Gerresheimer Aktie: BaFin verschärft Druck

Die Finanzaufsicht untersucht bei Gerresheimer vier neue Prüffelder, darunter Leasingverbindlichkeiten und Wertminderungen. Der fehlende Jahresabschluss führt zu Kreditverhandlungen und verschobenen Terminen.

Die Kernpunkte:
  • BaFin prüft vier neue Bilanzbereiche bei Gerresheimer
  • Fehlender Abschluss führt zu technischem Kreditverzug
  • Quartalsmitteilung und Hauptversammlung verschoben
  • Aktie verliert 72 Prozent im Jahresvergleich

Die Lage bei Gerresheimer spitzt sich weiter zu. Nachdem der Pharmaverpackungsspezialist den geprüften Jahresabschluss 2025 bis zur Frist am 31. März nicht vorlegen konnte, weitet die BaFin nun ihre Bilanzkontrolle erheblich aus — und nimmt dabei deutlich mehr ins Visier als bisher bekannt.

Vier neue Prüffelder der Aufsichtsbehörde

Bislang standen fehlerhafte „Bill-and-Hold-Umsätze“ im Fokus der Behörde. Jetzt hat die BaFin Anhaltspunkte für weitere Verstöße identifiziert. Konkret untersucht sie:

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  • Leasingverbindlichkeiten: Mögliche Fehler beim Ausweis von 65,5 Mio. Euro
  • Entwicklungskosten: Korrektheit der Nutzungsdauern bei aktivierten Kosten (Buchwert 29,4 Mio. Euro)
  • Advanced Technologies: Frage, ob Wertminderungen auf Vermögenswerte von 196,5 Mio. Euro zu spät erfolgten
  • Risikomanagement: Kritische Überprüfung der Risikoeinschätzung rund um die Bormioli-Pharma-Übernahme

Das sind keine Randthemen. Allein der Posten im Segment Advanced Technologies übersteigt die Marktkapitalisierung vieler Mittelständler.

Finanzkalender und Kreditverträge in der Schwebe

Das Ausbleiben des testierten Abschlusses hat unmittelbare Folgen: Gerresheimer ist in technischen Verzug bei bestehenden Finanzierungsverträgen geraten. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit den Kreditgebern über Fristverlängerungen, um mögliche Kündigungsrechte abzuwenden. Parallel dazu wurden die für Mitte April geplante Q1-Mitteilung sowie die ursprünglich für den 3. Juni angesetzte Hauptversammlung auf unbestimmte Zeit verschoben. Den testierten Jahresabschluss will der Vorstand nun im Juni 2026 vorlegen.

Um Liquidität zu sichern, treibt das Management den Verkauf der US-Tochter Centor Inc. voran — begleitet von Morgan Stanley. Der Erlös soll die Nettofinanzschulden reduzieren. Zusätzlich plant Gerresheimer, bis Ende 2026 eine Glasfabrik in Chicago zu schließen und die Kapazitäten nach Italien und Indien zu verlagern.

An operativen Zielen für 2026 hält das Management bislang fest — allerdings ausdrücklich unter dem Vorbehalt erfolgreicher Kreditverhandlungen und eines glimpflichen Ausgangs der BaFin-Prüfung. Diese Einschränkung macht die Prognose kaum belastbar. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 72 Prozent ihres Wertes verloren und notiert aktuell bei 18,84 Euro — weit unterhalb des 200-Tage-Durchschnitts von 30,71 Euro. Solange Bilanzprüfung und Kreditverhandlungen keine Klarheit bringen, bleibt eine verlässliche Bewertung der Ertragskraft für den Kapitalmarkt kaum möglich.

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