Friedrich Vorwerk Aktie: Prognose auf 180 bis 200 Millionen

Der Energiedienstleister hebt seine EBITDA-Prognose auf bis zu 200 Millionen Euro an und meldet einen Rekord-Auftragsbestand.

Die Kernpunkte:
  • EBITDA-Prognose auf 200 Mio. Euro erhöht
  • Auftragsbestand erreicht Rekordniveau
  • Aktie erholt sich um 16 Prozent
  • Analysten uneins über Kursentwicklung

Friedrich Vorwerk hat am Mittwoch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zum zweiten Mal deutlich angehoben und zugleich vorläufige Halbjahreszahlen vorgelegt, die weit über dem Vorjahresniveau liegen. Der Anbieter von Energie-Infrastruktur rechnet nun mit einem EBITDA zwischen 180 und 200 Millionen Euro, nachdem zuvor eine Spanne von 160 bis 180 Millionen Euro gegolten hatte. Die Umsatzerwartung von 730 bis 780 Millionen Euro bleibt unverändert bestehen.

Der Schub kommt nicht aus dem Nichts. Im ersten Halbjahr 2026 stieg das EBITDA laut Unternehmensangaben um 70 Prozent auf 92,6 Millionen Euro, nach 54,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz legte um 11 Prozent auf 337,3 Millionen Euro zu. Auch die Bilanz hat sich sichtbar verbessert: Zum 30. Juni stand ein Nettofinanzmittelbestand von 212,0 Millionen Euro zu Buche – ein Polster, das dem Unternehmen Spielraum für weiteres Wachstum verschafft.

Auftragsbestand auf neuem Rekordniveau

Besonders auffällig ist die Entwicklung im Neugeschäft. Der Auftragseingang im ersten Halbjahr kletterte auf 321,2 Millionen Euro, nach 220,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit wuchs der Auftragsbestand einschließlich der Anteile aus Joint Ventures zum Stichtag 30. Juni auf 1.446,5 Millionen Euro. Diese Visibilität über künftige Umsätze dürfte ein zentraler Grund dafür sein, warum das Management trotz eines schwierigeren politischen Umfelds an seinem Wachstumskurs festhält.

Bereits am Montag hatte das Unternehmen laut Medienberichten den Gewinn eines neuen Wasserstoff-Großauftrags vermeldet, der die Position im Bereich der Energiewende-Infrastruktur weiter stärken soll. Diese Meldung dürfte zur positiven Entwicklung des Auftragsbestands beigetragen haben und passt zum Bild eines Unternehmens, das von der Modernisierung des deutschen Energienetzes profitiert.

Die Mehrheitsaktionärin MBB SE zog aus der Prognoseanhebung ihre eigenen Schlüsse und erhöhte laut Medienberichten ihrerseits die Marge für die bereinigte EBITDA-Prognose des Konzerns für das Geschäftsjahr 2026 – ein Indiz dafür, welches Gewicht Friedrich Vorwerk mittlerweile im Portfolio der Beteiligungsgesellschaft einnimmt.

Kurs erholt sich, Analysten uneins über Bewertung

Am Kapitalmarkt kam die Nachrichtenlage der vergangenen Woche gut an: Binnen sieben Tagen legte die Aktie um 16,15 Prozent zu. Am Freitag gab das Papier dann um 1,60 Prozent auf 70,85 Euro nach – ein Rücksetzer, der nach dem kräftigen Wochengewinn wenig überraschend erscheint und eher nach Gewinnmitnahmen als nach einem Stimmungsumschwung aussieht.

Unter den Analysten zeigt sich ein gespaltenes Bild. Berenberg bestätigte bereits am Montag die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 110 Euro und stufte die Marktsorgen rund um einen Gesetzentwurf zum Vorrang von Freileitungen gegenüber Erdkabeln als übertrieben ein. Jefferies hingegen beließ die Einstufung am Mittwoch bei „Hold“ mit einem Kursziel von 65 Euro. Analyst Martin Comtesse verwies zwar auf die starke Profitabilität, sah aber im Quartalsvergleich ein Nachlassen der Auftragsdynamik als Bremsklotz für eine höhere Bewertung.

Weitere Häuser bewegten sich in einer ähnlichen Bandbreite: Die Kursziele reichten von 60 bis 70 Euro, durchweg mit „Hold“-Einstufungen. Eine Stimme senkte ihr Ziel unter Verweis auf eine Normalisierung der Auftragseingänge, eine andere hob es nach überraschend starken vorläufigen Margen wieder an. Die Spannbreite der Einschätzungen – von skeptischen 60 Euro bis zu optimistischen 110 Euro – spiegelt die Unsicherheit wider, wie nachhaltig das aktuelle Wachstumstempo tatsächlich ist.

Blick auf die Bewertung

Mit einem Abstand von 6,86 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 66,30 Euro hat sich die Aktie technisch stabilisiert, notiert aber weiterhin unterhalb ihres 200-Tage-Durchschnitts. Zum Halbjahreshoch vom Oktober bei 105,60 Euro fehlt noch ein gutes Stück. Anleger dürften nun auf den vollständigen Halbjahresfinanzbericht blicken, der für den 13. August terminiert ist und weiteren Aufschluss über die Nachhaltigkeit des starken zweiten Quartals geben dürfte.

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