Gerresheimer Aktie: Unzufriedenheit wächst

Der Pharmaverpacker Gerresheimer kämpft mit Bilanzierungsfehlern, dreistelligen Millionenabschreibungen und dem drohenden Ausschluss aus dem SDAX. Die BaFin hat ihre Ermittlungen ausgeweitet.

Die Kernpunkte:
  • BaFin weitet Prüfung auf mehrere Geschäftsjahre aus
  • Abschreibungen von bis zu 240 Millionen Euro erwartet
  • Aktie droht Ausschluss aus dem SDAX-Index
  • Kursverlust von über 77 Prozent binnen Jahresfrist

Verschobene Jahresabschlüsse, ausufernde BaFin-Prüfungen und drohende Abschreibungen in dreistelliger Millionenhöhe erschüttern den Pharmaverpackungsspezialisten Gerresheimer. Nachdem interne Ermittlungen gravierende Bilanzierungsfehler aufdeckten, steht nun sogar der Verbleib im SDAX auf dem Spiel. Die Situation zwingt das Management zu drastischen Schritten und weckt massiv das Interesse von Leerverkäufern.

BaFin weitet Ermittlungen aus

Auslöser der Krise sind manipulierte Umsätze. Mitarbeiter hatten Erlöse verbucht, bevor die entsprechende Ware überhaupt ausgeliefert war. Die Finanzaufsicht BaFin hat ihre Untersuchungen daraufhin deutlich ausgeweitet und prüft nun neben dem Geschäftsbericht 2023/24 auch den Zeitraum bis Mai 2025. Im Zentrum stehen dabei nicht nur die vorzeitige Umsatzrealisierung, sondern auch aktivierte Entwicklungskosten. Eine zweite, externe Sonderprüfung der Vorfälle verzögert nun die Erstellung des Konzernabschlusses massiv.

Abschreibungen und Terminchaos

Die finanziellen Folgen dieser Bilanzkorrekturen treffen das Unternehmen hart. Um die Liquidität zu schonen, plant Gerresheimer noch im laufenden Jahr den Verkauf der US-Tochter Centor. Gleichzeitig wirbelt die fehlende Testierung den gesamten Finanzkalender durcheinander, während sich die operativen Belastungen summieren:

  • Juni 2026: Neuer Zieltermin für die Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2025
  • 220 bis 240 Millionen Euro: Erwartete Wertminderungen (primär USA und Schweiz)
  • 65,5 Millionen Euro: Von der BaFin geprüfte, potenziell fehlerhafte Leasingverbindlichkeiten
  • 16,5 bis 17,5 Prozent: Nach unten korrigierte Prognose für die bereinigte EBITDA-Marge

SDAX-Ausschluss und Kursverfall

Die fehlenden Finanzberichte haben direkte Konsequenzen für die Börsennotierung. Die Deutsche Börse wird die Aktie voraussichtlich aus dem SDAX ausschließen, da Gerresheimer die grundlegenden Transparenzanforderungen verletzt. Indexfonds müssen ihre Positionen in der Folge liquidieren. Dieser drohende Verkaufsdruck ruft bereits Shortseller auf den Plan, die ihre Leerverkaufspositionen zuletzt weiter ausgebaut haben. Der Kapitalmarkt straft die Intransparenz gnadenlos ab: Am Freitag schloss das Papier bei 17,56 Euro und hat damit auf Sicht von zwölf Monaten über 77 Prozent an Wert verloren.

Der nächste zwingende Termin für das Unternehmen fällt in den Juni 2026. Bis zur Vorlage des testierten Abschlusses muss das Management parallel die Verhandlungen mit den Kreditgebern über verlängerte Meldefristen abschließen, um mögliche Vertragsverletzungen abzuwenden. Solange die BaFin-Prüfungen andauern und belastbare Zahlen fehlen, agieren Investoren bei dem Titel im Blindflug.

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