Gerresheimer Aktie: Totales Bilanz-Debakel

Gerresheimer kämpft mit massiven Bilanzfehlern und einer erweiterten BaFin-Prüfung. Ein Notverkauf soll Liquidität bringen, während der Aktienkurs historisch tief steht.

Die Kernpunkte:
  • BaFin weitet Prüfung auf Bilanz bis Mai 2025 aus
  • Massive Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro
  • Verkauf der profitablen US-Tochter Centor geplant
  • Aktienkurs verlor über 76 Prozent an Wert

Für den Düsseldorfer Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer geht es aktuell um die Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt. Zwei parallele BaFin-Prüfungen, ein verschobener Jahresabschluss und massive Abschreibungen haben das Vertrauen der Anleger fast vollständig zerstört. Während der Aktienkurs nach einem beispiellosen Absturz am Boden liegt, blicken Marktteilnehmer nervös auf den entscheidenden Stichtag Ende März.

BaFin weitet Prüfung massiv aus

Im Zentrum der Krise stehen sogenannte „Bill-and-Hold“-Vereinbarungen, bei denen Umsätze verbucht wurden, bevor die Ware tatsächlich ausgeliefert war. Eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft deckte auf, dass Mitarbeiter interne Richtlinien und Rechnungslegungsvorschriften verletzt hatten.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Gerresheimer?

Die Finanzaufsicht BaFin hat daraufhin ihre Gangart deutlich verschärft. Die Behörde prüft nun nicht mehr nur den Geschäftsbericht 2023/24, sondern nimmt auch den Zeitraum bis Mai 2025 ins Visier. Es gibt konkrete Anhaltspunkte für weitere Fehler: In der Bilanz für 2024 könnten Leasingverbindlichkeiten von 65,5 Millionen Euro und aktivierte Entwicklungskosten von fast 30 Millionen Euro falsch ausgewiesen sein.

Die finanziellen Konsequenzen sind gravierend. Das Unternehmen erwartet für 2025 Wertminderungen zwischen 220 und 240 Millionen Euro. Der Vorstand musste bereits die Verantwortung übernehmen: CEO Dietmar Siemssen und CFO Bernd Metzner räumten ihre Posten.

Notverkauf als Rettungsanker

Um die schwer angeschlagene Bilanz zu stabilisieren, greift das neue Management zu drastischen Mitteln. Die hochprofitable US-Tochter Centor, die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente herstellt, soll verkauft werden. Morgan Stanley wurde beauftragt, den Deal noch in diesem Jahr abzuwickeln.

Doch ist dieser Schritt nachhaltig? Ein Verkauf würde zwar kurzfristig Liquidität bringen, verschlechtert aber langfristig die Margenstruktur des Konzerns erheblich, da Centor als Ertragsperle gilt. Gleichzeitig droht juristischer Ärger: Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prüft Schadenersatzansprüche für geschädigte Aktionäre.

Trotz der toxischen Nachrichtenlage wagen sich erste institutionelle Investoren aus der Deckung. Sowohl der CastleKnight Master Fund als auch die Deka Investment meldeten zuletzt Beteiligungen oberhalb der Meldeschwellen. Diese Marktteilnehmer spekulieren offenbar darauf, dass das Schlimmste bereits eingepreist ist.

Bodenbildung oder Fall ins Bodenlose?

Der Blick auf die Kursentwicklung offenbart das Ausmaß der Krise. Vom 52-Wochen-Hoch bei 82,00 Euro im März 2025 hat sich das Papier meilenweit entfernt – der Wertverlust auf Jahressicht beträgt über 76 Prozent. Zuletzt konnte sich die Aktie vom Tief bei 15,57 Euro leicht lösen und schloss am Freitag bei 19,09 Euro.

Die unmittelbare Zukunft der Aktie entscheidet sich am 31. März 2026. Bis zu diesem Datum will Gerresheimer den testierten Jahresbericht vorlegen und reinen Tisch machen. Gelingt es dem Management, die Bedenken der BaFin auszuräumen und Transparenz zu schaffen, ist eine technische Gegenbewegung denkbar. Sollten im Prüfbericht jedoch neue „Leichen im Keller“ auftauchen, dürfte das jüngste Tief kaum halten. Am 16. April folgt dann bereits der nächste Quartalsbericht, der erste Hinweise auf die operative Stabilität liefern muss.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 7. März liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. März erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Gerresheimer