Ferrexpo Aktie: 63 Prozent Produktionssteigerung
Ferrexpo steigert die Produktion im zweiten Quartal deutlich, warnt jedoch vor Zahlungsunfähigkeit ohne eine Kapitalerhöhung von 100 Millionen Dollar.

- Produktion um 63 Prozent gesteigert
- Liquidität reicht nur bis Oktober
- Kapitalerhöhung von 100 Mio. Dollar geplant
- Rechtsstreit mit Maxi Capital belastet
Während das Unternehmen operativ deutliche Fortschritte erzielen konnte und die Fördermengen erheblich steigerte, überschatten eine kritische Liquiditätslage und juristische Auseinandersetzungen die Zukunftsaussichten. Das Management warnt davor, dass ohne eine erfolgreiche Kapitalerhöhung die Zahlungsunfähigkeit droht.
Deutliches Produktionsplus im zweiten Quartal
Im zweiten Quartal 2026 verzeichnete Ferrexpo eine kommerzielle Gesamtproduktion von 963.409 Tonnen, was einer Steigerung von 63 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht. Den größten Anteil daran hatten Pellets mit 860.213 Tonnen, während auf Konzentrat 103.196 Tonnen entfielen. Innerhalb der Pellet-Produktion wurden 163.171 Tonnen für die Direktreduktion (DR-Pellets) und 697.042 Tonnen als Premium-Pellets gefertigt.
Trotz dieser operativen Erholung ist der Betrieb weiterhin durch den Krieg in der Ukraine eingeschränkt, sodass derzeit nur eine Pelletlinie genutzt werden kann. Die Belegschaft umfasst 6.299 Mitarbeitende, wobei das Unternehmen darauf hinweist, dass viele Angestellte in den Streitkräften dienen. Im Bereich der Arbeitssicherheit meldete Ferrexpo für die letzten 12 Monate eine Unfallhäufigkeit (LTIFR) von 0,18 und betonte, dass es seit mehr als fünf Jahren keine tödlichen Unfälle im Betrieb gab.
Finanzielle Engpässe und geplante Kapitalerhöhung
Die finanzielle Situation des Konzerns bleibt prekär. Laut dem aktuellen Handelsupdate verfügt Ferrexpo über Barmittel in Höhe von 27 Millionen US-Dollar, während die Nettoliquidität mit 21 Millionen US-Dollar angegeben wird. Wie Investegate berichtet, reichen diese Mittel voraussichtlich nur bis zum Beginn des vierten Quartals 2026 aus. Ein wesentlicher Belastungsfaktor ist die Aussetzung von Mehrwertsteuer-Rückerstattungen durch die ukrainischen Behörden, wodurch Ferrexpo Forderungen in Höhe von 90,4 Millionen US-Dollar offen hat.
Um den Fortbestand zu sichern, plant das Unternehmen eine Kapitalerhöhung im Umfang von mindestens 100 Millionen US-Dollar. Diese Maßnahme ist notwendig, um die Bilanz für das Jahr 2025 fertigzustellen, die Aussetzung des Aktienhandels an der Londoner Börse aufzuheben und eine Insolvenz abzuwenden. Einen kleinen Liquiditätszufluss generierte Ferrexpo zuletzt durch den Verkauf des Schiffes „Iron Destiny“, der 7,7 Millionen US-Dollar einbrachte. Laut Dragon Capital schätzt das Unternehmen die vorhandenen Mittel als ausreichend ein, um den Betrieb über das Ende des Augusts 2026 hinaus aufrechtzuerhalten.
Juristischer Druck und politische Untersuchungen
Zusätzlich zur finanziellen Schieflage sieht sich Ferrexpo mit massiven rechtlichen Forderungen und politischen Untersuchungen konfrontiert. Das Unternehmen ist in einen Rechtsstreit mit Maxi Capital verwickelt, wobei sich die Forderungssumme auf rund 4.727 Millionen UAH beläuft, was etwa 105,4 Millionen US-Dollar entspricht.
Parallel dazu fordern österreichische Parlamentarier eine Untersuchung der Konzernstrukturen und Finanztransaktionen von Gesellschaften wie der Ferrexpo AG, dem Minco Trust und First-DDSG Logistics. Im Kern stehen Vorwürfe der Gewinnverschiebung durch Pellet-Verkäufe unter Marktwert über Schweizer Einheiten sowie angebliche Schulden von mehr als 500 Millionen US-Dollar gegenüber der Poltava-Mine. Ferrexpo weist diese Anschuldigungen entschieden zurück.
Angesichts der unsicheren Lage und des schwebenden Kapitalbedarfs stufen die Analysten von TipRanks den Wert derzeit mit „Hold“ ein. Da der Handel mit den Papieren ausgesetzt ist, bleibt die weitere Entwicklung maßgeblich von der Umsetzung der geplanten Finanzierungsmaßnahmen abhängig.
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