Gerresheimer Aktie: Holpriger Weg?

Die Finanzaufsicht erweitert ihre Bilanzprüfung und leitet ein zweites Verfahren ein. Dies belastet das Vertrauen in Gerresheimer zusätzlich, nachdem das Unternehmen bereits seine Prognose gesenkt hat.

Die Kernpunkte:
  • Zwei laufende Prüfverfahren der BaFin
  • Prognosen für Umsatz und Marge gesenkt
  • Aktie notiert nahe dem Jahrestief
  • UBS stuft auf 'Sell' herab

Gerresheimer bekommt es gleich doppelt mit der BaFin zu tun – und genau das trifft einen ohnehin angeschlagenen Titel an einer empfindlichen Stelle: Vertrauen. Die Finanzaufsicht hat eine laufende Bilanzprüfung ausgeweitet und zusätzlich ein neues Verfahren gestartet. Wie groß ist das Risiko, dass am Ende weitere Korrekturen folgen?

Zwei BaFin-Verfahren – und mehr Streitpunkte

Gerresheimer teilte am 25. Februar mit, dass die BaFin ihre seit September laufende Prüfung des Konzernabschlusses 2024 erweitert. Ging es zunächst um mögliche Rechnungslegungsverstöße rund um sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen, stehen nun weitere Themen auf dem Zettel: die Bilanzierung von Leasingverbindlichkeiten, mögliche Fehler bei Angaben zur Aktivierung von Entwicklungskosten sowie unterlassene Wertminderungsbuchungen.

Besonders im Fokus: die Frage, ob im Segment Advanced Technologies eine Wertminderung von 196,5 Millionen Euro schon früher hätte erfolgen müssen. Der Kern des Problems ist damit klar: Es geht nicht nur um einzelne Buchungen, sondern um die Zuverlässigkeit früherer Darstellungen der Vermögenslage.

Parallel dazu hat die BaFin ein zweites Prüfverfahren zum Halbjahresfinanzbericht 2025 eingeleitet. Hier schaut die Behörde laut Unternehmen vor allem auf Risikomanagement und Akquisitionen – konkret auf die Risikoeinschätzung im Zusammenhang mit dem Kauf von Bormioli Pharma. Gerresheimer hatte Risiken aus Akquisitionen, Desinvestitionen und Kooperationen sowie das Liquiditätsrisiko unverändert als „gering“ eingestuft; die BaFin sieht Anhaltspunkte, dass diese Einstufung nicht mehr angemessen gewesen sein könnte.

Außerdem will die Aufsicht Bill-and-Hold-Themen nun auch im Halbjahresbericht 2025 prüfen: Es geht darum, ob Umsätze bereits zum Halbjahr erfasst werden durften oder erst später.

Bilanzthemen, Prognoseschnitt, Verkaufsprozess

Auslöser der Aufarbeitung sind nach Unternehmensangaben Verstöße einzelner Mitarbeitender gegen interne Richtlinien und IFRS-Vorgaben. Im Zentrum stehen zu früh erfasste Erlöse aus Bill-and-Hold-Geschäften sowie die Bewertung von Lagerbeständen. Für 2024 erwartet Gerresheimer daraus einen Korrekturbedarf von rund 35 Millionen Euro beim Umsatz und etwa 24 Millionen Euro beim bereinigten EBITDA.

Neben KPMG ist laut Quelltext inzwischen auch Grant Thornton mit den Bilanzierungsthemen 2024 und 2025 befasst. Eine unabhängige Rechtsanwaltskanzlei kam zuvor zu dem Ergebnis, dass die Umsatzrealisierung aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen „durchgängig nicht den Anforderungen der IFRS entsprach“ und systematisch zu früh erfolgte.

Operativ reagierte Gerresheimer inmitten der Turbulenzen zudem mit einer gesenkten Erwartung für 2025: Der Konzern rechnet nun mit einem Umsatzrückgang am unteren Ende der bisherigen Spanne von -4% bis -2%. Die EBITDA-Marge wurde von 18,5–19,0% auf 16,5–17,5% reduziert. Dazu kommen erwartete Wertminderungen von 220 bis 240 Millionen Euro (ohne Liquiditätsabfluss), begründet mit Entwicklungen bei Sensile Medical (Schweiz) und Gerresheimer Moulded Glass Chicago (USA).

Um die Kapitalstruktur zu stabilisieren, hat das Unternehmen außerdem den Verkaufsprozess der US-Tochter Centor gestartet. Ein Abschluss wird noch in diesem Jahr angestrebt.

Aktie nahe Jahrestief – der Markt bleibt nervös

Am Montag notiert die Gerresheimer-Aktie bei 16,03 Euro und damit -4,58% tiefer als am Freitagsschluss (16,80 Euro). Auf Sicht von 30 Tagen summiert sich das Minus auf -36,44%, seit Jahresbeginn auf -42,17%. Besonders auffällig: Das Papier liegt nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 15,57 Euro und zugleich rund 80% unter dem 52-Wochen-Hoch von 82,00 Euro.

Auch die technische Lage wirkt angeschlagen: Der RSI (14 Tage) liegt bei 17,7, die 30-Tage-Volatilität bei 111,76% – beides unterstreicht, wie nervös der Handel zuletzt war.

Als zusätzlicher Belastungsfaktor kommt Analystendruck hinzu: UBS senkte nach der Prognoseanpassung das Kursziel deutlich und stufte von „Neutral“ auf „Sell“ ab. Als Gründe nennt die Bank laut Quelle unter anderem höhere Unsicherheit, geringere Wachstumsdynamik und eine angespannte Bilanz.

Zum Fahrplan nannte das Unternehmen im Ausblick zwei greifbare Punkte: eine fristgerechte Veröffentlichung des Geschäftsberichts bis 31. März (der zentrale Aspekte der BaFin-Prüfungen adressieren könnte) sowie Fortschritte beim Centor-Verkauf. Der nächste im Quelltext genannte Termin ist zudem der Q1-Bericht am 16. April 2026.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 2. März liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 2. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gerresheimer