Gerresheimer Aktie: Short-Seller reduzieren am 10. Juni

Erste Short-Seller reduzieren Positionen bei Gerresheimer. Das Unternehmen hofft auf ein Testat im Juni, während BaFin und APAS ermitteln.

Die Kernpunkte:
  • Short-Positionen leicht reduziert
  • Jahresabschluss für Juni erwartet
  • Centor-Verkauf mit Morgan Stanley
  • Kreditgeber setzen Covenants aus

Das Vertrauen des Marktes fehlt noch. Gerresheimer kämpft mit einem verschobenen Jahresabschluss, einem SDAX-Rauswurf und aktiven Ermittlungen gegen den Wirtschaftsprüfer KPMG — und trotzdem ziehen erste Short-Seller leise ihre Positionen zurück.

Erster Rückzug der Leerverkäufer

Connor, Clark & Lunn Investment Management senkte seine Netto-Leerverkaufsposition am 10. Juni von 0,79 auf 0,68 Prozent. Das entspricht einem Rückgang von rund 14 Prozent. Ein Signal — aber kein Trendwechsel.

Der Gesamtdruck bleibt hoch. Nach dem SDAX-Rauswurf im April 2026 sind passive Indexfonds als Käufer weggefallen. Sie müssen den Titel nicht mehr halten und haben ihn teils aktiv verkauft. Das erleichtert es Short-Sellern, ihre Positionen aufzubauen und zu halten.

Buchungsfehler, BaFin und ein abgesetzter Prüfer

Im Kern der Krise steckt ein konkreter Fehler: KPMG testierte den Jahresabschluss 2024 ohne Einschränkung — obwohl fehlerhafte Umsatzbuchungen von 35 Millionen Euro darin steckten. KPMG hatte erst 2024 Deloitte als Prüfer abgelöst. Nun ermitteln BaFin und die Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS.

Die DSW hat ein Gutachten zur Verantwortlichkeit ehemaliger Führungskräfte eingeholt. Im Visier stehen Ex-CEO Dietmar Siemssen, Ex-CFO Bernd Metzner sowie Mitglieder des Aufsichtsrats.

Der ursprünglich für Ende Februar 2026 erwartete Jahresabschluss wurde mehrfach verschoben. Gerresheimer will ihn nun im Juni vorlegen. Hauptversammlung und Quartalsmitteilung für das erste Quartal hat das Unternehmen abgesagt. Für viele institutionelle Investoren gilt: Ohne testierten Abschluss ist die Aktie schlicht nicht investierbar.

Centor-Verkauf und ausgesetzte Covenants

Parallel läuft der Bieterprozess für die US-Tochter Centor — mit einer zweistelligen Anzahl von Interessenten, begleitet von Morgan Stanley. Gerresheimer rechnet noch in diesem Jahr mit dem Abschluss.

Kreditgeber haben wesentliche Bedingungen zum Verschuldungsgrad bis zum dritten Quartal 2026 ausgesetzt. Das gibt dem Unternehmen Luft, ohne sofort in einen Vertragsverstoß zu geraten. Ein Zeichen, dass die Gläubiger die Lage kennen und Gerresheimer Zeit kaufen wollen.

Für 2026 peilt das Unternehmen Umsätze zwischen 2,3 und 2,4 Milliarden Euro an, eine bereinigte EBITDA-Marge von 18 bis 19 Prozent und einen moderat positiven freien Cashflow. All das gilt unter dem Vorbehalt eines positiven BaFin-Ergebnisses.

Die Aktie notiert aktuell bei 25,46 Euro — gut 70 Prozent über dem Jahrestief von 14,90 Euro, aber fast 50 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Das Testat im Juni wird zeigen, ob dieser Abstand schrumpft oder wächst.

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