Gerresheimer Aktie: Abwärtsbewegung merkbar?

Der Pharmazulieferer Gerresheimer kämpft mit doppelter Finanzaufsichtsprüfung, hohen Wertberichtigungen und einer verschobenen Bilanz. Ein Verkauf der Tochter Centor soll die Liquidität stärken.

Die Kernpunkte:
  • Doppelte BaFin-Prüfung zu Bilanzierungsmethoden
  • Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Verkauf der US-Tochter Centor geplant
  • Neuer Großaktionär steigt trotz Krise ein

Nach dem Absturz auf ein 10-Jahres-Tief Ende Februar zeigt die Gerresheimer-Aktie Lebenszeichen. Doch der Pharmaverpackungsspezialist steht weiter massiv unter Druck. Zwei parallele BaFin-Prüfungen, Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro und ein verschobener Jahresabschluss bestimmen das Geschehen. Bis zum 31. März muss der Konzern liefern – sonst droht weiteres Ungemach.

BaFin verschärft Gangart: Doppelprüfung läuft

Die Finanzaufsicht nimmt Gerresheimer genau unter die Lupe. Neben der laufenden Untersuchung des Konzernabschlusses 2024 startete Ende Februar eine zweite Prüfung zum Halbjahresbericht 2025. Im Fokus: sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen. Bei dieser Abrechnungspraxis werden Umsätze verbucht, bevor die Ware tatsächlich ausgeliefert wird.

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Nach internen Hinweisen hatte Gerresheimer eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet. Das Ergebnis: Einzelne Mitarbeiter verletzten interne Richtlinien und Rechnungslegungsvorschriften. Für 2024 ergibt sich daraus ein Korrekturbedarf von rund 35 Millionen Euro beim Umsatz und etwa 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.

Massive Abschreibungen belasten Ergebnis

Hinzu kommen nicht zahlungswirksame Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro im Jahr 2025. Hauptursachen sind Entwicklungen bei Sensile Medical in der Schweiz und Gerresheimer Moulded Glass Chicago in den USA. Das Glaswerk in Chicago Heights soll zum Ende des Geschäftsjahres 2026 geschlossen werden.

Die Prognose für 2025 fällt entsprechend düster aus: Der Umsatz dürfte am oberen Ende der Bandbreite von minus vier bis minus zwei Prozent schrumpfen oder leicht besser ausfallen. Die bereinigte EBITDA-Marge wurde auf 16,5 bis 17,5 Prozent gesenkt, nach zuvor 18,5 bis 19,0 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie könnte im hohen zweistelligen Prozentbereich fallen – ein Verlust ist möglich.

Centor-Verkauf soll Liquidität schaffen

Um die Kapitalstruktur zu stabilisieren, hat Gerresheimer den Verkaufsprozess für die US-Tochter Centor gestartet. Das Interesse potenzieller Käufer sei hoch, ein Abschluss noch in diesem Jahr geplant. Centor gilt als attraktiver Vermögenswert mit stabiler Marktposition im Bereich pharmazeutischer Kunststoffverpackungen. Allerdings liefert das Geschäft bislang einen überdurchschnittlichen Ergebnisbeitrag – ein Verkauf würde die Margenstruktur des Konzerns spürbar verändern.

Für 2026 projiziert Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro bei einer EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent. Das erste Halbjahr 2026 soll dabei deutlich schwächer ausfallen als ursprünglich erhofft.

Neuer Großaktionär steigt ein

Im Aktionariat zeigt sich trotz der Unsicherheit Bewegung: Der CastleKnight Master Fund LP meldete Anfang März eine Beteiligung von 4,08 Prozent. Offenbar sieht ein Teil des Kapitals Potenzial in einem Turnaround. Die Aktie notiert bei 18,36 Euro und liegt damit knapp 18 Prozent über dem 10-Jahres-Tief von 15,57 Euro vom 26. Februar.

Fristgerechte Vorlage des Jahresabschlusses bis zum 31. März mit nachvollziehbaren Korrekturen könnte einen Teil der Unsicherheit aus dem Kurs nehmen. Der nächste Quartalsbericht folgt am 16. April 2026, die Hauptversammlung am 3. Juni 2026. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob das Management das verlorene Vertrauen bei Aufsehern, Prüfern und am Kapitalmarkt schrittweise zurückgewinnen kann.

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