Gazprom: Wann kann es einen Rebound geben?

Bei kaum einem Unternehmen stehen derzeit die Geschäftsbilanz und die Wahrnehmung an der Börse in solch krassem Gegensatz wie beim russischen Gasmonopolisten Gazprom. Aus diesem Widerspruch speist sich einerseits das aktuelle Risiko in der Aktie, andererseits könnte daraus aber auch eine sehr aussichtsreiche Comeback-Story entwickeln.

 

© Gazprom
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Die Zahlen, die Gazprom zum ersten Geschäftsquartal abgeliefert hat, können sich mehr als sehen lassen. Denn besonders dank der Abwertung des Rubels explodierte geradezu der Gewinn. Unterm Strich verdiente Gazprom, 382 Mrd. Rubel, ein Plus von 71%. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 6% auf 1,6 Bio. Rubel zu.

 

Sanktionen und Stimmungswandel hinterlassen Spuren

Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass Gazprom durch das angespannte Verhältnis Russlands zu Westeuropa inklusive der bekannten Sanktionen einen schwierigen Stand hat. So sanken die Gaslieferungen nach Westeuropa im ersten Quartal um stattliche 16%. Was auch damit zu tun hat, dass sich die Westeuropäer verstärkt nach alternativen Gaslieferanten umschauen.

Hinzu kommt, dass Gazprom auch in Russland selbst sowie in frühere Sowjetstaaten inklusive Ukraine weniger lieferte. Die Herausforderungen sind also unverkennbar und damit noch nicht einmal abschließend umrissen. Denn es gibt etliche Baustellen, die noch gefährlich werden könnten. Dazu gehört der Bau einer Gasleitung durch die Türkei, der stockt.

 

Rosneft als neuer Konkurrent?

Am gefährlichsten ist aber das Ansinnen des ebenfalls staatlichen Ölkonzerns Rosneft, das Exportmonopol Gazprom für Erdgas aufzuheben. Noch sperrt sich der Kreml dagegen. Es kommt am Ende wohl darauf an, wer die besseren politischen Kontakte hat. Dass Rosneft selbst mehr ins Gasgeschäft einsteigen will, ist verständlich angesichts des anhaltend niedrigen Ölpreises.

 

Gazprom-Aktie: Viel Risiko, aber auch Chancen

Bleibt die Frage, welche Perspektiven sich daraus für die Gazprom-Aktie ergeben. Diese steckt seit Mitte Mai in einem Abwärtstrend fest und läuft Gefahr, mindestens noch die Unterstützung um die 3,60 Euro (für die ADR) nochmals zu testen.

Letztlich dürfte eine Perspektive auf einen echten Rebound hauptsächlich damit zusammenhängen, ob es im Ukraine/Russland-Konflikt eine absehbare politische Lösung gibt und ob sich die Westeuropäer wirklich weiter als Kunden zurückziehen wollen.

Gazprom-11-08-15

Bei Anzeichen von Entspannung bei diesen beiden Themengebieten läge ein mögliche kurzfristige Erholung in den Bereich um die 5/%,20 Euro in der Luft. Interessierte Anleger könnten hier mit einer Stopp-Buy-Strategie arbeiten, wobei ein erster Kurs bei 4,50 Euro sinnvoll erscheint.

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