Gerresheimer Aktie: Leiser Frust?

Der Pharmaverpacker Gerresheimer kämpft mit verschobenen Abschlüssen, BaFin-Prüfungen und drohenden Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro. Der Aktienkurs ist bereits um rund 80 Prozent eingebrochen.

Die Kernpunkte:
  • BaFin prüft Bilanzierungsverstöße über Jahre
  • Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro drohen
  • Jahresabschluss und Hauptversammlung massiv verschoben
  • Aktienkurs verliert fast 80 Prozent an Wert

Was als Bilanzierungsproblem begann, hat sich bei Gerresheimer zur handfesten Unternehmenskrise ausgeweitet. Der Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialist kämpft mit verschobenen Abschlüssen, laufenden Behördenprüfungen und drohenden Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro — und der Kurs spiegelt das schonungslos wider.

BaFin erhöht den Druck

Den Ausgangspunkt bildeten sogenannte Bill-and-Hold-Vereinbarungen: Mitarbeiter hatten Umsätze gebucht, bevor die Ware überhaupt ausgeliefert war. Ende 2025 räumte das Unternehmen diese Bilanzierungsfehler ein. Seitdem hat sich der Fall erheblich ausgeweitet.

Die Finanzaufsicht BaFin prüft mittlerweile nicht nur den Geschäftsbericht 2023/24, sondern auch den Zeitraum von Dezember 2024 bis Mai 2025. Die Behörde erklärte, sie habe konkrete Hinweise auf Verstöße gegen Bilanzierungsvorschriften. Im Fokus stehen neben der Umsatzrealisierung auch möglicherweise falsch ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro sowie aktivierte Entwicklungskosten von 29,4 Millionen Euro.

Parallel untersucht eine zweite externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Geschäftsvorgänge der Jahre 2024 und 2025. Diese Sonderuntersuchung dauert länger als erwartet — weshalb Gerresheimer per Ad-hoc-Meldung vom 10. März ankündigte, den testierten Jahresabschluss 2025 nicht wie geplant bis Ende März vorlegen zu können. Neuer Termin: Juni 2026.

Weitreichende Folgen für den Finanzkalender

Die Verschiebung zieht sich durch den gesamten Unternehmenskalender:

  • SDAX-Ausschluss droht, weil die Transparenzregeln der Deutschen Börse verletzt werden — Indexfonds müssten bei einem Ausschluss umschichten, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen kann
  • Q1-Quartalsmitteilung (geplant: 16. April 2026) wird verschoben, neuer Termin offen
  • Hauptversammlung (geplant: 3. Juni 2026) kann nicht wie vorgesehen stattfinden

Hinzu kommen Gespräche mit Kreditgebern über eine Verlängerung vertraglich vereinbarter Fristen zur Abschlussvorlage. Wie flexibel sich die Banken zeigen, ist derzeit offen.

Abschreibungen, Margenverfall, Centor-Verkauf

Die finanziellen Belastungen sind erheblich. Abschreibungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro — vor allem auf die Schweizer Tochter Sensile Medical und den US-Standort Chicago — drücken auf das Ergebnis. Die bereinigte EBITDA-Marge für 2025 soll nur noch 16,5 bis 17,5 Prozent erreichen, statt der ursprünglich angepeilten 18,5 bis 19,0 Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie ist ein deutlich zweistelliger Einbruch wahrscheinlich, ein Verlust nicht ausgeschlossen.

Zur Bilanzentlastung plant das Management den Verkauf der profitablen US-Tochter Centor. Das ist ein zweischneidiges Schwert: Gerade weil Centor hochmargig ist, würde ein Verkauf die ohnehin geschwächte Margenstruktur weiter belasten.

Der Kurs hat auf die Entwicklungen der vergangenen Monate entsprechend reagiert. Vom 52-Wochen-Hoch bei über 80 Euro im März 2025 ist die Aktie auf aktuell rund 17,56 Euro gefallen — ein Rückgang von knapp 80 Prozent. Der nächste entscheidende Termin ist Juni 2026: Liegt der testierte Abschluss dann vor und besteht die BaFin-Prüfung, wäre das ein erster konkreter Schritt zurück zur Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt.

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