Gerresheimer Aktie: Testierte Abschlüsse bis 30. September 2026

Die Finanzaufsicht BaFin hat bei Gerresheimer zusätzliche Unregelmäßigkeiten in der Bilanz gefunden. Der Druck auf den Spezialverpackungshersteller wächst.

Die Kernpunkte:
  • BaFin findet neue Bilanzauffälligkeiten
  • KPMG steht im Fokus der APAS
  • Frist für testierte Abschlüsse bis September
  • Kreditgeber gewähren vorerst Aufschub

Die Finanzaufsicht BaFin hat bei Gerresheimer weitere mögliche Bilanzierungsfehler identifiziert. Der Spezialverpackungshersteller steht zunehmend unter Druck. Hinzu kommt ein Verfahren der Abschlussprüferaufsichtsstelle APAS gegen den bisherigen Wirtschaftsprüfer KPMG.

Der Kurs fiel am Mittwoch auf 24,56 Euro. Die Aktie verlor damit seit Jahresanfang 11,4 Prozent. Über zwölf Monate gerechnet beträgt das Minus sogar 48,7 Prozent.

Neue Vorwürfe, neue Fristen

Die BaFin fand bei ihrer erweiterten Untersuchung zusätzliche Auffälligkeiten. Im Fokus: fehlerhaft ausgewiesene Leasingverbindlichkeiten. Dazu kommen ungenaue Angaben zu Nutzungsdauern aktivierter Entwicklungskosten und nicht erfasste Wertminderungen.

Allein das Segment Advanced Technologies weist einen Buchwert von knapp 197 Millionen Euro auf. KPMG hatte den Jahresabschluss 2024 noch uneingeschränkt testiert. Die APAS leitete nun ein Verfahren gegen die Prüfgesellschaft ein.

Gerresheimer muss bis zum 30. September 2026 testierte Abschlüsse vorlegen. Kritisch: Die ursprünglich für Ende Februar erwarteten Zahlen wurden bereits mehrfach verschoben, zuletzt auf Juni. Auch die Hauptversammlung und die Quartalsmitteilung fielen aus.

Kreditgeber halten vorerst still

Im April verlor Gerresheimer seinen Platz im SDAX. Die Volatilität bleibt mit 45,6 Prozent annualisiert hoch.

Die Kreditgeber gewähren dem Konzern aber Luft. Schuldschein-Inhaber mit rund 96 Prozent eines Gesamtvolumens von 870 Millionen Euro stimmten einer Fristverlängerung zu. Wesentliche Kreditbedingungen zum Verschuldungsgrad wurden bis zum dritten Quartal 2026 ausgesetzt.

Parallel treibt der Vorstand die Neuausrichtung voran. Geplant ist der Verkauf des Formglasgeschäfts. Gerresheimer will sich ganz auf System- und Lösungen für die Pharmaindustrie konzentrieren.

Die zentralen Fragen bleiben offen: Wann legt das Unternehmen testierte Abschlüsse vor? Und wie viele Altlasten kommen noch ans Licht? Klarheit vor dem 30. September 2026 ist für das Vertrauen der Anleger entscheidend.

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