Ferrexpo Aktie: Handel seit 1. Mai ausgesetzt

Ferrexpo-Aktie in London ausgesetzt. Kapitalerhöhung über 100 Mio. Dollar soll Fortführung sichern und Prüfung ermöglichen.

Die Kernpunkte:
  • Aktienhandel seit Anfang Mai gestoppt
  • Geschäftsbericht 2025 noch nicht testiert
  • Kapitalerhöhung von 100 Mio. Dollar geplant
  • Liquidität reicht nur bis August

Ferrexpo steckt in einer engen Finanzierungsschleife. Die Aktie des Eisenerzproduzenten bleibt in London vom Handel ausgesetzt, ein Termin für die Wiederaufnahme steht nicht fest. Im Kern geht es um frisches Eigenkapital, den ausstehenden Geschäftsbericht und die Frage, ob der Konzern als fortführungsfähig gilt.

Die Börsenaussetzung läuft seit dem 1. Mai 2026 um 7:30 Uhr Londoner Zeit. Ferrexpo hatte zuvor die Frist für den Geschäftsbericht 2025 verpasst. Der letzte gehandelte Kurs lag bei 28,58 Pence.

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Die 52-Wochen-Spanne reicht von 27,20 bis 87,10 Pence. Das zeigt, wie stark der Marktwert bereits vor der Handelspause gefallen war.

Audit hängt am Kapital

Der Engpass ist klar umrissen. Die Prüfer wollen den Abschluss erst testieren, wenn sie eine Einschätzung zur Fortführung des Unternehmens abgeben können. Diese hängt wiederum an einer geplanten Eigenkapitalzufuhr.

Ferrexpo sieht derzeit eine Kapitalerhöhung als einzige praktikable Lösung im nötigen Zeitfenster. Geplant wäre eine Platzierung neuer Aktien bei bestehenden und neuen institutionellen Investoren. Das Mindestziel liegt bei 100 Millionen US-Dollar.

Fremdkapital fällt als Weg weitgehend aus. Banken und andere Kreditgeber scheuen die Finanzierung wegen Sanktionsfragen rund um Großaktionär Kostyantyn Zhevago. Hinzu kommen Geldwäschevorgaben und KYC-Probleme mit Bezug zur Ukraine.

Auf der Eigenkapitalseite gibt es zwar Interesse. Fevamotinico, das Vehikel von Zhevago, hält 49,32 Prozent an Ferrexpo und bietet unwiderrufliche Unterstützung an. Die Bedingung: Es muss anteilig an einer Erhöhung bis 100 Millionen US-Dollar teilnehmen können.

Institutionelle Investoren haben unverbindlich signalisiert, mehr als diese Summe einzubringen. Die daran geknüpften Bedingungen lassen sich nach Angaben des Unternehmens aber nicht im nötigen Zeitrahmen erfüllen. Genau hier blockiert die Kette.

Liquidität reicht nur begrenzt

Der Kassenbestand schrumpft schnell. Ende 2024 verfügte Ferrexpo noch über rund 101 Millionen US-Dollar. Ende 2025 waren es 47 Millionen US-Dollar, Ende März 2026 nur noch 25 Millionen US-Dollar.

Mitte April lagen die Barmittel bei etwa 20 Millionen US-Dollar. Das ist wenig Spielraum für einen Produzenten, der weiter operiert und zugleich mit rechtlichen Risiken kämpft.

Eine kleine Entlastung bringt der Verkauf des Umschlagschiffs Iron Destiny. Ferrexpo erwartet daraus netto 7,7 Millionen US-Dollar. Das Schiff war wegen der Kriegsfolgen lange kaum im Einsatz, verursachte aber weiter Kosten.

Durch den Verkauf reicht die Liquidität nach Unternehmensschätzung nun etwa bis Ende August. Ohne diese Maßnahme hätte die Reichweite mindestens bis Ende Juni gereicht. Der tatsächliche Verlauf hängt auch von Eisenerzpreisen, Betriebskosten und der Energieversorgung ab.

Produktion läuft auf Sparflamme

Operativ arbeitet Ferrexpo nur mit einem Bruchteil seiner Kapazität. Im ersten Quartal 2026 sank die Eisenerzproduktion im Jahresvergleich um 72,1 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal betrug der Rückgang 44,8 Prozent.

Die Produktion lag bei 592.751 Tonnen. Bei Pellets kam Ferrexpo auf 524.926 Tonnen. Das waren 27,1 Prozent mehr als im Vorquartal, aber 61,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

Der Konzern betreibt weiter eine von vier Pelletlinien. Verkauft wird an europäische Kunden. Das Geschäft läuft also weiter, aber auf deutlich kleinerer Basis.

Zusätzlichen Druck erzeugen blockierte Steuererstattungen in der Ukraine. Die Steuerbehörde hält 69,4 Millionen US-Dollar von offenen Vorsteuerforderungen über 90,3 Millionen US-Dollar zurück. Begründet wird das mit Regeln für Unternehmen, deren wirtschaftliche Eigentümer sanktioniert sind.

Rechtsstreit um ukrainische Kernassets

Ferrexpo kämpft auch um zentrale Vermögenswerte in der Ukraine. Die ukrainische Asset Recovery and Management Agency will rund 49,3 Prozent an Ferrexpo Poltava Mining einziehen lassen. Das Verfahren läuft vor dem Pechersk-Bezirksgericht in Kiew.

Der Vorwurf lautet auf illegale Förderung von Bodenschätzen. Ferrexpo weist das zurück und verweist auf gültige Lizenzen. Der Konzern sieht bei einer Übertragung von Rechten an die Behörde einen Bruch internationaler Investitionsabkommen.

Ferrexpo und die Tochter Ferrexpo AG haben der Ukraine dazu eine formale Mitteilung übermittelt. Das ist der Schritt vor einem möglichen internationalen Schiedsverfahren. Betroffen wären Abkommen der Ukraine mit Großbritannien und der Schweiz.

Am 29. Juni 2026 steht die Hauptversammlung an. Wegen des verspäteten Geschäftsberichts fehlen dort mehrere übliche Punkte, darunter Abschlussfragen und Themen rund um den Abschlussprüfer. Vitalii Lisovenko tritt nach mehr als neun Jahren im Board nicht erneut an.

Bis zur Veröffentlichung des Geschäftsberichts bleibt die Aktie gesperrt. Der zentrale Hebel ist die Kapitalerhöhung über mindestens 100 Millionen US-Dollar. Ohne diese Finanzierung fehlt Ferrexpo der Baustein, um den Abschluss testieren zu lassen und die Londoner Notierung wieder in Bewegung zu bringen.

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