First Quantum Minerals: Aktie bricht um 16 Prozent ein

Ein Kommissionsbericht empfiehlt einen Betrieb zur Finanzierung der Stilllegung; Verhandlungen mit First Quantum bleiben offen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie fällt im deutschen Handel 16 Prozent
  • Cobre Panama ruht seit November 2023
  • First Quantum fordert rund 27 Milliarden US-Dollar
  • Kommission verlangt Beilegung der Schiedsverfahren

Eine Mine wieder hochzufahren, nur um ihre endgültige Schließung zu organisieren und zu finanzieren: Was die Regierungskommission in Panama dem Staatspräsidenten José Raúl Mulino vorgelegt hat, wirkt auf den ersten Blick wie ein absurder bürokratischer Schildbürgerstreich. Die Börse reagierte prompt mit Panik.

Gestern brach das Papier von First Quantum Minerals im deutschen Handel um 16 Prozent auf 23,68 Euro ein. Anleger sahen vor allem das Wort Schließung und warfen ihre Papiere auf den Markt. Doch wer das Papier vorschnell abschreibt, übersieht die wirtschaftliche und juristische Realität hinter den Kulissen.

Ein pragmatischer Ausweg aus der Sackgasse

Für mich markiert der Kommissionsbericht mit seinen 17 Empfehlungen keineswegs das endgültige Aus für First Quantum in Mittelamerika, sondern den Beginn einer überfälligen Schadensbegrenzung.

Cobre Panama steht seit November 2023 still, nachdem der Oberste Gerichtshof des Landes den Konzessionsvertrag für verfassungswidrig erklärt hatte. Seitdem verliert Panama täglich Millionen an Exporterlösen und Steuern, während Tausende Arbeitsplätze vernichtet wurden.

Der Vorschlag, die Mine wieder in Betrieb zu nehmen, damit der laufende Betrieb die Sanierung und Stilllegung ohne Belastung für die panamaische Staatskasse selbst erwirtschaftet, ist ein politisches Gesichtswahrungsmanöver. Die panamaische Führung kann vor der heimischen Bevölkerung betonen, man halte am Ausstieg fest und vergebe keine Verlängerung des alten Vertrags.

Gleichzeitig weiß Handelsminister Julio Moltó sehr genau, dass eine geordnete Abwicklung kein Projekt von wenigen Jahren ist. Ein solcher Prozess dürfte sich über Jahrzehnte erstrecken. Das Analysehaus J.P. Morgan verwies bereits darauf, dass dieser Rahmen einen mehrdekadischen Betrieb ermöglichen könnte.

Die Milliardenklage zwingt zum Kompromiss

Dass Panama überhaupt verhandeln will, liegt am massiven finanziellen Druck. First Quantum hat Schiedsklagen in Höhe von rund 27 Milliarden US-Dollar angestrengt – ein Betrag, der etwa 30 Prozent des panamaischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Zwar ruhen diese Verfahren derzeit, doch sie bilden das entscheidende Faustpfand des Bergbaukonzerns. Die Kommission fordert nun ausdrücklich, dass eine Einigung die Schiedsverfahren endgültig beilegen muss.

Hier liegt der Schlüssel: Ein Staat, dem durch den Stillstand enorme Haushalts- und Deviseneinnahmen entgehen und der gleichzeitig vor einem existenziellen Schadenersatzrisiko steht, kann sich einen dauerhaften Stillstand schlicht nicht leisten.

First Quantum hat bereits signalisiert, konstruktiv und nach Maßgabe der Verfassung an einem neuen Rahmen mitwirken zu wollen. Die Analysten von Scotiabank stuften die Kommunikation der panamaischen Regierung zwar treffend als verwirrend ein, doch der fundamentale Kern bleibt: Die Bagger dürften sich in Cobre Panama wieder in Bewegung setzen.

Ein Kursschock als Chance für Geduldige

Unterm Strich überwiegen für langfristig orientierte Anleger trotz des jüngsten Einbruchs die Chancen. Durch den Kurssturz liegt die Aktie nun rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 30,55 Euro. Ein solcher Abschlag preist ein Worst-Case-Szenario ein, das durch die Verhandlungsbereitschaft Panamas gerade unwahrscheinlicher geworden ist.

Der Weg zu einem rechtssicheren Abkommen wird steinig, und die politische Volatilität in Panama wird den Kurs vorerst begleiten. Aber ein geregelter Neustart – selbst unter dem Deckmantel einer späteren Stilllegung – verschafft First Quantum wieder operativen Cashflow aus einem Tagebau, der einst für mehr als ein Prozent der weltweiten Kupferförderung stand. Wer die Nerven besitzt, die politische Begleitmusik auszublenden, erkennt im aktuellen Ausverkauf eine deutliche Überreaktion des Marktes.

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