Gerresheimer Aktie: Shortseller bauen Position aus

Gerresheimer verkauft zwei Geschäftsbereiche für 1,5 Mrd. Euro zur Entschuldung. Analysten und Leerverkäufer bleiben trotz Kursrally skeptisch.

Die Kernpunkte:
  • Verkaufserlös von 1,5 Milliarden Euro
  • Entschuldung und Zinskosten sollen sinken
  • Analysten bleiben bei Zurückhaltung
  • Shortseller erhöhen ihre Positionen

Als Gerresheimer am 29. Juli den Verkauf von Centor und des globalen Kunststoffverpackungsgeschäfts PPP verkündete, schoss die Aktie zeitweise um 7,48 Prozent auf 28,74 Euro nach oben. Neun Tage später notiert das Papier bei 26,56 Euro, allein in der vergangenen Woche ging es um 3,77 Prozent zurück. Für mich zeigt dieser Rückfall etwas Grundsätzliches: Der Markt feiert den Deal kurz, glaubt aber nicht an eine schnelle Trendwende.

Ein überfälliger Schritt zur Entschuldung

Der Konzern hat über seine Tochtergesellschaften Gerresheimer Glass Inc., Gerresheimer Glas GmbH und Gerresheimer Group GmbH endgültige Vereinbarungen mit einer Tochtergesellschaft von Fonds unterzeichnet, die von Apax Partners beraten werden. Verkauft werden die Centor US Holding Inc. sowie das globale Primary-Packaging-Plastics-Geschäft, zusammen bewertet mit rund 1,5 Milliarden Euro Unternehmenswert. Betroffen sind etwa 2.400 Mitarbeitende an 15 Produktionsstandorten in neun Ländern, die 2025 zusammen einen Umsatz von rund 570 Millionen Euro erwirtschafteten. Der Centor-Abschluss wird bis Ende des Geschäftsjahres 2026 erwartet, das PPP-Geschäft soll im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2027 folgen. Morgan Stanley agierte als Lead-Berater, unterstützt von der Commerzbank, rechtlich begleitete Latham & Watkins die Transaktion.

CFO Wolf Lehmann brachte den Zweck auf den Punkt: Man werde „mit den erwarteten Mittelzuflüssen unsere Entschuldung vorantreiben. Zusammen mit der geplanten umfassenden Refinanzierung wird das unsere Zinskosten deutlich senken.“ Das ist kein Nebensatz, sondern die eigentliche Botschaft. Wer sich den Jahresabschluss 2025 in Erinnerung ruft, versteht warum: 2,3 Milliarden Euro Umsatz bei nur 0,3 Prozent organischem Wachstum, eine Adjusted-EBITDA-Marge von 16,8 Prozent, ein negatives Konzernergebnis und der komplette Ausfall der Dividende. Für 2026 senkte das Management die Guidance zusätzlich und stellte einen freien Cashflow von minus 50 bis minus 100 Millionen Euro in Aussicht. Vor diesem Hintergrund wirkt der Verkauf weniger wie eine mutige strategische Wende als wie eine notwendige Konsequenz.

Analysten trauen dem Frieden nicht

Bemerkenswert ist, wie zurückhaltend selbst die Reaktionen der Analysten auf die frisch verkündete Transaktion ausfielen. Jefferies-Analyst Christopher Richardson beließ die Einstufung am 29. Juli bei „Hold“ mit einem Kursziel von 26,80 Euro und ordnete den Centor-Verkauf als „die vom Markt am meisten erwartete Transaktion“ ein, während die Einbeziehung des PPP-Geschäfts eine zusätzliche Maßnahme darstelle. Die DZ Bank hob ihre Einschätzung am selben Tag von einer Verkaufs- auf eine Halteempfehlung an und erhöhte das Kursziel von 16,00 auf 30,00 Euro. Doch auch hier bleibt ein Wermutstropfen: Die Analysten verweisen darauf, dass der Bereich moulded glass weiterhin im Konzern verbleibt, die Margen belastet und die Suche nach einem Käufer noch andauert.

Zwei Häuser, ein Muster: Beide erkennen die Logik der Portfoliobereinigung an, keines traut sich zu einer Kaufempfehlung. Das ist für mich das eigentliche Signal dieser Woche, nicht der kurzzeitige Kurssprung.

Skeptiker bauen ihre Position aus

Parallel dazu meldete D. E. Shaw & Co. laut Bundesanzeiger-Eintrag vom 29. Juli eine Erhöhung seiner Shortquote von 1,41 auf 1,52 Prozent. Ausgerechnet am Tag der positiven Deal-Nachricht bauten Shortseller ihre Wette gegen die Aktie also weiter aus. Das passt zu einem Kurs, der aktuell 43,18 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom 22. August 2025 liegt und trotz der jüngsten Erholung von den Tiefs des Jahres fragil bleibt.

Fazit

Unterm Strich sehe ich in dem Centor/PPP-Verkauf einen richtigen, aber überfälligen Schritt, der die Bilanz entlastet und Zinskosten senken dürfte. Die verhaltenen Analystenreaktionen und die ausgebaute Shortposition sprechen jedoch dagegen, den Kurssprung vom 29. Juli als Wendepunkt zu interpretieren. Solange der margenbelastende moulded-glass-Bereich ohne Käufer bleibt und die Guidance für 2026 gesenkt ist, dürfte die Aktie ein Sanierungsfall mit offenem Ausgang bleiben. Die Quartalsmitteilung im August und die Hauptversammlung am 1. September werden zeigen, ob sich diese Skepsis auflöst.

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