First Solar Aktie: 249,13% Zölle auf indische Importe

First Solar beendet ein USITC-Verfahren, verfolgt Patentklagen weiter und plant bis 2027 eine US-Modulkapazität von rund 17 Gigawatt.

Die Kernpunkte:
  • USITC-Beschwerde ohne Präjudiz zurückgezogen
  • Patentverfahren gegen vier Wettbewerber laufen
  • Indische Importe mit bis zu 249,13 Prozent belastet
  • US-Modulkapazität soll 2027 rund 17 Gigawatt erreichen

Der US-amerikanische Photovoltaik-Konzern First Solar hat am heutigen Mittwoch eine wichtige Beschwerde vor der US-Handelskommission USITC zurückgezogen. Das Unternehmen reagiert damit auf eine veränderte regulatorische Lage in den USA, die den heimischen Solarmarkt durch neue Importbeschränkungen stützt.

Während das Verfahren vor der Kommission beendet wird, hält der Konzern an seinen Patentklagen gegen mehrere internationale Wettbewerber vor US-Bezirksgerichten fest.

Rückzug vor der USITC bei fortlaufenden Klagen

Die Entscheidung zur Rücknahme der sogenannten Section-337-Beschwerde erfolgt ohne Präjudiz, was dem Unternehmen die Möglichkeit offenlässt, das Verfahren zu einem späteren Zeitpunkt neu aufzurollen.

Hintergrund der ursprünglichen Beschwerde war der Schutz der geistigen Eigentumsrechte an der TOPCon-Solarzellentechnologie. Diese Patente stammen aus der Übernahme des Unternehmens TetraSun im Jahr 2013 und weisen eine Laufzeit bis in die 2030er Jahre auf.

Trotz des Rückzugs vor der Handelskommission setzt First Solar seine rechtlichen Auseinandersetzungen gegen Canadian Solar, Jinko Solar, T1 Energy und Trina Solar fort. Diese Verfahren werden weiterhin vor ordentlichen US-Bezirksgerichten geführt.

Der strategische Schwenk wird maßgeblich mit einer Section-232-Proklamation begründet, die bereits im August wirksam wurde. Diese sieht Mindestimportpreise für Solarkomponenten vor, wobei Module mit mindestens 0,38 US-Dollar pro Watt belegt werden. Ab Anfang Dezember soll zudem ein zusätzlicher Wertzoll von 15 Prozent greifen.

Rückenwind durch massive Importzölle

Zusätzlich zu den Preisuntergrenzen erfährt die Wettbewerbsposition von First Solar Stärkung durch neue Strafzölle der US-Regierung. Das US-Handelsministerium hat am gestrigen Dienstag und am vergangenen Freitag endgültige Antidumping- und Ausgleichszölle auf Solarimporte aus Indien, Indonesien und Laos festgelegt. Den exportierenden Unternehmen wird vorgeworfen, ihre Produkte unter dem fairen Marktwert anzubieten und von staatlichen Subventionen zu profitieren.

Besonders drastisch fallen die Maßnahmen für indische Hersteller aus, bei denen die kombinierten Zollsätze eine Höhe von bis zu 249,13 Prozent erreichen. Auch für Einfuhren aus Laos und Indonesien wurden Aufschläge im hohen zweistelligen bis dreistelligen Prozentbereich finalisiert. Diese Maßnahmen ergänzen die bestehenden Handelsschranken und sollen die heimische Solarindustrie vor Billigimporten schützen.

Ausbau der Kapazitäten und Marktposition

First Solar nutzt das geschützte Marktumfeld für eine massive Expansion seiner Produktionskapazitäten in den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen betreibt derzeit fünf Werke in den Bundesstaaten Alabama, Louisiana und Ohio.

Ein sechstes Werk in South Carolina befindet sich im Aufbau, wobei die erste Phase der Produktion für das zweite Halbjahr 2026 erwartet wird. Insgesamt plant der Konzern für den Zeitraum von 2019 bis 2026 Investitionen von mehr als 5 Milliarden US-Dollar in den USA.

Ziel ist es, die US-Modulkapazität bis zum Jahr 2027 auf rund 17 Gigawatt zu steigern. Begleitende ökonomische Analysen der Universität von Louisiana prognostizieren, dass die Geschäftstätigkeit des Unternehmens bis 2027 mehr als 39.000 Arbeitsplätze sichern und einen Beitrag von 7,8 Milliarden US-Dollar zum US-Bruttoinlandsprodukt leisten könnte.

An der Börse notiert die Aktie heute bei 175,80 Euro nahezu unverändert. Das Papier weist seit Jahresbeginn jedoch einen Rückgang von 23 Prozent auf und notiert damit etwa 11 Prozent unter seinem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Die endgültige Abstimmung der USITC über die neuen Importzölle ist für den 14. Oktober geplant.

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