GE HealthCare steigt, Boston Scientific fällt: Der Ausblick entscheidet

Höhere Jahresziele stützen GE HealthCare, während Boston Scientifics Prognose für das Schlussquartal die Aktie belastet.

Die Kernpunkte:
  • GE HealthCare erhöht die Jahresprognose
  • Boston Scientific erwartet Quartalsumsatzrückgang
  • Biogen hebt Jahresausblick nach Leqembi-Wachstum
  • Vertiv steigert Quartalsumsatz auf 4,3 Milliarden Dollar

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

an der Börse zählt heute nicht, was war, sondern was kommt. Die Medizintechnik liefert dafür das klarste Beispiel. GE HealthCare hebt die Jahresziele an und springt rund 7 Prozent. Boston Scientific fällt auf ein Jahrestief, weil der Ausblick auf das Schlussquartal enttäuscht.

Dasselbe Muster zieht sich durch Pharma und Chemie. Dazu kommen ein Ölpreis der Sorte Brent über 115 Dollar und der Stromhunger der KI, der weiter Gewinner hervorbringt.

GE HealthCare: Die Marge macht den Unterschied

GE HealthCare hat das beste Quartal seit der Abspaltung von General Electric abgeliefert. Der Gewinn je Aktie ohne Sondereffekte lag bei 1,34 Dollar, erwartet waren 1,20 Dollar. Entscheidend ist aber die Marge, also der Anteil des Umsatzes, der als operativer Gewinn übrig bleibt. Sie stieg kräftig, und Jahresziele wie Dividende steigen mit.

Was heißt das für deutsche Depots? Siemens Healthineers legt im Verlauf zu und hat in den letzten Wochen deutlich aufgeholt. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie aber noch rund 5 Prozent im Minus. Der Nachholbedarf gegenüber dem US-Wettbewerber bleibt sichtbar.

Boston Scientific zeigt die Kehrseite. Der Umsatz lag über den Erwartungen, doch für das vierte Quartal stellt der Konzern einen Rückgang in Aussicht. Die Aktie verliert im Verlauf rund 4,6 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als halbiert. In der Medizintechnik zählen derzeit Marge und Auftragsbuch mehr als die Umsatzzeile allein.

Pharma: Biogen glänzt, GSK stolpert über Impfstoffe

Biogen übertrifft die Erwartungen deutlich und hebt die Jahresprognose an. Das Alzheimer-Mittel Leqembi steigert seinen Umsatz um 67 Prozent. Das ist kein Strohfeuer, das ist ein Wachstumsmotor.

GSK schlägt beim Gewinn ebenfalls den Konsens, also die durchschnittliche Erwartung der Analysten. Warum fällt die Aktie trotzdem? Wegen der Impfstoffe. Arexvy bricht um 24 Prozent ein, auch Shingrix verliert, und die Umbaukosten steigen. Der Markt bestraft nicht das Quartal, sondern einen schwächelnden Wachstumsmotor, den teure Umbauten nicht kurzfristig ersetzen.

Eli Lilly legt vor den Zahlen am Donnerstag neue Studiendaten vor. Retatrutide brachte Typ-2-Diabetikern in der höchsten Dosis 21,3 Kilogramm Gewichtsverlust, Ozempic kam auf 9,5 Kilogramm. Gilead Sciences markiert derweil ein Allzeithoch. Beide berichten am Donnerstag, ebenso Merck.

BASF und Evonik: Der Markt glaubt nicht an den Deal

BASF hat die Offerte für Evonik Berichten zufolge auf 24 Euro je Aktie angehoben. Bestätigt hat das keine der beiden Seiten. Die RAG-Stiftung hält ein großes Aktienpaket und ist der Schlüssel. Die NRW-Wirtschaftsministerin, die SPD und der CDA-Chef warnen vor Tausenden verlorenen Jobs.

Glaubt die Börse an die Übernahme? Kaum. Evonik notiert knapp 3 Euro unter dem kolportierten Angebot. Dieser Abschlag ist das eigentliche Signal. Anleger rechnen ernsthaft damit, dass der Deal an Stiftung oder Politik scheitert oder sich jahrelang hinzieht.

Operativ läuft es bei BASF besser als gedacht. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg deutlich, getrieben von höheren Preisen nach den Ausfällen asiatischer Konkurrenz im Iran-Krieg. Der wunde Punkt ist das Geld: Nach neun Monaten floss unterm Strich 1,04 Milliarden Euro mehr hinaus, als das Geschäft einbrachte. Für das Jahresziel muss das Schlussquartal mehr als 2,5 Milliarden Euro liefern.

Öl: Jede Entspannung scheitert an der nächsten Eskalation

Brent steigt über die Marke von 115 Dollar. Die Huthi melden einen Raketenangriff auf Ras Tanura, die größte Raffinerie Saudi-Arabiens. Riad und Aramco bestätigen den Treffer nicht. Dazu berichtet das Wall Street Journal über US-Angriffsvorbereitungen gegen den Iran nach den Zwischenwahlen am 3. November.

Seit Jahresbeginn hat sich Brent verdoppelt. Der Druck reicht bis zu den Zinsen, zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei rund 5 Prozent. Die US-Notenbank Fed entscheidet heute Abend, erwartet wird eine Pause. Eine Erhöhung im Dezember ist mit rund 90 Prozent eingepreist, die Händler halten sie also für sehr wahrscheinlich.

Profiteur der Rally bleibt ausgerechnet die Chemie. BASF verdient an der Knappheit, während die Energiekosten die Konjunktur bremsen.

Strom für KI: Das Geld fließt in Netz und Kühlung

Wer verdient am Stromhunger der Rechenzentren? Zum Beispiel Vertiv, ein Anbieter von Kühlung und Stromversorgung für Rechenzentren. Der Quartalsumsatz stieg auf 4,3 Milliarden Dollar, nach 2,68 Milliarden im Vorjahr. Die Aktie springt im Verlauf zweistellig.

GE Vernova übertrifft die Erwartungen und hebt die Umsatzprognose an. Nach einem Plus von 41 Prozent seit Jahresbeginn gibt die Aktie leicht nach. Siemens Energy zieht an, bleibt aber weit unter dem April-Hoch.

Die These dahinter ist schlicht. Solange KI-Rechenkapazität knapp bleibt, fließt das Geld zuverlässig zu Netz, Turbine und Kühlung. BCA Research erwartet keinen Investitionsbruch vor 2028.

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Der globale Kompass

Die heutige Ausgabe hat eine klare Botschaft. Wer jetzt Position bezieht, sollte Margenstärke und Auftragsbestand suchen, nicht die niedrigste Bewertung. GE HealthCare zeigt, wie das belohnt wird. Boston Scientific zeigt, wie teuer ein schwacher Ausblick ist.

Der Kalender bleibt voll. Am Donnerstag berichten Eli Lilly, Gilead und Merck vor US-Börsenöffnung, am Nachmittag entscheidet die EZB. Am Sonntag tagt OPEC+, am 3. November folgen die US-Zwischenwahlen. Beide Termine sollten Ölanleger im Blick behalten.

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