Gerresheimer: 870 Millionen bis September gestundet
Gerresheimer kämpft mit Bilanzkorrekturen und einem SDAX-Rauswurf. Gläubiger gewähren Fristverlängerung, während der Verkauf der US-Tochter anläuft.

- Bilanzskandal belastet den Verpackungsspezialisten
- Aktie erholt sich trotz massiver Probleme
- Gläubiger gewähren Aufschub für Kredite
- US-Tochter Centor steht zum Verkauf
Auf dem Kurszettel sieht es nach Entspannung aus. Seit dem Tief im Februar hat sich die Gerresheimer-Aktie um rund 50 Prozent auf aktuell 23,44 Euro erholt. Hinter den Kulissen kämpft der Pharmaverpackungshersteller indes weiter mit den massiven Folgen eines Rechnungslegungsskandals. Bis belastbare Zahlen vorliegen, bleibt das Unternehmen ein Sanierungsfall.
Fehlerhafte Bilanzen und ein Index-Rauswurf
Der Kern der Krise liegt in falsch verbuchten Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Gerresheimer verstieß gegen IFRS-Vorschriften und muss allein für das Geschäftsjahr 2024 den Umsatz um 35 Millionen Euro nach unten korrigieren. Das bereinigte operative Ergebnis fällt um 24 Millionen Euro geringer aus.
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Die Finanzaufsicht BaFin prüft außerdem fehlerhaft ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten und aktivierte Entwicklungskosten in zweistelliger Millionenhöhe. Das Management kündigte bereits massive Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro an. Weil der geprüfte Jahresbericht fehlte, flog die Aktie im April folgerichtig aus dem SDAX. Den Platz übernahm die bulgarische Shelly Group.
Gläubiger gewähren eine Atempause
Mitte April erzielte das Unternehmen einen wichtigen Stabilisierungsschritt. Eine große Mehrheit der Gläubiger gewährte eine Fristverlängerung für Schuldscheine im Volumen von 870 Millionen Euro. Die neue Deadline fällt auf den September 2026.
Die Banken spielen vorerst mit und setzen wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad bis in das vierte Quartal aus. Der Markt reagierte erleichtert auf diese finanzielle Flexibilität. Auf Wochensicht legte das Papier um fast zwölf Prozent zu und kreuzte dabei die 100-Tage-Linie. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 64 Euro bleibt der Kurs dennoch weit entfernt.
Notverkauf und vage Prognosen
Parallel treibt der Vorstand die Restrukturierung voran. Um die Finanzierungsstruktur abzusichern, steht die US-Tochter Centor zum Verkauf. Morgan Stanley sucht nach Käufern für den Hersteller von Medikamentenverpackungen, der Deal soll noch im laufenden Jahr über die Bühne gehen. Ein Glaswerk in Chicago schließt das Unternehmen komplett.
Operativ hält das Management an den Zielen fest und kalkuliert für 2026 mit Erlösen von bis zu 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte operative Marge soll bei rund 18 Prozent liegen. Diese Prognose steht ausdrücklich unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses. Das Management warnt explizit vor einem schwachen ersten Halbjahr.
Alles läuft nun auf einen Termin zu. Im Juni 2026 muss der testierte Jahresabschluss für 2025 vorliegen. Dieses Dokument bildet die zwingende Grundlage für die finale Verlängerung der Bankkredite. Gelingt die fristgerechte Vorlage nicht, schwindet der Verhandlungsspielraum mit den Kreditgebern drastisch.
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