Gerresheimer Aktie: BaFin-Untersuchung ausgeweitet

Die Finanzaufsicht prüft Bilanzierungsfehler bei Gerresheimer in mehreren Jahren. Das Unternehmen muss hohe Wertberichtigungen vornehmen und kämpft mit der drohenden Entfernung aus dem SDAX.

Die Kernpunkte:
  • BaFin prüft Bilanzierungsfehler über mehrere Jahre
  • Drohender Ausschluss aus dem SDAX-Index
  • Wertminderungen von über 220 Millionen Euro
  • Jahresabschluss verzögert sich bis Juni 2026

Was als isoliertes Problem bei der Umsatzverbuchung begann, wächst sich für den Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer zu einer fundamentalen Krise aus. Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Untersuchung massiv vergrößert, während das Unternehmen mit drohenden Millionenabschreibungen und dem nahenden Ausschluss aus dem SDAX kämpft.

IFRS-Verstöße rufen Aufseher auf den Plan

Eine unabhängige Kanzlei deckte systematische Verstöße gegen IFRS-Richtlinien bei sogenannten „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen auf. Umsätze wurden hierbei systematisch zu früh verbucht. Daraufhin hat die BaFin ihren Prüfungsradius vergrößert. Neben dem Geschäftsjahr 2023/24 durchleuchtet die Behörde nun auch den Zeitraum bis Mai 2025. Im Zentrum stehen potenziell falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von knapp 30 Millionen Euro. Um das Ausmaß exakt zu beziffern, führt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Grant Thornton derzeit eine aufwendige Sonderuntersuchung durch.

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Index-Ausschluss und Bankengespräche

Diese andauernden Prüfungen verzögern den Jahresabschluss bis in den Juni 2026 und haben gravierende Konsequenzen für den Kapitalmarkt. Weil der Konzern die Transparenzanforderungen der Deutschen Börse verletzt, gilt ein Ausschluss aus dem Nebenwerteindex SDAX intern als unausweichlich. Dies dürfte durch erzwungene Umschichtungen von Indexfonds weiteren Verkaufsdruck erzeugen – ein bitteres Szenario für ein Papier, das auf Sicht von zwölf Monaten bereits rund 76 Prozent an Wert verloren hat und aktuell bei nur noch 18,48 Euro notiert. Gleichzeitig zwingt die Lage das Management dazu, mit den Kreditgebern über eine Verlängerung der Einreichungsfristen für die Abschlüsse zu verhandeln.

Harter operativer Einschnitt

Auch operativ hinterlässt die Situation tiefe Spuren. Gerresheimer reagiert auf die Fehlentwicklungen mit einem harten Schnitt und strukturellen Anpassungen.

Folgende operative Einschnitte stehen fest:
* Wertminderungen: 220 bis 240 Millionen Euro, primär bei der Sensile Medical AG und US-Vermögenswerten.
* Verkauf: Die US-Tochtergesellschaft Centor Inc. wird veräußert, das Mandat liegt bei Morgan Stanley.
* Schließung: Das Werk in Chicago Heights stellt den Betrieb bis Ende 2026 ein.
* Prognosekappung: Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 sinkt auf 16,5 bis 17,5 Prozent.

Bis zur Vorlage des testierten Jahresabschlusses im Juni 2026 navigiert das Unternehmen durch eine Phase extrem hoher Unsicherheit. Dieser Termin fungiert als harter Prüfstein, an dem sich das tatsächliche Ausmaß der Bilanzierungsfehler und der Erfolg der laufenden Kreditverhandlungen ablesen lassen. Für das laufende Jahr rechnet das Management zwar mit Umsätzen von bis zu 2,4 Milliarden Euro, warnt aber ausdrücklich vor einem schwachen ersten Halbjahr. Erst wenn die BaFin-Verfahren abgeschlossen sind und belastbare testierte Zahlen vorliegen, haben Anleger wieder eine verlässliche Grundlage für die Bewertung des Unternehmens.

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