Geely zieht bei Volvo die Notbremse

Der chinesische Autobauer Geely hat den geplanten Börsengang seiner schwedischen Tochter Volvo Cars vorerst auf Eis gelegt. Ursprünglich war im Markt erwartet worden, dass Volvo Cars in diesem oder im nächsten Jahr an die Börse geht. Dies insbesondere auch deshalb, weil Geely und sein Chef Lee Shufu nach einer groß angelegten Einkaufstour frisches Kapital gebrauchen könnten.

Geely war unter anderem beim Nutzfahrzeughersteller Volvo Group eingestiegen, der bereits börsennotiert ist. Besondere Aufmerksamkeit erregten die Chinesen, nachdem sie mit fast 10 % zum größten Einzelaktionär bei Daimler aufstiegen.

Volvo hat noch Nachholbedarf

Bei Volvo Cars ist Geely seit 2010 engagiert. Damals hatte man den schwedischen Autobauer von Ford übernommen und einen Turnaround anstoßen können. Im vergangenen Jahr verkaufte Volvo bereits schon wieder 570.000 Fahrzeuge. Allerdings bleibt Volvo innerhalb der Peer Group mit einer operativen Marge von 6,4 % noch deutlich schwachbrüstiger als beispielsweise Konkurrenten wie BMW oder Mercedes. Deshalb hatten auch viele Analysten das herumgereichte Ziel eines Emissionserlöses von rund 30 Milliarden Dollar für eher überzogen gehalten.

Die vorläufige Absage des Börsengangs dürfte vor allem mit den Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China zu tun haben. Volvo hatte diesbezüglich schon reagiert und seine Produktion für den US-Markt von China nach Schweden verlagert. Zusätzlich hat man ein neues Werk in den USA gebaut.

Druck von Pensionsfonds?

Allerdings fürchten wohl trotzdem insbesondere schwedische Pensionsfonds, dass ein in dieser Lage durchgepeitschter Börsengang bei der neu notierten Aktie schnell zu Kursverlusten führen könnte. Bekanntlich stehen derzeit viele Autohersteller nicht nur wegen der Diesel-Affäre, sondern auch wegen der Zollfragen unter erheblichen Druck des Marktes.

Aktie von Geely bleibt auf Abwärtskurs

Für die Aktie von Geely bedeutet die Absage des Börsengangs natürlich erneut nichts Gutes. Das in Hongkong gelisteten Papier steckt schon den ganzen Jahresverlauf über in einem Abwärtstrend und hat nun mit der neuen Nachricht im Gepäck den tiefsten Stand seit Juni 2017 erreicht. Wobei es durchaus noch ein Stück weiter nach unten gehen könnte, da erst im Bereich von 12,60 Hongkong-Dollar eine robustere Unterstützungszone liegt.

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