Gerresheimer Aktie: KPMG unter Beschuss
Die Finanzaufsicht ermittelt gegen den Prüfer KPMG und weitet die Untersuchung zu Gerresheimers Bilanz aus. Das Unternehmen plant den Verkauf der US-Tochter Centor zur Sanierung.

- APAS leitet Verfahren gegen Prüfer KPMG ein
- Wertberichtigungen von bis zu 240 Millionen Euro
- BaFin prüft falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten
- Verkauf der Tochter Centor als Sanierungsmaßnahme
Der Bilanzskandal bei Gerresheimer zieht immer weitere Kreise. Nachdem die BaFin bereits seit September 2025 ermittelt, gerät nun auch der Abschlussprüfer KPMG ins Visier der Regulatoren — ausgerechnet für einen Jahresabschluss, den die Prüfer selbst mit uneingeschränktem Bestätigungsvermerk abgesegnet hatten.
KPMG-Testat im Kreuzfeuer
Die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS hat ein berufsrechtliches Verfahren gegen KPMG eingeleitet. Der Vorwurf dreht sich um den Jahresabschluss 2024, den KPMG — erst im Jahr zuvor von Deloitte übernommen — ohne Einschränkungen testiert hatte. Parallel arbeitet nun mit Grant Thornton eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft an der Aufarbeitung der Abschlüsse für 2024 und 2025.
Im Zentrum der Untersuchungen stehen Bewertungsfragen, die eigentlich zu den ausgewiesenen Prüfungsschwerpunkten gehört hatten: Geschäftswerte von rund 676 Millionen Euro sowie Technologien des Segments „Advanced Technologies“ mit einem Buchwert von rund 196 Millionen Euro. Gerresheimer hat inzwischen Wertberichtigungen von 220 bis 240 Millionen Euro angekündigt — betroffen sind vor allem Projekte der 2018 übernommenen Sensile Medical sowie Vermögenswerte eines Glaswerks in Chicago.
BaFin weitet Prüfung aus
Die Finanzaufsicht beschränkt sich längst nicht mehr auf die Frage falsch bewerteter Technologieaktiva. Die Behörde hat konkrete Anhaltspunkte, dass auch Leasingverbindlichkeiten in Höhe von 65,5 Millionen Euro falsch ausgewiesen und aktivierte Entwicklungskosten mit falschen Nutzungsdauern angesetzt wurden. Zusätzlich steht die Risikodarstellung im Halbjahresbericht 2025 unter Verdacht: Das Risiko aus der Bormioli-Pharma-Übernahme wurde dort als „gering“ eingestuft — eine Einschätzung, die die BaFin als „nicht mehr angemessen“ bewertet.
Der Aktionärsschutzverband DSW prüft unterdessen mithilfe eines Gutachtens mögliche Schadensersatzansprüche gegen den ehemaligen CEO Dietmar Siemssen und Ex-CFO Bernd Metzner.
Centor-Verkauf als Schlüssel zur Sanierung
Gerresheimer steht ohne testierten Jahresabschluss da. Die Frist zum 31. März 2026 ist verstrichen, Gespräche mit Kreditgebern über eine Fristverlängerung laufen. Hauptversammlung und Q1-Bericht bleiben auf unbestimmte Zeit verschoben; der Halbjahresbericht ist für den 14. Juli 2026 angesetzt.
Als zentrales Sanierungsinstrument gilt der geplante Verkauf der US-Tochter Centor, begleitet von Morgan Stanley und für 2026 angepeilt. Der Erlös soll die Schulden spürbar reduzieren. Für das laufende Jahr stellt Gerresheimer einen Umsatz von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht — allerdings explizit unter dem Vorbehalt, dass BaFin-Untersuchungen und Kreditverhandlungen ein tragfähiges Ergebnis liefern.
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