Fortsetzung des Interviews mit Thomas Schierack, CEO Bastei Lübbe AG

Thomas Schierack © OlivierFavreBörse Global: Eines dieser spannenden Projekte ist die innovative Streaming-Plattform „oolipo“, die 2016 an den Start gehen wird. Wie liegen Sie damit im Zeitplan?

Thomas Schierack: Mit oolipo, unserer neuen internationalen Streaming-Plattform für kurze attraktive Leseinhalte, liegen wir gut im Zeitplan. Die Betaphase für diese Plattform für eine völlig neue Art von Inhalten wird wie angekündigt zu Beginn des zweiten Quartals im April starten. Wir verstehen oolipo dabei als Entertainment-Portal und bieten weit mehr an, als klassische eBooks, also digitale Versionen von Print-Büchern. Wir tragen mit unserem Portal einer neuen Art zu lesen Rechnung, die sich zum Beispiel durch soziale Netzwerke wie Facebook und Smartphones oder Tablets entwickelt hat. Viele Menschen, insbesondere jüngere, lesen kürzere und oft multimediale Stücke – dafür aber überall und immer. Das ist ein Trend, der sich weltweit zeigt und sich noch verstärken wird. Und genau hier haben wir mit oolipo erstmals eine Entertainment-Plattform entwickelt, die solche attraktiven Kurzinhalte für den Bereich „Fiction“ bietet.

 

Was sind die weiteren Besonderheiten von „oolipo“?

Thomas Schierack: Auf oolipo sind die Leseinhalte in kurze Stücke aufgeteilt (Slice), damit sie auf Smartphones optimal gelesen werden können. Filmmaterial, Verlinkungen oder GPS-gestützte Daten – all das kann als Multimedia-Zusatz problemlos mit eingebaut werden. Zudem bieten wir die Möglichkeit, dass sich Nutzer via Facebook, Twitter etc. mit anderen Usern auszutauschen oder Inhalte „liken“. Das klingt simpel, aber bisher sind gerade solche Likes für klassische eBook-Portale oder Lesegeräte ein Riesenproblem. Wir haben das mit oolipo gelöst.

 

Welche Fortschritte gibt es bei der Suche nach geeigneten Kooperations- und Finanzierungspartnern?

Thomas Schierack: Auch in der Frage von Finanzierung und Kooperationen kommen wir gut voran. Wir sprechen derzeit mit großen europäischen Medienhäusern über mögliche Kooperationen und mit Investoren über die Finanzierungsseite. Das Interesse an unserer Plattform ist sehr sehr positiv.

Und wir haben unabhängig von oolipo noch weitere wirklich spannende neue Digitalprojekte, die 2016 an den Start gehen – etwa eine neue Digitalplattform für Großkunden.

 

Der Bastei Lübbe-Vorstand wurde im laufenden Geschäftsjahr von vier auf zwei Mitglieder verkleinert. Ist der Konzern nicht inzwischen nicht zu groß, um die Verantwortung nur auf zwei Schultern zu verteilen?

Thomas Schierack: Ganz und gar nicht. Unser Programmvorstand Klaus Kluge und ich sind ein sehr eingespieltes Team. Klaus Kluge hat einige Aufgaben von Felix Rudloff übernommen, nach dem Weggang von Jörg Plathner verantworte ich nun wieder den Digitalbereich. Natürlich sind das zusätzliche Aufgaben. Allerdings haben wir in den vergangenen beiden Jahren sehr konsequent eine effektive zweite Management-Ebene eingezogen, so dass Klaus Kluge und ich auf ein sehr gutes Team zurückgreifen können. Ich bin überzeugt, dass wir die Bastei Lübbe AG in dieser Form sehr gut und erfolgreich steuern können.

 

Im Oktober 2015 haben Sie Ihre Konzernfinanzierung neu aufgestellt und mit einem neuen Konsortialkredit frühzeitig die Weichen für eine Rückzahlung der im Oktober 2016 fälligen Anleihe gestellt. Welche Argumente waren entscheidend, dass sich der Bankkredit dieses Mal gegen die Börsenfinanzierung durchgesetzt hat?

Thomas Schierack: Wir haben bereits im Herbst 2015 mit einem Bankenkonsortium einen Konsortialkredit im Gesamtvolumen von 33 Mio. Euro und eine Option über weitere 10 Mio. Euro für mögliche Investments und Zukäufe ausgehandelt. Ich bin sehr froh, dass wir frühzeitig das günstige Marktumfeld für eine strategische Neuaufstellung unserer Konzernfinanzierung genutzt haben und gleichzeitig den Rahmen für zusätzliches Wachstum erweitern konnten. Diese neu verhandelte Finanzierung bringt einen deutlich positiven Zinseffekt mit sich. Wir erwarten im Geschäftsjahr 2016/2017 eingesparte Zinsen von rund 0,75 Mio. Euro. Ab dem darauf folgenden Jahr sogar das Doppelte. Das allein war bereits ein schlagendes Argument für diese Lösung, so dass wir gerne zugegriffen haben.

 

Die letztjährige Dividende von 30 Cent je Aktie würde auf aktuellem Niveau einer Rendite von über 4% entsprechen. Peilen Sie erneut eine Ausschüttung auf diesem Niveau an oder müssen sich Ihre Aktionäre angesichts der Investitionen in die Digitalstrategie auf eine defensivere Dividendenpolitik einstellen?

Thomas Schierack: Wir wollen unseren Aktionären regelmäßig eine attraktive Dividende zahlen und grundsätzlich 40% bis 50% des ausschüttungsfähigen Gewinnes ausschütten. Dies haben wir auch in den beiden letzten Jahren so gehalten. Nach unserer eigenen Liquiditätsplanung soll das auch in den nächsten Jahren beibehalten werden.

 

Anders als die Anleihebesitzer hatten die Bastei-Lübbe-Aktionäre bisher nur wenig Freude an ihrem Investment. Warum eigentlich? Und: Wie wollen Sie das 2016 ändern?

Thomas Schierack: Die Kursentwicklung ist für uns nicht befriedigend. Allerdings bewegen wir uns aktuell auch in einem sehr unruhigen Gesamtmarkt. Unabhängig davon sind wir aber überzeugt, dass es in den nächsten Monaten in die richtige Richtung gehen wird. Die Gründe dafür habe ich skizziert. Die Bastei Lübbe AG hat mehrere sehr Erfolg versprechende große Projekte in Vorbereitung. Und ein großer Teil davon wird in diesem Jahr das Licht der Öffentlichkeit erblicken – beispielsweise oolipo. Der erfolgreiche Launch unserer Plattform kann dem Kurs kräftige neue Impulse geben. Wir haben aber neben oolipo noch weitere ebenso spannende Ideen, die wir auch noch in den nächsten Wochen und Monaten vorstellen werden. Wir werden zeigen, dass die Bastei Lübbe AG ein internationales und innovatives Medienunternehmen ist.

 

Herr Schierack, vielen Dank für das Interview. (Zurück zum Teil 1)

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