FTSE 100: Iran-Hoffnung beflügelt London
Friedenshoffnung treibt Londoner Aktienindex an. Banken und Rohstoffwerte legen zu, während Ölkonzerne unter sinkenden Preisen leiden.

- FTSE 100 steigt dritten Tag in Folge
- Banken und Minenaktien als Gewinner
- BP und Shell verlieren durch Ölpreisrückgang
- Schwache BIP-Daten werden ignoriert
Frieden statt Feuer — diese Botschaft hat den Londoner Aktienmarkt am Freitag angetrieben. US-Präsident Donald Trump erklärte, eine „großartige Einigung“ mit dem Iran sei erreicht worden, eine Unterzeichnung könnte noch dieses Wochenende in Europa stattfinden. Dass Teheran das Bild umgehend relativierte und offene Fragen zu eingefrorenen Geldern sowie zur Sicherheit der Straße von Hormus nannte, störte die Märkte kaum.
Der FTSE 100 schloss mit einem Plus von 1,63 Prozent bei 10.471,72 Punkten — der dritte Gewinntag in Folge. Außerhalb der Eurozone fiel das Tagesplus damit etwas geringer aus als auf dem Kontinent, wo der EuroStoxx 50 ein neues Rekordhoch bei rund 6.200 Punkten markierte.
Banken und Miner vorn, Energie schwächelt
Die Kehrseite der Friedenshoffnung: sinkende Ölpreise. BP und Shell verloren rund zwei Prozent beziehungsweise 1,7 Prozent. Der Rest des Index zog dagegen kräftig an.
Britische Bankaktien gehörten zu den größten Gewinnern. Barclays stieg um mehr als fünf Prozent, Natwest Group kletterte 4,5 Prozent, Lloyds und Standard Chartered folgten mit ähnlichen Aufschlägen. Rohstoffwerte legten ebenfalls zu: Anglo American, Endeavour Mining und Antofagasta gewannen jeweils rund fünf Prozent.
IAG, die Muttergesellschaft der British Airways, legte über sieben Prozent zu — der entspannte Nahost-Ausblick gibt dem gesamten Reise- und Freizeitsektor Rückenwind. Lion Finance kletterte fast sechs Prozent, Rolls-Royce Holdings und Compass Group gewannen ebenfalls deutlich.
UK-Wirtschaft zeigt Schwäche — Markt schaut weg
Unbeeindruckt blieb London von schwachen Konjunkturdaten. Das britische BIP schrumpfte im April um 0,1 Prozent — das erste monatliche Minus seit August 2025. Getrieben wurde der Rückgang von einem Einbruch der Dienstleistungsproduktion. Das Handelsdefizit bei Waren schmolz im April auf 26,05 Milliarden Pfund, nach 27,22 Milliarden im März — Exporte legten zu, Importe gingen zurück.
Geopolitische Aufbruchsstimmung überlagerte die wirtschaftliche Eintrübung vollständig. Hinzu kam der Hype um den SpaceX-Börsengang in New York, der kurz vor europäischem Handelsschluss debütierte und die globale Risikobereitschaft zusätzlich beflügelte.
BAE Systems und AstraZeneca schlossen im Minus, ebenso Centrica und Bunzl — doch das blieb am Freitag die Ausnahme. Ob der Friedensrahmen zwischen Washington und Teheran tatsächlich unterzeichnet wird, entscheidet sich womöglich schon am Wochenende — und damit auch die Frage, ob dieser Optimismus trägt oder schnell wieder verpufft.
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