Friedensabkommen spaltet Rohstoffe — Gold glänzt, Öl stürzt ab

Das Abkommen zwischen USA und Iran treibt Gold und Silber, während Öl stark fällt. Kupfer bleibt unbeeindruckt auf Rekordkurs.

Die Kernpunkte:
  • Goldpreis steigt über 4.300 Dollar
  • Silber legt vier Prozent zu
  • Brent-Öl fällt auf Dreimonatstief
  • Kupfer bleibt auf Rekordniveau

Ein einziges Telegramm aus Washington und Teheran hat am Montag ausgereicht, um den gesamten Rohstoffmarkt neu zu sortieren. Das am Sonntag verkündete Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran — inklusive Sanktionserleichterungen, Abbau des Atomprogramms und Wiederöffnung der Straße von Hormus — treibt Gold und Silber nach oben, schickt Öl auf Talfahrt und lässt Kupfer unbeeindruckt auf Rekordkurs. Die offizielle Unterzeichnung soll am 19. Juni in der Schweiz erfolgen.

Gold: Über 4.300 Dollar — und das dank Entspannung

Der Goldpreis hat am Montag erstmals seit Wochen die Marke von 4.300 US-Dollar je Unze überschritten. Es ist der dritte Gewinntag in Folge, das Plus liegt bei über einem Prozent.

Dass ausgerechnet ein Friedensabkommen Gold nach oben treibt, wirkt auf den ersten Blick paradox. Der Mechanismus dahinter: Das Abkommen drückte den Dollar auf den niedrigsten Stand seit zehn Tagen. Für Käufer außerhalb des Dollarraums wurde das Edelmetall damit günstiger. Gleichzeitig senkten die fallenden Ölpreise die Inflationserwartungen — und damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die Fed.

Die Zahlen belegen den Stimmungswandel. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group liegt die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember nur noch bei 52 Prozent — in der Vorwoche waren es noch 69 Prozent.

Justin Lin, Analyst beim New Yorker Vermögensverwalter Global X Management, sieht weiteres Aufwärtspotenzial: Eine endgültige Beilegung des Konflikts und die Wiederöffnung der Straße von Hormus könnten Zentralbanken den Spielraum geben, Sorgen um die Energiesicherheit beiseitezuschieben und wieder in großem Stil Gold zu kaufen.

Im Tageschart bleibt das technische Bild allerdings gemischt. XAU/USD hält sich unter dem 100-Tage-SMA und dem mittleren Bollinger-Band — Aufwärtsbewegungen innerhalb der übergeordneten Korrekturstruktur bleiben vorerst begrenzt.

Silber: Vier-Prozent-Sprung auf 70,80 Dollar

Der Silberpreis startet mit einem Paukenschlag in die Woche. Die Feinunze legte am Montag über vier Prozent zu und notiert bei rund 70,80 US-Dollar. Nach einer harten Korrekturphase — Silber war von seinem Allzeithoch bei 121,64 Dollar im Januar auf zwischenzeitlich nur noch 66 Dollar gefallen — kommt der Sprung zur rechten Zeit.

Strukturell bleibt das Bild bullisch. Der Silbermarkt steuert 2026 auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu. Solarzellen, Elektroautos und Medizintechnik treiben den industriellen Verbrauch. Allerdings zeigt ein Detail die Komplexität: Der Silberverbrauch in der Photovoltaik ging im vergangenen Jahr bereits um sechs Prozent zurück, für 2026 erwartet das Silver Institute einen weiteren Rückgang um 19 Prozent.

Das Gold-Silber-Ratio liegt aktuell bei rund 63. Silber ist im historischen Vergleich also keineswegs überteuert gegenüber Gold.

Kurzfristig entscheidet der Fed-Termin am Mittwoch über die nächste Richtung. Zwischen 54 und 80 Dollar ist diese Woche alles denkbar. Besondere Aufmerksamkeit verdient der neue Dot-Plot — es ist das erste FOMC-Meeting unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh.

Brent Crude: Fünf Prozent Verlust auf Dreimonatstief

Der Preis der globalen Referenzsorte Brent mit August-Lieferung brach um knapp fünf Prozent auf 83 US-Dollar je Barrel ein. Das ist der tiefste Stand seit dem 10. März.

Die Logik ist unmittelbar: Seit dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar hatte die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus rund ein Fünftel der globalen Öllieferungen betroffen. Diese Kriegsprämie wird nun Stück für Stück abgebaut. Die Vereinbarung umfasst neben der Wiederöffnung der Wasserstraße auch Sanktionserleichterungen und den Abbau des iranischen Atomprogramms.

Während Brent fiel, profitierten die Aktienmärkte: Europäische und US-amerikanische Indizes legten um mehr als zwei Prozent zu. Anleger setzen darauf, dass sinkende Energiepreise die Inflation bremsen und das wirtschaftliche Umfeld verbessern.

Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie, rechnet mit Blick auf das Abkommen mit sinkenden Spritpreisen — allerdings dürfte es dauern, bis die Erleichterung an den Zapfsäulen ankommt.

Rohöl WTI: Fast sechs Prozent im Minus

Die US-Referenzsorte trifft es noch härter. WTI mit Juli-Lieferung sackte um fast sechs Prozent auf gut 80 Dollar pro Fass ab — der stärkste Tagesrückgang seit Wochen. Das Ausmaß der Gegenbewegung wird im Vergleich deutlich: Im April, als Trumps Ultimatum an Teheran die Märkte erschütterte, kletterten WTI-Futures zeitweise über 115 Dollar.

Der iranische Vizeaußenminister Kazem Gharibabadi bestätigte die Einigung. Der vollständige Text soll nach der Unterzeichnungszeremonie in der Schweiz am 19. Juni veröffentlicht werden.

Für WTI wird diese Woche zur Doppelprüfung: Neben der geopolitischen Entwicklung tagt am 16. und 17. Juni das Federal Open Market Committee. Es ist das erste Meeting unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Warsh seit dessen Vereidigung am 22. Mai. Ein unveränderter Leitzins gilt als Konsens — entscheidend wird der Ton der begleitenden Kommunikation.

Kupfer: Rekordnähe trotz geopolitischem Beben

Während Öl einbricht und Edelmetalle steigen, folgt Kupfer seiner eigenen Logik. Am 12. Juni kreuzte der Preis bei 13.645 Dollar je Tonne die 38-Tage-Linie nach oben. Der COMEX-Preis für hochreines Kupfer beendete die Vorwoche mit einem Plus von 2,67 Prozent — dem stärksten Wochengewinn seit Anfang Mai. Der langfristige Aufwärtstrend ist seit Mai 2025 intakt.

Das Fundament ist strukturell. Für 2026 wird ein Angebotsdefizit von rund 35.000 Tonnen erwartet. Zahlreiche Minen liefern weniger als geplant:

  • Chile: Die nationale Fördermenge sank im März. Codelco meldete einen Produktionsrückgang von zehn Prozent, bei der BHP-Mine Escondida brach die Förderung sogar um knapp 16 Prozent ein.
  • Weitere Ausfälle: Auch Minen in Indonesien, der Demokratischen Republik Kongo und Sambia blieben hinter den Erwartungen zurück.
  • Nachfragetreiber: Energiewende, KI-Rechenzentren und Stromnetzmodernisierung sorgen für wachsenden Bedarf, den das Angebot aufgrund langer Projektvorlaufzeiten und sinkender Erzgehalte nicht decken kann.

Die Analystengemeinde bleibt optimistisch. Goldman Sachs prognostiziert Kupfer bis Jahresende bei 13.735 Dollar je Tonne und bezeichnet das Metall als einen der Hauptprofiteure der KI-Investitionswelle. Die Citigroup geht sogar von 14.500 Dollar bis Mitte 2026 aus. JP Morgan erwartet ein globales Defizit an raffiniertem Kupfer von rund 330.000 Tonnen im laufenden Jahr.

Ein Abkommen, fünf verschiedene Reaktionen

Der heutige Handelstag zeigt exemplarisch, wie unterschiedlich Rohstoffe auf denselben Makrotrigger reagieren. Gold und Silber profitieren nicht als klassische Krisenmetalle — der Mechanismus läuft über die gesunkenen Zinserwartungen und den schwächeren Dollar. Für Brent und WTI ist der Effekt dagegen direkt negativ: Die seit Februar eingepreiste Kriegsprämie schmilzt.

Kupfer bewegt sich auf einer eigenen Ebene. Geopolitik spielt hier eine untergeordnete Rolle. Produktionsausfälle, Energiewende und Digitalisierung bilden ein Fundament, das von Friedensabkommen oder Notenbankrhetorik kaum erschüttert wird.

Schweizer Unterschrift und Fed — eine entscheidende Woche

Für den Ölmarkt wird die Geschwindigkeit der Hormus-Öffnung zum zentralen Faktor. Solange der freie Schiffsverkehr nicht vollständig wiederhergestellt ist, bleibt eine Restprämie in den Notierungen. Die Unterzeichnung am 19. Juni dürfte erste Klarheit bringen.

Gold und Silber stehen vor der Herausforderung des Fed-Meetings. Die Futures-Märkte preisen aktuell einen Leitzins von rund 3,8 Prozent bis Ende 2026 ein, etwa 4 Prozent bis Mitte 2027. Ein hawkischer Dot-Plot könnte Hoffnungen auf eine baldige Lockerung begraben — und beide Edelmetalle unter Druck setzen.

Kupfer dürfte sich als stabilster Wert durch diese turbulente Woche navigieren. Das strukturelle Defizit baut sich unabhängig von Geopolitik und Geldpolitik auf. Langfristig bullisch, kurzfristig komplex — so lässt sich die Lage am Kupfermarkt auf den Punkt bringen. Für den gesamten Rohstoffsektor gilt: Die kommenden Tage entscheiden, ob das Rahmenabkommen tatsächlich hält, was es verspricht.

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