Gazprom: Milliardenschweres Tauschgeschäft

Die beiden Öl- und Gas-Giganten Gazprom und OMV besiegeln für die Zukunft einen milliardenschweren Deal: Die Österreicher werden künftig in Sibirien Gas fördern, während sich die Russen an der norwegischen Öl- und Gasförderung der OMV beteiligen.

© OMV AG

"Für uns ist das ein ganz besonderer Tag, wir haben hier eine ganz besondere Art der Kooperation mit Gazprom auf den Weg gebracht", sagte OMV-Chef Rainer Seele auf einer Pressekonferenz mit Gazprom-Chef Alexej Miller in Wien. Auch der Gazprom-Chef sprach von einem "sehr wichtigen und symbolischen Schritt" in der fast 50-jährigen Zusammenarbeit der Konzerne. Österreich war 1968 das erste europäische Land, das Gas aus Russland bezogen hat.

Das Tauschgeschäft sieht konkret vor, dass OMV dem russischen Energieriesen eine 38,5-%ige Beteiligung an ihrer norwegischen Tochtergesellschaft OMV Norge anbietet. Im Gegenzug erhält Gazprom einen 25-%-Anteil an Teilen des sibirischen Gasfeldes Urgengoy. Auf diese Eckpunkte haben sich beide Unternehmen geeinigt.

Gazprom sieht keine Probleme - jetzt

Die finale Unterzeichnung soll bis Mitte 2017 über die Bühne gehen. Bis dahin müssen auch noch die behördlichen Genehmigungen eingeholt werden. Für die Russen sind die norwegischen Behörden maßgeblich. Allerdings rechnet Rainer Seele mit keinerlei Problemen von dieser Seite. "Wir haben keine Indikation, dass unser Deal, den wir hier heute unterzeichnet haben, nicht zustande kommt."

Auch der Gazprom-Chef zeigte sich unbesorgt. "In Russland sagt man, man soll Probleme dann lösen, wenn sie auftauchen. Im Moment haben wir dieses Problem nicht". Vor einigen Monaten hatte die Gazprom jedoch Bedenken geäußert, dass die Behörden in Norwegen nur für einen Anteil von unter 25 % genehmigen könnten.

OMV setzt auf niedrigere Kosten

OMV verspricht sich vom Einstieg in den russischen Markt vor allem günstigere Produktionskosten. Der Konzern leidet unter dem niedrigen Ölpreis, der die Gewinne bei der Förderung von Öl und Gas stark schmälert. Der Deal sieht vor, dass man sich beim Abbau in der Achimov-Formation des Urengoy-Gasfeldes beteiligen werde, es handelt sich hier um das größte Gasvorkommen der Welt.

In den nächsten 22 Jahren will die OMV dort insgesamt 900 Mio. Euro investieren. 40 % der Ausgaben würden in den nächsten beiden Jahren anfallen, sagte Seele. Der Start der Produktion werde für 2019 erwartet. 2025 sollen in der Spitze dort mehr als 80.000 Barrel Öl pro Tag gefördert werden. Die Reserven der OMV würden sich damit bis zum Vertragsende 2039 um etwa die Hälfte oder um 560 Mio. Barrel Öläquivalent erhöhen.

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