Ferrexpo Aktie: Hauptversammlung entscheidet über Verwässerung

Ferrexpo muss vor dem Aktionärsvotum Finanzierung, Steuerstreit und Insolvenzrisiken bewältigen; eine Kapitalerhöhung über rund 100 Millionen Dollar steht an.

Die Kernpunkte:
  • Brückenkredit über 15 Millionen Dollar
  • Großaktionär hält 49,27 Prozent
  • Steuerforderung von rund 788 Millionen Dollar
  • Kapitalerhöhung über rund 100 Millionen Dollar

Ferrexpo hat vor der entscheidenden Hauptversammlung am 21. September gleich mehrere offene Baustellen zu bewältigen. Während die 15-Millionen-Dollar-Brücke von Großaktionär Fevamotinico bereits erwähntes Thema war, treten nun die konkreten Konditionen und Rückzahlungsszenarien in den Vordergrund – ebenso wie eine milliardenschwere Steuerforderung, die über der Tochtergesellschaft schwebt.

Kredit mit scharfen Bedingungen

Der Brückenkredit über 15 Millionen Dollar von Fevamotinico Sarl, der Ferrexpo Anfang September zufloss, ist an strenge Konditionen gebunden. Der Zinssatz liegt bei 9,75 Prozent pro Jahr, die Laufzeit beträgt zwölf Monate.

Brisant wird es, falls die Hauptversammlung am 21. September die geplante Kapitalerhöhung nicht absegnet oder die Platzierungsvereinbarung scheitert: In diesem Fall kann Ferrexpo die Rückzahlung des Kredits durch Ausgabe neuer Stammaktien zum Ausgabepreis vornehmen. Das würde die Verwässerung für bestehende Aktionäre zusätzlich verschärfen, sollte das eigentliche Rekapitalisierungsvorhaben ins Stocken geraten.

Fevamotinico hält bereits 49,27 Prozent der Stimmrechte an Ferrexpo. Sollte die Wandlung des Kredits in Aktien nötig werden, würde sich die Position des Großaktionärs weiter festigen – ein Szenario, das die Bedeutung des Votums am 21. September für die Machtverhältnisse im Unternehmen unterstreicht.

Parallel dazu verhandelt Ferrexpo über eine separate besicherte Handelsfinanzierung von bis zu 30 Millionen Dollar mit einem Zinssatz von 12 Prozent über drei Jahre bis zur Fälligkeit im September 2029. Die Rückzahlung soll vorrangig durch Abzüge von den Erlösen aus Produktlieferungen erfolgen, die Sicherheiten beschränken sich auf Vermögenswerte außerhalb der Ukraine. Diese Struktur zeigt, wie stark internationale Kreditgeber das Länderrisiko in der Ukraine inzwischen einpreisen.

Steuerstreit belastet Bilanz zusätzlich

Zu den finanziellen Lasten kommt eine Steuerforderung ukrainischer Behörden gegen die Tochtergesellschaft Ferrexpo Poltava Mining in Höhe von umgerechnet rund 788 Millionen US-Dollar.

Diese Summe steht neben einem laufenden Insolvenzverfahren der Poltava Mining and Processing Plant: Der Berufungsgerichtshof Charkiw wies eine Beschwerde gegen die Eröffnung des Insolvenzverfahrens im August zurück, worauf das Unternehmen am 21. August Kassationsbeschwerde beim Obersten Gerichtshof einlegte.

Diese Kombination aus Steuerrisiko und Insolvenzverfahren erklärt, warum Ferrexpo auf mehreren Finanzierungswegen gleichzeitig arbeitet. Die Nettoliquidität war zuletzt dramatisch geschrumpft – von 47 Millionen Dollar Ende 2025 über 25 Millionen Ende März auf nur noch rund 21 Millionen Dollar per 30. Juni. Ohne frisches Kapital wären die verfügbaren Mittel bis Mitte September aufgebraucht gewesen.

Was die Hauptversammlung entscheidet

Die für den 21. September angesetzte Hauptversammlung in London wird über die rund 100-Millionen-Dollar-Kapitalerhöhung sowie weitere Corporate-Governance-Punkte abstimmen. Bei Zustimmung ist die Zulassung der neuen Aktien zum Handel an der Londoner Börse für den 22. September vorgesehen.

Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operativ ist die Pelletproduktion nach der Notfinanzierung mit einer Linie wieder angelaufen, der Fokus liegt wegen anhaltender Angriffe auf Häfen und Schiffe im Schwarzen Meer auf europäischen Kunden. Doch die juristischen und steuerlichen Risiken in der Ukraine bleiben ungelöst und dürften die Bewertung des Unternehmens noch länger belasten.

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