Gerresheimer Aktie: 1,5-Milliarden-Verkauf an Apax Partners

Gerresheimer veräußert zwei Kunststoffbereiche an Apax für 1,5 Mrd. Euro. Der Konzern fokussiert sich künftig auf Medizintechnik und Drug-Delivery-Systeme.

Die Kernpunkte:
  • Verkauf an Apax Partners
  • Fokus auf Medizintechnik
  • Abschluss bis 2027 geplant
  • Hauptversammlung am 1. September

Gerresheimer leitet mit der Veräußerung großer Kunststoffsparten eine tiefgreifende Transformation ein. Das Unternehmen trennt sich von seinem US-Geschäft Centor sowie dem globalen Segment Primary Packaging Plastics. Auf Basis eines vereinbarten Unternehmenswerts von rund 1,5 Milliarden Euro gehen diese Geschäftsbereiche an einen Fondsverbund des Finanzinvestors Apax Partners über.

Fokus auf hochwertige Medizintechnik

Der Verkauf umfasst eine umfangreiche industrielle Basis. Betroffen sind 16 Produktionsstandorte in neun Ländern, an denen rund 2.400 Mitarbeitende beschäftigt sind. Medienberichten zufolge übernimmt das von Apax beratene Konsortium damit 15 internationale Standorte sowie das spezifische Centor-Werk in den Vereinigten Staaten.

Die veräußerten Sparten erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2025 zusammen einen Umsatz von rund 570 Millionen Euro. Mit diesem Schritt will Gerresheimer die strategische Ausrichtung des Konzerns grundlegend schärfen. Das Unternehmen wird sich künftig verstärkt auf hochwertige Drug-Delivery-Systeme, spezialisierte Medizinprodukte sowie Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel konzentrieren.

Zeitplan der Transaktion und Finanzlage

Der Vollzug der Transaktion erfolgt in zwei Stufen. Während der Abschluss des Centor-Verkaufs bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres 2026 erwartet wird, soll die Veräußerung des restlichen Kunststoffverpackungsgeschäfts voraussichtlich im ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein.

Die finanzielle Tragweite des Deals spiegelt sich deutlich in der aktuellen Bewertung wider. Während der Verkaufspreis bei rund 1,5 Milliarden Euro liegt, beläuft sich die gesamte Marktkapitalisierung von Gerresheimer derzeit auf 911,86 Millionen Euro. Die Aktie notiert heute bei 26,18 Euro und verzeichnete seit Jahresbeginn einen Rückgang von 5,08 Prozent.

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 prognostiziert das Management Umsatzerlöse in der unteren Hälfte einer Spanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro. Die bereinigte EBITDA-Marge soll sich zwischen 17 und 18 Prozent bewegen. Beim freien Cashflow rechnet das Unternehmen mit Werten zwischen minus 50 und minus 100 Millionen Euro.

Kommende Hauptversammlung und Aufsicht

Parallel zum operativen Umbau stehen wichtige Termine für die Aktionäre an. Wie das Unternehmen mitteilte, findet die diesjährige Hauptversammlung am 1. September in Düsseldorf statt. Die Einberufung zu diesem Termin erfolgte am vergangenen Dienstag.

Zusätzlich zur strategischen Neuausrichtung steht die Rechnungslegung des Konzerns unter Beobachtung. Laut BaFin wurde bereits im März eine Prüfung des verkürzten Konzernzwischenabschlusses für den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025 eingeleitet. Diese regulatorische Maßnahme sowie der im April erfolgte Abstieg aus dem SDAX kennzeichnen die herausfordernde Phase, in der Gerresheimer nun durch den massiven Spartenverkauf die Entschuldung und strategische Erneuerung sucht.

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