Gazprom: Wie ist die russische Gas-Aktie zu beurteilen?

Man kann es drehen und wenden wie man will: Geht es um die Perspektiven des russischen Gasmonopolisten Gazprom an der Börse, helfen fundamentale Betrachtungen in der Regel nicht weiter. Denn in der Aktie steckt viel zu viel auch politisches Kräftemessen. Wobei das Unternehmen derzeit gleich an zwei Fronten aktiv sein muss.

Zum einen geht es um die leidige Frage, was mit dem Durchleitungsgeschäfts in der Ukraine wird. Europa als einer der wichtigsten Abnehmer für Erdgas hat klargemacht, dass man für eine Zustimmung zur geplanten Ostseepipeline Nord Stream 2 erwartet, dass die Ukrainer weiterhin als Transitland für Gaslieferungen genutzt wird. Gazprom würde lieber heute als morgen den sprichwörtlichen Hahn zudrehen, nachdem die Ukrainer in den vergangenen Jahren nicht nur regelmäßig für Stopps sorgten, sondern den russischen Konzern auch erfolgreich auf Milliardenzahlungen verklagten. Doch aktuell ist das wohl kaum durchzusetzen.

Was ist mit den US-Sanktionen?

Und ein zweites Thema bleibt im Blick. Denn die verschärften Sanktionen Amerikas gegenüber Russland treffen auch Gazprom. In der Lesart der Russen geht es darum, dass die Amerikaner den russischen Gasmonopolisten aus dem Geschäft mit Europa drängen wollen, um ihr eigenes Flüssiggas (LNG) loszuwerden. Da mag sicherlich etwas dran sein. Doch an der Börse hilft dies nicht weiter. Vielmehr sorgt die Drohkulisse aus Washington dafür, dass Gazprom weiterhin an der Börse sehr unsicher und volatil wahrgenommen wird.

Diskrepanzen zu Moskauer Notierungen

Die jüngsten Kursaufschläge mögen dabei ein Achtungszeichen sein. Doch die Tatsache, dass sich der Wert schon seit Tagen mit der Marke von 4 Euro müht, zeigt darauf, dass hier keine neue Euphorie entstanden ist. Dies auch mit Blick auf die russischen Notierungen. Dort hat Gazprom heute fast 13 % abgeben müssen. Angesichts der bisherigen Charttechnik mag das sicherlich schnell wieder wett zu machen sein. Doch der allgemeine Trend der letzten Jahre zeigt auch an der Moskauer Börse für Gazprom nach unten.

Gazprom bleibt ein politischer Wert

Natürlich ist Gazprom weiterhin in einer geschäftlich sehr aussichtsreichen Situation. Sollte es dem Unternehmen einerseits gelingen, Nord Stream 2 zu beginnen und andererseits auch die Leitungspläne über die Türkei zu realisieren, dürfte man sein Geschäft mit Europa weiterhin stabil halten können. Da es sich bei Gazprom allerdings immer noch um eine Aktie handelt, die sehr stark von den politischen Entwicklungen beeinflusst wird, bleibt sie natürlich ein extrem spekulativer Wert.

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