Gerresheimer Aktie: Radikaler Notverkauf
Der Pharmaverpacker Gerresheimer verkauft seine profitable US-Sparte Centor und schließt ein US-Werk, um die Bilanz nach einem Buchhaltungsskandal zu sanieren. Ein drohender SDAX-Ausschluss erhöht den Druck.

- Verkauf der hochprofitablen US-Tochter Centor geplant
- Schließung des Glaswerks Chicago Heights bis 2026
- BaFin prüft Bilanzskandal mit vorzeitiger Umsatzverbuchung
- Aktie verliert 77,5 Prozent innerhalb eines Jahres
Um die eigene Kapitalstruktur nach einem schweren Bilanzskandal zu retten, greift der Pharmaverpackungsspezialist Gerresheimer zu drastischen Mitteln. Das Management opfert mit der US-Tochter Centor eine seiner margenstärksten Sparten und streicht parallel Kapazitäten im eigenen Produktionsnetzwerk zusammen. Die Zeit drängt, denn offene BaFin-Untersuchungen und fehlende Jahresabschlüsse setzen das Unternehmen massiv unter Druck.
Margenbringer steht zum Verkauf
Die Investmentbank Morgan Stanley soll den Verkauf der vollständig gehaltenen US-Tochter Centor noch in diesem Jahr über die Bühne bringen. Die Sparte für verschreibungspflichtige Medikamentenverpackungen stand Ende 2024 mit 292 Millionen Euro in den Büchern und gilt als hochprofitabel. Der geplante Deal entlastet zwar die Bilanz, dürfte die Ertragskraft des Gesamtkonzerns zukünftig aber spürbar schwächen. Gleichzeitig schließt Gerresheimer bis Ende 2026 sein Glaswerk im amerikanischen Chicago Heights und verlagert die dortige Produktion an bestehende Standorte in Italien und Indien.
Bilanzfehler mit schweren Folgen
Auslöser dieser harten Einschnitte ist eine tiefgreifende Vertrauenskrise. Die Finanzaufsicht BaFin prüft derzeit Zwischenabschlüsse aus dem vergangenen Jahr. Im Raum stehen unzulässige „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen, bei denen Umsätze offenbar vor der tatsächlichen Auslieferung der Ware verbucht wurden. Eine externe Sonderprüfung bremst nun die Erstellung der regulären Bilanzen massiv aus.
Diese Hängepartie hat direkte Konsequenzen für den Kapitalmarkt. Weil der testierte Jahresabschluss 2025 nicht wie geplant bis Ende März vorgelegt werden kann, droht der Aktie der Ausschluss aus dem SDAX. Indexfonds müssten in diesem Fall umschichten, was zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugen würde. Die massive Unsicherheit spiegelt sich bereits im Kursverlauf wider: Auf Sicht von zwölf Monaten hat das Papier drastische 77,5 Prozent an Wert verloren und notiert aktuell nur noch im Bereich von 18 Euro.
Nächste Hürde im Juni
Das Management führt derzeit Gespräche mit Kreditgebern, um Fristverlängerungen für die ausstehenden Bilanzen zu erwirken. Der nächste konkrete Meilenstein für eine fundamentale Neubewertung des Unternehmens ist für Juni 2026 angesetzt. Dann plant Gerresheimer die Vorlage des testierten Jahresabschlusses, der laut aktuellen Werthaltigkeitstests auch nicht zahlungswirksame Wertminderungen von bis zu 240 Millionen Euro enthalten wird.
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