Gerresheimer Aktie: Vertrauenskrise

Nach einer BaFin-Prüfung korrigierte Gerresheimer seine Bilanz, verlor massiv an Börsenwert und startet unter neuem Management ein umfassendes Restrukturierungsprogramm.

Die Kernpunkte:
  • Bilanzkorrektur nach Prüfung durch Finanzaufsicht
  • Aktie verliert massiv an Wert und Marktkapitalisierung
  • Neue Führung startet umfassendes Restrukturierungsprogramm
  • Strategische Neuausrichtung mit geplanter Segmentabspaltung

Der Pharma-Verpackungsspezialist Gerresheimer kämpft mit den Folgen einer Bilanzkorrektur. Nach BaFin-Prüfung, IFRS-Verstößen und CEO-Wechsel verlor die Aktie allein in der vergangenen Woche 57 Millionen Euro an Marktwert – ein weiterer Schlag für die institutionellen Investoren, die 67% der Anteile halten. Kann die neue Führung das Ruder noch herumreißen?

BaFin-Prüfung deckt Bilanzfehler auf

Am 22. Dezember 2025 musste Gerresheimer eine weitreichende Korrektur bekanntgeben: Sämtliche Umsätze aus Bill-and-Hold-Vereinbarungen in Höhe von rund 28 Millionen Euro wurden nicht IFRS-konform verbucht. Eine von der BaFin initiierte Untersuchung durch eine externe Kanzlei brachte die systematischen Fehler ans Licht.

Die Konsequenzen:

  • Umsatz 2024: Minus 18 Millionen Euro auf korrigierte 2,018 Milliarden Euro (-1%)
  • Bereinigtes EBITDA: Minus 5 Millionen Euro
  • Ergebnis je Aktie: Minus 0,10 Euro (-2%)

Das Unternehmen kündigte an, künftig vollständig auf diese Vertragsform zu verzichten.

Operative Schwäche verschärft die Lage

Bereits im Oktober 2025 hatte Gerresheimer die Jahresprognose kassiert. Die Neunmonatszahlen zeigten einen organischen Umsatzrückgang von 1,8% und ein um 7,5% gesunkenes bereinigtes EBITDA. Hauptgründe: anhaltend schwache Nachfrage im Kosmetikgeschäft und bei Verpackungen für orale Flüssigkeiten.

Die angepasste Guidance für 2025:
– Organischer Umsatzrückgang: -2% bis -4% (zuvor: 0 bis +2%)
– Bereinigte EBITDA-Marge: 18,5% bis 19% (zuvor: rund 20%)

Uwe Röhrhoff kehrt zurück

Ende Oktober 2025 übernahm Uwe Röhrhoff als Interims-CEO. Der Branchenveteran führte Gerresheimer bereits von 2010 bis 2017 und soll nun den Turnaround schaffen. Sein Vorgänger Dietmar Siemssen verließ das Unternehmen nach sieben Jahren einvernehmlich. Mit Wolf Lehmann als neuem CFO und Achim Schalk als zusätzlichem Vorstandsmitglied ist der Umbau der Führungsetage abgeschlossen.

Das Management hat ein umfassendes Restrukturierungsprogramm gestartet: selektivere Investitionsplanung, operative Exzellenz-Maßnahmen und Optimierung des globalen Produktionsnetzwerks. Ein neu geschaffenes Transformation Office berichtet direkt an den CFO.

Moulded-Glass-Geschäft wird abgespalten

Die strategische Neuausrichtung schreitet voran. Ab 2026 wird das Moulded-Glass-Segment als eigenständige Division geführt, der Verkaufsprozess ist für 2026 geplant. Gerresheimer will sich künftig als reiner System- und Lösungsanbieter für Pharma- und Biotech-Kunden positionieren.

Institutionelle Investoren im Minus

Goldman Sachs hält mit 8,8% den größten Anteil, Goldman Sachs Asset Management folgt mit 8,7%, Vanguard mit 4,1%. Die Top-12-Aktionäre kontrollieren 51% der Stimmrechte.

Die Bilanz des Jahres 2025 ist verheerend: Mit einem Minus von über 60% hat die Gerresheimer Aktie den DAX massiv underperformt. Die Marktkapitalisierung ist auf unter eine Milliarde Euro geschrumpft – bei einem Enterprise Value von knapp 3 Milliarden Euro aufgrund der Verschuldung. Die neuen Quartalszahlen Anfang Februar werden zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen erste Früchte tragen.

Gerresheimer-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Gerresheimer-Analyse vom 15. Januar liefert die Antwort:

Die neusten Gerresheimer-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Gerresheimer-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Gerresheimer: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...