Interviewmit Dieter Jaworski

Ferrero: Wie viel Schutz bietet der Einkauf von 25 Prozent der Haselnussernte?

Ferreros Einkaufsmacht sichert den Zugang zu Haselnüssen, schützt jedoch nicht vor Ernteausfällen in der Türkei.

Die Kernpunkte:
  • Ferrero bezieht rund ein Viertel der Welternte
  • Türkei liefert etwa 70 Prozent des Weltangebots
  • Frost kann Beschaffungskosten erhöhen
  • Kein seriöses Aktienurteil ohne Börsenpreis

Wie viel Schutz bietet Ferreros Zugriff auf rund ein Viertel der weltweiten Haselnussernte, wenn Frost in der Türkei die Versorgung trifft und höhere Rohstoffkosten erst verzögert weitergegeben werden können? Felix Baarz spricht darüber mit Dieter Jaworski.

Felix Baarz: Wenn Frost die Haselnussernte in der Türkei trifft: Wie teuer kann Ferrero diese Abhängigkeit zu stehen kommen?

Dieter Jaworski: Zuerst fehlt Ware. Dann wird die Beschaffung teurer, während sich höhere Kosten womöglich erst mit Verzögerung an die Kunden weitergeben lassen. Aus der Türkei stammen etwa 70 Prozent des Weltangebots; das ist für Ferrero ein empfindliches Verlustrisiko. Lieferkontrolle ersetzt keine Ernte.

Felix Baarz: Sie sagen: „Lieferkontrolle ersetzt keine Ernte.“ Ferrero hat Oltan übernommen. Unterschätzen Sie, wie stark das die Versorgung absichert?

Dieter Jaworski: Sie werfen die Sicherung des Zugriffs und die Größe der Ernte zusammen. Ferreros Einkaufsmacht sichert den Zugriff auf Haselnüsse. Sie lässt bei Frost keine zusätzlichen Nüsse wachsen.

Ferrero kauft rund 25 Prozent der Welternte; diese Größenordnung macht die Abhängigkeit besonders wichtig. Meine Skepsis würde kippen, wenn Ferrero dauerhaft höhere Rohstoffkosten weitergeben kann, ohne bei Nutella nennenswert Absatz zu verlieren. An dieser Absatzmenge messe ich meine These.

Felix Baarz: Ferrero kann bereits 98 Prozent seines Kakaos bis zur Anbaufläche zurückverfolgen. Unterschätzen Sie den Vorteil durch die EU-Entwaldungsverordnung?

Dieter Jaworski: Den Vorsprung erkenne ich an. Die EU-Entwaldungsverordnung verlangt Herkunftsnachweise für betroffene Rohstoffe; für große Unternehmen soll sie Ende Dezember 2026 greifen. Wer seine Lieferkette schon so genau kennt, hat gegenüber weniger vorbereiteten Wettbewerbern einen Vorteil. Nur hilft ein Herkunftsnachweis wenig, wenn eine Ernte ausfällt. Für mein Verlustszenario wiegt die Haselnussversorgung schwerer.

Felix Baarz: Ferrero ist nicht börsennotiert. Warum sprechen wir dann überhaupt über eine Aktie?

Dieter Jaworski: Das Geschäft lässt sich beurteilen. Nutella hat treue Kunden, und Ferrero kann seine Produkte in vielen Ländern verkaufen. Einen belegbaren Aktienpreis gibt es hier nicht. Wer die Aktie trotzdem billig oder teuer nennt, erfindet die entscheidende Grundlage.

Felix Baarz: Was müsste die Übernahme von WK Kellogg in Nordamerika leisten, damit Sie Ferreros Geschäft zuversichtlicher sehen?

Dieter Jaworski: Sie müsste Ferrero dort einen verlässlichen zusätzlichen Absatzweg eröffnen, ohne dass Belastungen durch US-Zölle und die Debatte über Zucker und Nährwerte den Nutzen aufzehren. Die größere Präsenz allein überzeugt mich nicht. Ferrero beherrscht Süßwarenmarken; beim übernommenen Cerealiengeschäft muss sich erst zeigen, wie gut diese Stärke trägt.

Felix Baarz: Sie nennen den Einkauf von rund 25 Prozent der Welternte. Welches Gesamturteil folgt daraus für Ferreros Geschäft und die Aktie?

Dieter Jaworski: Ferreros Größe gibt dem Geschäft Gewicht in der Lieferkette. Die Abhängigkeit von der türkischen Ernte bleibt für mich das schwerere Risiko. Nutella ist ein starkes Geschäft; über die Aktie lässt sich ohne börsennotierten Preis kein seriöses Bewertungsurteil fällen. Die angegebene ISIN ändert daran nichts.

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