschende Befunde

Dahinter steckt die einfache Erkenntnis, dass die Fed in der Regel erst dann zu höheren Zinsen greift, wenn die US-Wirtschaft ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber einem höheren Zinsniveau unter Beweis gestellt hat. So konnten die Gewinne der US-Unternehmen in früheren Zeiten in Phase 12 eines Zinszyklus weiter zulegen, was sich in durchschnittlichen Gewinnen am Aktienmarkt (hier am Beispiel des S&P 500) um 10,6% widerspiegelte. Das trieb letztlich auch die Performance von Hochzins-Anleihen noch eine ganze Zeit lang an.

Aktuell haben wir es, wenn es wie geplant kommt, mit der längsten Zurückhaltung der Fed nach dem Durchschreiten der konjunkturellen Talsohle zu tun. Hatte die Notenbank bspw. nach der Rezession 1982 nur etwas mehr als ein Jahr gewartet, ehe sie erstmals die Zinsen anhob, sind es nun schon mehr als 6 Jahre. Allerdings wirft die extreme Wartezeit auch Fragen auf.

 

Fed wird nicht viel Spielraum nach oben haben

Denn es ist zwar festzustellen, dass Notfall-Maßnahmen wie QE längst nicht mehr nötig sind, aber die letzten Monate doch immer wieder sehr durchgewachsene Konjunkturdaten lieferten. Was letztlich so interpretiert werden kann, dass die Unternehmen trotz der langen Vorlaufzeit nicht den üblichen konjunkturellen Schwung nehmen konnten, um trotz steigender Zinsen weiter zulegen zu können.

Letztlich wird der neue Zinszyklus ein echtes Experiment, wie sich Markt und Unternehmen nach so einer langen Zeit ultraniedriger Zinsen neu aufstellen. Die gute Nachricht: Auch wenn wohl Abstriche an den Performance-Perspektiven von Risiko-Assets gemacht werden müssen, so ist kaum mit einem breit angelegten Abschwung zu rechnen. Was auch damit zusammenhängt, das die Fed im aktuellen Zinszyklus kaum über die Stränge schlagen dürfte und wohl mit möglichen Zinslevels zwischen 2 und 3% weit unter früheren Niveaus bleibt.

 

dr_norbert_hagen_img_0312_webDr. Norbert Hagen, I.C.M. InvestmentBank AG

Als Vorstand des unabhängigen Vermögensverwalters I.C.M. Investmentbank AG verfolgt Dr. Hagen nach eigenen Angaben eine grundsätzlich opportunistisch ausgerichtete und cashflow-orientierte Anlagephilosophie. Neben Anleihen spielen auch passive Aktien-ETF eine große Rolle in der jeweiligen Anlagestrategie.

Nach einer Börsenmaklerausbildung in den USA und 10 Jahren Asset Management beim HVB-Konzern ist er seit 2000 bei der I.C.M. und zeichnet unter anderen auch für den flexiblen Mischfonds Leonardo UI verantwortlich. Gleichzeitig ist er Herausgeber des Anleihen-Spezialbriefs „Anleihen-Compass“

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