Ferrexpo Aktie: ARMA will 49,3 Prozent beschlagnahmen

Ukrainische Behörde will fast die Hälfte der Ferrexpo-Tochter beschlagnahmen. Der Konzern wehrt sich und plant ein Schiedsverfahren.

Die Kernpunkte:
  • ARMA fordert Beschlagnahme von 49,3 Prozent
  • Handelsstopp an Londoner Börse seit Mai
  • Liquidität reicht nur bis Ende August
  • Produktion auf ein Viertel eingebrochen

Die ukrainische Vermögensverwaltungsbehörde ARMA will fast die Hälfte der Anteile an Ferrexpo Poltava Mining beschlagnahmen. Für den Eisenerzkonzern ist das die nächste Eskalationsstufe in einer Krise, die bereits Handel, Liquidität und Zukunft bedroht.

Kiewer Gericht verhandelt über 49 Prozent der Anteile

Vor dem Petscherski-Bezirksgericht in Kiew läuft diese Woche eine Anhörung mit weitreichenden Folgen. Die staatliche Asset Recovery and Management Agency (ARMA) fordert die Beschlagnahme von rund 49,3 Prozent der Anteile an Ferrexpo Poltava Mining — der zentralen Tochtergesellschaft des Konzerns. Der Vorwurf: illegaler Abbau von Bodenschätzen.

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Ferrexpo weist das zurück. Alle Abbaulizenzen seien gültig, das Unternehmen werde sich „entschlossen“ wehren. Die Übertragung der Unternehmensrechte an ARMA verstoße gegen internationale Investitionsschutzabkommen zwischen der Ukraine und Großbritannien sowie der Ukraine und der Schweiz. Ferrexpo kündigte an, ein internationales Schiedsverfahren gegen die Ukraine einzuleiten.

Der Rechtsstreit kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Aktie ist seit Anfang Mai an der Londoner Börse suspendiert. Ein Termin für die Wiederaufnahme des Handels steht nicht fest.

Handelsstopp seit zwei Monaten

Die Aussetzung läuft seit Anfang Mai 2026, nachdem die Financial Conduct Authority einem Antrag des Unternehmens selbst zugestimmt hatte. Auslöser war die verpasste Frist für den Jahresbericht am 30. April.

Der Handelsstopp hängt an einer einzigen Hürde: Die Wirtschaftsprüfer verweigern die Unterschrift unter den Abschluss, solange keine Going-Concern-Bestätigung vorliegt. Diese Bestätigung wiederum setzt den erfolgreichen Abschluss einer Kapitalerhöhung über 100 Millionen Dollar voraus.

Die Suspension bleibt bestehen, bis die Prüfung abgeschlossen und der Jahresbericht 2025 veröffentlicht ist. Das erfordert die Umsetzung der geplanten Finanzierung. Ferrexpo bereitet die Kapitalmaßnahme vor, kann aber keinen Zeitpunkt für die Aufhebung der Suspension garantieren.

Kasse schrumpft im Wochentakt

Die Liquidität schmilzt rasant. Im Dezember 2024 lagen die Barreserven noch bei rund 101 Millionen Dollar. Bis Dezember 2025 sanken sie auf 47 Millionen, Ende März 2026 auf 25 Millionen, Mitte April auf etwa 20 Millionen.

Der Konzern hat kürzlich sein Umschlagsschiff „Iron Destiny“ für netto 7,7 Millionen Dollar verkauft. Mit diesem Erlös reicht die verfügbare Liquidität nach Unternehmensangaben bis ungefähr Ende August 2026.

Die 7,7 Millionen schließen eine Finanzierungslücke nicht, die an zwei ungelösten Fronten hängt: 90 Millionen Dollar ausstehende Mehrwertsteuerrückerstattung vom ukrainischen Staat und die Insolvenzgefahr bei der Kerntochter Poltava Mining.

Mehrwertsteuer-Blockade wegen Sanktionen

Das ukrainische Finanzamt verweigert die Auszahlung von 69,4 Millionen Dollar an Mehrwertsteuerrückerstattungen. Rechtsgrundlage ist Artikel 200.4 des ukrainischen Steuergesetzes, der Rückzahlungen an Unternehmen untersagt, deren Eigentümerstruktur sanktionierte Personen umfasst.

Der wirtschaftlich Berechtigte Kostiantyn Zhevago unterliegt persönlichen Sanktionen der Ukraine. Er ist Begünstigter des Minco Trust, der über Fevamotinico den größten Anteilsblock hält: 49,32 Prozent der Stammaktien. Diese rechtliche Verbindung hat eine kritische Quelle für Betriebskapital eingefroren.

Der Wirtschaftsausschuss der Werchowna Rada hat eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um operative Herausforderungen von Bergbauunternehmen zu behandeln. Die Situation bei Poltava Mining steht als erstes Thema auf der Agenda. An der ersten Sitzung nahmen Vertreter des Wirtschaftsministeriums, der Nationalbank, des Justizministeriums, des Finanzamts und von Branchenverbänden teil.

Selbst wenn Gerichte zugunsten des Unternehmens entschieden haben, bleiben Zahlungen blockiert. Die Gelder liegen beim Staatsschatzamt und warten auf die Vollstreckung der Gerichtsbeschlüsse.

Fremdkapital ausgeschlossen

Banken und andere Kreditgeber lehnen Finanzierungen ab. Gründe sind Sanktionsbedenken im Zusammenhang mit Zhevago, Geldwäschevorschriften und Know-Your-Client-Probleme. Beschlagnahmeanordnungen liegen auf Konzernvermögen, darunter Anteile an Ferrexpo AG und ukrainischen Tochtergesellschaften. Das laufende Insolvenzverfahren gegen Poltava Mining blockiert jede besicherte Fremdfinanzierung zu akzeptablen Konditionen.

Ferrexpo hat indikative, unverbindliche Interessensbekundungen von institutionellen Investoren für eine mögliche Rekapitalisierung von über 100 Millionen Dollar erhalten. Die Konditionen für diese Kapitalzufuhr sind aber nicht geklärt.

Produktion bei einem Viertel der Vorkriegskapazität

Die Förderung läuft wieder, erreicht aber nur etwa ein Viertel der nachhaltigen Vorkriegskapazität. Im ersten Quartal 2026 brach die Eisenerzproduktion um 72,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein — auf 592.751 Tonnen.

Falls die 100-Millionen-Finanzierung in den kommenden Wochen scheitert, droht bis Ende des Sommers ein Zahlungsausfall. Bis dahin bleibt es ein Wartespiel: Das Kiewer Gericht, die Wirtschaftsprüfer, die Investoren und die Aufsichtsbehörden halten jeweils ein Puzzleteil in der Hand. Erst wenn alle Teile zusammenpassen, kann der Handel wieder aufgenommen werden.

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