Fünf Prozent Rendite sortieren das Depot: Beton und Übernahmen schlagen Banken

Steigende Renditen belasten Banken und Immobilienwerte, während Energietechnik, Übernahmeziele und Anleihen im deutschen Depot an Bedeutung gewinnen.

Die Kernpunkte:
  • Siemens Energy deutlich über September-Tief
  • Höhere Renditen setzen Banken unter Druck
  • Persistent Systems sichert Nagarro-Mehrheit
  • Binance investiert 100 Millionen Dollar

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

4,97 Prozent zahlt Washington derzeit für zehnjährige Staatsanleihen, vor dem Iran-Krieg waren es 3,97 Prozent. Ein Prozentpunkt Unterschied entscheidet gerade darüber, wer an der Börse gewinnt und wer verliert. Die Verlierer stehen fest: Großbanken und Immobilienwerte. Die Gewinner sind Unternehmen, die physische Infrastruktur bauen oder von Übernahmeprämien getragen werden. Vier Geschichten des Tages zeigen, wo diese Sortierung für deutsche Depots konkret wird.

Siemens Energy: Analysten sehen 207 Euro, die Aktie kämpft sich vom September-Tief zurück

Die Aktie notiert im Verlauf bei rund 145,60 Euro – klar über dem Mitte September markierten Tief von 131,28 Euro, aber noch weit vom April-Hoch von gut 195 Euro entfernt. Genau in dieser Lücke sehen Analysten die Chance: Von elf Experten raten neun zum Kauf, einer zum Halten, einer zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei 207 Euro, JPMorgan nennt 245 Euro, Evercore ISI sogar 250 Euro. Auf Zwölfmonatssicht steht die Aktie noch immer 49 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn gut 21 Prozent.

Fundamental hat sich seit dem im August vorgelegten dritten Geschäftsquartal wenig verschlechtert: Der Umsatz stieg um 17,5 Prozent auf 11,45 Milliarden Euro. Ende August billigte der Aufsichtsrat die Abspaltung der Sparte „Transformation of Industry“ (rund 5,7 Milliarden Euro Umsatz, 17.000 Beschäftigte), Siemens Energy behält eine Minderheitsbeteiligung. Belastend wirkte im September, dass Mutterkonzern Siemens seine Stimmrechte von 5,54 auf 4,98 Prozent senkte – ein Überhang, den der Markt erst verdauen musste. Die nächsten Termine stehen fest: Geschäftsjahresende Ende September, Kapitalmarkttag im November.

Dass die Infrastruktur-Story über die Energiewende hinausreicht, zeigt der Mutterkonzern selbst: Die Bahnsparte erhielt von der ÖBB-Infrastruktur einen Auftrag über 1,3 Milliarden Euro für digitale Stellwerkstechnik, deren Logik ab 2030 schrittweise in zentrale Rechenzentren wandert. Gegenwind kommt dagegen aus der Windbranche: Auf der WindEnergy Hamburg, die mit über 43.000 Besuchern und 1.600 Ausstellern gestartet ist, warnen die Verbände BWE und VDMA vor Verunsicherung durch die Ende Juli im Kabinett beschlossene EEG-Reform samt Netzpaket. Der Landesverband Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein sieht bis 2030 Investitionen von bis zu 11,9 Milliarden Euro gefährdet. Wer Siemens Energy als Netz- und Turbinenwert hält, sollte die Berliner Förderdebatte als Risikofaktor mitführen – die Ausbaulücke selbst ist unstrittig: Onshore-Wind stand Ende 2025 bei 68,1 Gigawatt gegenüber einem Ziel von 115 Gigawatt bis 2030.

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Zwischen September-Tief und einem Analysten-Kursziel von 207 Euro zeigt sich, wie volatil der Energiesektor derzeit bewertet wird – und wie groß gleichzeitig die Chancen bleiben, die aus der Energiewende erwachsen. Ein kostenloser Spezial-Report von Top-Analyst Mike Rückert stellt fünf Aktien aus Energie, Gesundheit und Hightech vor, die von den großen Megatrends profitieren könnten, bevor die breite Masse sie entdeckt. Report jetzt sichern

Fünf Prozent Rendite drücken Banken, Anleihen werden zur echten Alternative

Nach der ersten Fed-Zinserhöhung seit drei Jahren in der Vorwoche verteidigte Bostons Fed-Präsidentin Collins den Schritt, und die Terminmärkte preisen für Oktober eine weitere Erhöhung mit gut 53 Prozent Wahrscheinlichkeit ein. Die Reaktion des Finanzsektors fällt eindeutig aus: JPMorgan notiert im Verlauf rund 3,4 Prozent tiefer, der US-Großbankenindex verliert 2,7 Prozent. In Frankfurt zählte die Allianz zu den größten DAX-Verlierern, während Vonovia ein neues Jahrestief markierte – dort verstärkt die Enteignungsdebatte nach der Berlin-Wahl den reinen Zinsdruck noch zusätzlich.

Konstruktiv gewendet heißt das: Zehnjährige Euro-Staatsanleihen bieten nach Einschätzung von Portfoliomanager Andreas Beck aktuell eine Umlaufrendite von knapp 4,5 Prozent – ein Niveau, das der Aktie lange keine Konkurrenz machte. Beck selbst fährt in seinem Mischfonds 78 Prozent Aktien (Normalquote 80) und nur rund zwei Prozent Gold, weil das Edelmetall derzeit kaum diversifiziert. Der Kontrast zum Großanleger ist bemerkenswert: Laut State Street hielten institutionelle Investoren Ende August 57,4 Prozent ihrer Portfolios in Aktien, den höchsten Wert seit 2007. Dass der S&P 500 in drei Jahren 79 Prozent zulegte, der US-Anleihe-ETF AGG aber nur 1,2 Prozent, erklärt diese Schieflage – und macht die Rebalancierung ins Zinsdepot zur Tagesaufgabe, nicht zur Theorie.

Nagarro, All for One, Uniper: Die Übernahmewelle im deutschen Mittelstand rollt weiter

Persistent Systems hat sich 83,25 Prozent an Nagarro gesichert; das Barangebot von 81,00 Euro je Aktie war damit erfolgreich. Die weitere Annahmefrist läuft vom 23. September bis 6. Oktober, danach folgen Rückzug aus dem Prime Standard und Ausschluss aus dem SDAX, der Vollzug ist bis Ende des ersten Quartals 2027 geplant. Die Aktie notiert bei rund 79 Euro – für verbliebene Aktionäre ist die Rechnung einfach: Wer nicht andient, hält bald ein Papier ohne Index-Zugehörigkeit und mit dünner Liquidität.

Bei All for One ist die letzte Bedingung des Angebots von VINCI Energies über 67,50 Euro am 17. September eingetreten; Vorstand Stefan Land und mehrere dem Aufsichtsrat nahestehende Gesellschaften haben ihre Stücke außerbörslich angedient. Bemerkenswert: Die Aktie notiert im Verlauf mit 68,40 Euro leicht über dem Angebotspreis – der Markt spekuliert offenbar auf mehr. Und im Energiesektor öffnet sich ein dritter Fall: Der tschechische Milliardär Daniel Křetínský hat laut Handelsblatt mit seiner EP-Gruppe ein unverbindliches Angebot für den gesamten Uniper-Konzern abgegeben; eine offizielle Stellungnahme steht aus. Drei Deals, ein Muster: Strategische Käufer nutzen die Bewertungslücke deutscher Nebenwerte, bevor die Zinswende sie schließt.

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Dass gleich drei deutsche Mittelständler binnen weniger Wochen zum Übernahmeziel werden, wirft ein Schlaglicht darauf, wie unterbewertet heimische Substanzwerte im internationalen Vergleich noch immer sind. Ein Report zu drei deutschen Schwergewichten aus Immobilien, Maschinenbau und Premium-Automobilsegment zeigt, welche Titel abseits der aktuellen Übernahmewelle Renditepotenzial bergen. Analyse jetzt anfordern

Krypto zwischen Verbot und Partnerschaft: Die EZB zieht die Zügel an, Binance steigt bei Circle ein

Die Kryptobranche erlebt gerade widersprüchliche Wochen. Das Eurosystem fordert in seiner aktuellen Stellungnahme zur MiCA-Überprüfung (Konsultation bis 30. September) ein ausgeweitetes Zinsverbot für Stablecoins, das auch Staking, Lending und Treueprogramme erfasst, sowie die Befugnis, die Ausgabe von Fremdwährungstoken wie Dollar-Stablecoins bei Finanzstabilitätsrisiken zu stoppen. Die Aufsicht soll von nationalen Behörden zur ESMA wandern; Diplomaten erwarten die MiCA-Revision für 2027. In den USA scheiterte der CLARITY Act bereits am 15. September im Senat mit 49 zu 50 Stimmen.

Ausgerechnet in dieses regulatorisch enger werdende Umfeld fällt der Deal von Circle: Binance kauft für 100 Millionen Dollar Circle-Aktien zu je 80,84 Dollar mit bis zu zwei Jahren Haltefrist, eingebettet in eine fünfjährige Partnerschaft, bei der Circle im Gegenzug eine monatliche Prämie auf USDC-Guthaben zahlt. Die Aktie notiert im Verlauf bei gut 94 Dollar, seit Jahresbeginn rund 20 Prozent im Plus. Der Nachholbedarf ist offensichtlich: Tether kommt auf rund 183 Milliarden Dollar Umlauf, USDC erst auf 75 Milliarden. Für Anleger ist Circle damit die Wette auf regulierte Stablecoin-Infrastruktur – deren Renditemodell die EZB gerade beschneiden will. Bitcoin hält sich unterdessen um 86.000 Dollar, US-Spot-ETFs sammelten am Montag 999 Millionen Dollar ein, der Gesamtmarkt liegt erstmals seit Januar wieder über drei Billionen Dollar. Auffällig: Bitcoin Cash sprang um rund 29 Prozent, an dem Tag, an dem die CME Futures auf Bitcoin Cash und Uniswap zum 19. Oktober ankündigte.

Verbraucher trüben sich ein, Sportartikler trotzen dem Trend

Das Verbrauchervertrauen der Eurozone fiel im September auf minus 16,5 Punkte, schlechter als erwartet und der erste Rückgang nach vier Anstiegen in Folge – die Spritpreise fressen sich in die Stimmung. TUI meldete für den Sommer einen Rückgang des Pauschalreise-Umsatzes um fünf Prozent, die Aktie drehte dennoch ins Plus. Gegen den Trend laufen die Sportartikler: Adidas legte nach einer Kaufempfehlung von StoneX im Verlauf gut zwei Prozent zu, bleibt aber seit Jahresbeginn rund 13 Prozent im Minus. On Holding sprang nach neuen Mehrjahreszielen und einem Rückkaufprogramm über bis zu eine Milliarde Dollar bis 2029 um rund zwölf Prozent – bei einem Jahresminus von noch 34 Prozent zeigt das, wie stark der Sektor zuvor ausverkauft war. In Berlin beraten die Koalitionsspitzen heute Abend über Rente und Pflege; die SPD bringt dabei einen Spritpreis-Deckel und eine Erbschaftsteuerreform ins Spiel – für Konsumwerte wäre Ersteres Rückenwind, Letzteres ein Signal an Vermögende.

Der globale Kompass

Die kommenden Tage entscheiden, ob der Renditeanstieg zur Belastung oder zur Chance wird. Trumps Treffen mit Xi vom 23. bis 25. September und eine mögliche Iran-Annäherung könnten Öl und Renditen weiter drücken – gut für Energietechnik und Konsum, schlecht für die Bankenwette. Am Donnerstag legen die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre auf 1,3 Prozent erhöhte Wachstumsprognose offiziell vor. Die heutigen Fälle zeigen ein gemeinsames Muster: Wo Zinsen drücken, wird Substanz gesucht – bei Turbinen, bei Übernahmezielen, bei Anleihen selbst. Wer Nagarro hält, hat bis zum 6. Oktober Zeit für seine Entscheidung; wer Siemens Energy hält, wartet auf den Kapitalmarkttag im November.

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