Ferrexpo Aktie: Liquidität reicht nur bis Ende August
Ferrexpo droht mangels frischem Kapital die Insolvenz. Blockierte Steuerrückzahlungen und sinkende Produktion verschärfen die Krise.

- Blockierte Steuerrückzahlung von 90 Mio. Dollar
- Liquidität reicht nur bis Ende August
- Eisenerzproduktion um 72 Prozent eingebrochen
- Kapitalerhöhung als letzter Rettungsanker
Die ukrainische Eisenerzminengesellschaft steckt in einer doppelten Finanzkrise. Seit Mai ist Ferrexpos Aktie an der Londoner Börse suspendiert, nachdem die Wirtschaftsprüfer das Testat verweigert haben. Der Knackpunkt: Ein blockierter Vorsteuererstattungsanspruch von 90 Millionen Dollar in der Ukraine – und die Zeit läuft ab.
90 Millionen Dollar eingefroren – und kein Gerichtsbeschluss
Per Ende März 2026 belief sich der Netto-Mehrwertsteuerforderungen-Saldo der Ferrexpo-Gruppe in der Ukraine auf 90,3 Millionen Dollar. Davon waren 78,9 Millionen Dollar formell zur Rückerstattung beantragt. 69,4 Millionen Dollar – für den Zeitraum Januar bis Dezember 2025 – verweigerten die ukrainischen Steuerbehörden mit Verweis auf die persönlichen Sanktionen gegen den Mehrheitsaktionär Kostiantyn Zhevago.
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Die Ironie: Die Sanktionen betreffen Zhevago als Privatperson, nicht das Unternehmen oder seine Töchter. Dennoch bleibt die Erstattung blockiert.
Das Finanzierungsloch hat zwei Fronten: die 90 Millionen Dollar, die der ukrainische Staat nicht freigibt, und die drohende Zahlungsunfähigkeit der operativen Tochter Poltava Mining.
Cash reicht nur bis Ende August
Die Liquidität schmilzt. Zum Quartalsende hielt Ferrexpo rund 35 Millionen Dollar Barreserven – doch nur 22 Millionen waren frei verfügbar, der Rest lag auf gesperrten Konten. Selbst mit dem Erlös aus dem Verkauf des Frachtschiffs Iron Destiny – netto 7,7 Millionen Dollar – rechnen interne Prognosen mit einem Kassenbestand, der maximal bis Ende August reicht.
Die Bilanzierung der Jahreszahlen 2024/25 scheitert an einer Bedingung: Die Wirtschaftsprüfer verlangen mindestens 100 Millionen Dollar frisches Eigenkapital, bevor sie eine Going-Concern-Bestätigung abgeben. Institutionelle Investoren haben nicht-bindendes Interesse signalisiert, die Konditionen sind aber noch offen.
Bis zur Kapitalerhöhung bleibt die Aktie suspendiert. Ein Handelstermin steht nicht fest.
Produktion auf Vorkriegs-Niveau gedrosselt
Der operative Druck verschärft die Lage. Ferrexpo fördert nur noch rund ein Viertel der Vorkriegskapazität. Im ersten Quartal 2026 fiel die Eisenerzproduktion um 72,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 592.751 Tonnen.
Hinzu kommen gravierende Stromausfälle. Der Krieg zwingt das Unternehmen, Strom zu deutlich höheren Preisen aus der EU zu importieren.
Parlamentsausschuss prüft – ohne Ergebnis
In Kiew hat ein parlamentarischer Ausschuss Ferrexpos Fall als Präzedenzfall für Bergbauunternehmen aufgegriffen. Eine Arbeitsgruppe untersucht Stromknappheit, hohe Energiekosten, blockierte VAT-Rückerstattungen und überfällige Devisenzahlungen der Muttergesellschaft. Ein Abgeordneter wies darauf hin, dass Ferrexpo AG der Poltava-Mine mehr als 500 Millionen Dollar an nicht bezahlten Hartwährungs-Einnahmen schulde – gestützt durch internationale Schiedssprüche.
Politischer Druck allein hat die blockierten Gelder bislang nicht freigesetzt.
Kapitalerhöhung als letzter Ausweg
Die geplante Finanzierungsspritze – mindestens 100 Millionen Dollar – soll als bedingte Platzierung neuer Aktien an institutionelle Anleger erfolgen. Das Geld wäre für Working Capital und den reduzierten Betrieb für die nächsten 18 Monate bestimmt.
Der größte Aktionär Fevamotinico, der 49,32 Prozent hält, hat Unterstützung signalisiert – unter der Bedingung, dass er anteilig an der Kapitalerhöhung teilnehmen kann.
Ohne frisches Kapital und ohne Freigabe der VAT-Forderungen hält das Management eine Insolvenz der Mutter oder von Gruppengesellschaften für „hochwahrscheinlich“. Der letzte Aktienkurs lag bei 28,58 Pence – kaum über dem Jahrestief von 27,20 Pence. Anleger sitzen fest, bis die Suspendierung aufgehoben wird.
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