GE Vernova verdoppelt den Gewinn – und Berlin halbiert die Prognose

Während GE Vernova und UnitedHealth mit starken Quartalszahlen glänzen, halbiert die Bundesregierung die Wachstumsprognose. Der Markt belohnt operative Disziplin und bestraft Unsicherheit.

Die Kernpunkte:
  • GE Vernova verdoppelt bereinigtes EBITDA auf 896 Mio. USD
  • Bundesregierung senkt Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5%
  • Brent-Öl notiert hartnäckig über 100 US-Dollar pro Barrel
  • Markt belohnt Preissetzungsmacht und operative Disziplin

Liebe Leserinnen und Leser,

gestern schloss ich mit der Frage, wie lange das Polster der Weltwirtschaft hält, wenn am Golf die Uhren auf null springen. Die Waffenruhe ist nicht geplatzt – Donald Trump verlängerte sie am Mittwoch um wenige Tage, um dem Iran Zeit für einen Gegenvorschlag zu geben. Brent-Öl notiert trotzdem hartnäckig über 100 Dollar pro Barrel. Und in Berlin zog die Bundesregierung die Konsequenz: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche halbierte die Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 Prozent.

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Wer daraus schließt, die Unternehmenswelt liege flächendeckend am Boden, liest die falschen Bilanzen. Denn ausgerechnet in dieser Woche liefern die alten Industriekonzerne Quartalszahlen, die eine klare Botschaft senden: Harte Cashflows schlagen Wachstumsversprechen. Und zwar deutlich.

Die Revanche der Substanzwerte

GE Vernova meldete am Mittwoch einen Umsatzsprung von 17 Prozent auf 9,4 Milliarden US-Dollar. Das bereinigte EBITDA: verdoppelt auf 896 Millionen Dollar. Die Aktie legte um 12 Prozent zu und durchbrach die Marke von 1.100 Dollar. UnitedHealth lieferte ebenfalls über den Erwartungen und wurde mit einem Kursplus von 9 Prozent belohnt. Selbst 3M, wo ein vorsichtiger Ausblick den Kurs drückte, übertraf die Gewinnschätzungen mit 2,14 Dollar pro Aktie klar.

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Die gemeinsame Klammer: Preissetzungsmacht und operative Disziplin. Gestern schrieb ich an dieser Stelle, dass Unternehmen mit Preissetzungsmacht weiterhin funktionieren, während die breite Industriemasse leidet. Die Mittwochszahlen bestätigen das Muster – und verschärfen es.

Denn auf der anderen Seite steht Tesla. Wenn Elon Musk am Mittwochabend nach US-Börsenschluss die Bücher öffnet, blicken Investoren auf ein Unternehmen, das im ersten Quartal über 408.000 Autos baute, aber nur gut 358.000 auslieferte. Rund 50.000 Fahrzeuge stehen auf Halde. Gleichzeitig plant der Konzern Kapitalausgaben von über 20 Milliarden Dollar in diesem Jahr – für Robotaxis und KI-Infrastruktur. In den alten Industriezentren werden Margen ausgeweitet. Bei den einstigen Wachstumsikonen werden Milliarden verbrannt. Der Markt preist diese Kluft zunehmend ein.

Wie wenig Toleranz die Anleger für Unsicherheit aufbringen, zeigte am Mittwoch GE Aerospace: Trotz 29 Prozent Umsatzwachstum und übertroffenen Gewinnerwartungen fiel die Aktie um 6 Prozent. Der Grund war nicht das Quartal, sondern der Ausblick – das Management senkte die Prognose für weltweite Flugzeugabflüge, wegen hoher Ölpreise und der Instabilität in Nahost. Bei hoch bewerteten Titeln reicht ein Schatten auf der Zukunft, um den Kurs zu kippen.

Halbes Prozent Wachstum, volle Ladung Ernüchterung

Nach 0,2 Prozent im Vorjahr prognostiziert Berlin für 2026 nun 0,5 Prozent. Noch im Januar waren es ein Prozent. Die Inflation klettert parallel auf 2,7 Prozent. Die Ursache lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Brent über 100 Dollar ist für eine energieintensive Volkswirtschaft wie die deutsche ein Kostenanstieg, den keine Effizienzmaßnahme kompensiert.

Trumps Verlängerung der Waffenruhe verschafft dem Ölmarkt allenfalls Stunden, keine Entwarnung. Und ab dem 1. Mai kommt ein weiteres Problem hinzu: Russland wird kein kasachisches Öl mehr durch die Druschba-Pipeline nach Deutschland leiten. Die Raffinerie Schwedt verliert eine Versorgungsquelle. Moskau spricht von fehlenden „technischen Möglichkeiten“ – eine Formulierung, die niemand in Berlin für bare Münze nimmt.

Der DAX schloss am Mittwoch 0,31 Prozent schwächer bei 24.194 Punkten. Bezeichnend war die Zusammensetzung: An der Spitze stand Siemens Energy mit einem Plus von 6,17 Prozent – der Konzern, der von genau jener Energieknappheit profitiert, unter der der Rest der deutschen Industrie ächzt.

Der schwache Euro als heimlicher Verbündeter

Ein Faktor, der in der Debatte über Deutschlands Wachstumsschwäche fast untergeht: Der Euro notiert bei 1,1718 US-Dollar und gibt weiter nach. Für die exportorientierte europäische Industrie wirkt der schwächere Euro wie ein Druckventil – er kompensiert einen Teil der gestiegenen Energiekosten auf den Weltmärkten.

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Noch dramatischer bleibt die Lage in Japan. Der USD/JPY-Kurs konsolidiert knapp unter 160, am Mittwoch bei 159,30. Kommende Woche tagt die Bank of Japan. Gestern beschrieb ich die Zwickmühle der Notenbanker zwischen fragilem Wachstum und dem Druck, den Yen zu stabilisieren. An dieser Konstellation hat sich nichts geändert – eine rasche Zinswende bleibt unwahrscheinlich. Der Yen bleibt historisch schwach, und japanische Exporteure genießen einen Wettbewerbsvorteil, den europäische Konkurrenten nur neidisch beobachten können.

Was sonst noch zählt

  • 90 Milliarden für Kiew: Ungarn hat seinen Widerstand aufgegeben. Die EU macht den Weg frei für ein Darlehenspaket in Höhe von 90 Milliarden Euro für die Ukraine.
  • Druschba-Pipeline: Ab dem 1. Mai fließt kein kasachisches Öl mehr nach Schwedt. Ein weiteres Puzzleteil in Europas angespannter Energieversorgung.

Ausblick: Donnerstag wird zum Stresstest

Am Donnerstagmorgen öffnen Volkswagen, Nestlé, Roche und Nokia ihre Bücher. Volkswagen liefert ein wichtiges Update zum China-Geschäft – dort entscheidet sich, ob der Konzern seinen Margendruck stabilisieren kann. Nestlé und Roche werden zeigen, ob Konsumgüter- und Pharmariesen ähnlich robust durch diese Phase kommen wie die Industrieausrüster.

Die Berichtssaison dieser Woche zeichnet ein klares Bild: Wer liefert, wird belohnt. Wer Visionen verkauft, muss sich rechtfertigen. Und wer beides nicht kann, wird abgestraft. In einer Welt mit Öl über 100 Dollar und Wachstum unter einem Prozent ist das die einzige Logik, die noch zählt.

Herzlichst, Ihr Felix Baarz

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